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Die Stasi war immer und überall zugegen

11.7.2011

"Die DDR war immer dabei"




Müller: Die DDR war immer dabeiMüller: Die DDR war immer dabei (© OLZOG Verlag)
Während Wilhelm Mensing mit seiner Forschungsarbeit über die Rolle der ZK-Abteilung Verkehr anhand der überkommenen Dokumente einen Aspekt der "Westarbeit" der SED darstellt, will Michael Ludwig Müller die von ihm unter Westdeutschen und vor allem der Jugend behauptete "häufig totale Unwissenheit" darüber bekämpfen, was "Stasi- und Parteifunktionäre in der DDR" seit den späten Vierzigerjahren unternommen haben, politischen Einfluss in der Bundesrepublik einschließlich West-Berlin zu gewinnen. Er tut dies als Journalist, der seit den Sechzigerjahren für Axel Springers "Berliner Morgenpost" unter anderem über Hochschulpolitik und Studentenunruhen gearbeitet und die Berlin- und Deutschlandpolitik von West-Berlin aus kritisch beobachtet hat. Müller ist ein allem Linken abholder Zeitzeuge, der eigene Beobachtungen vor allem mit entsprechenden Darstellungen in den Medien und in der Sekundärliteratur unterfüttert.

Müller spürt dem Einfluss von SED, FDJ und Stasi in den Friedensbewegungen gegen die Wiederbewaffnung, gegen den "Atomtod" und gegen den Nato-Doppelbeschluss sowie in den linksgerichteten Organisationen, vor allem denen der Studenten, nach. "West-Berlin – ein Tummelplatz der Stasi", "West-Studenten – leichte Beute des MfS", "Bonner Spitzel" lauten Überschriften von Kapiteln, in denen über Spione und Agenten des DDR-Geheimdienstes von Karl Heinz Maier, dem langjährigen Vorsitzenden der (West-) Berliner Pressekonferenz, über Rainer Rupp ("Topas") und Gabriele Gast, den Topspionen von Markus Wolf bei der Nato und beim BND, bis zum Kanzlerspion Günter Guillaume, dem "Einflussagenten" William Borm, dem Berliner FDP-Bundestagsabgeordneten, und den "Maulwürfen" im Bundesamt für Verfassungsschutz Hansjoachim Tiedge und Klaus Kuron mehr oder weniger ausführlich berichtet wird. Sozusagen aus unmittelbarem Erleben schreibt Müller über sein eigenes Umfeld: "Enteignet Springer – eine Parole, die aus dem Osten kam" und die "Stasi-Zuträgerin als Springers Chefsekretärin". Müller beschäftigt sich auch mit den östlichen Propaganda-Offensiven und Desinformationsversuchen – NS-Juristen, Hans Globke, Theodor Oberländer, Heinrich Lübke – ohne freilich neue Erkenntnisse zu präsentieren.

Der Autor mahnt mit seiner journalistischen Fleißarbeit, nichts zu vergessen, zu vertuschen oder zu verdrängen, was die "ostdeutschen Kommunisten" in ihrem "kalten Krieg" gegen die Bundesrepublik und West-Berlin, im "Operationsgebiet", angerichtet haben. Er wendet sich gegen das "verklärte Bild der DDR" und gegen Vergessen oder Desinteresse, denn nur aufgeklärt könnten die Nachwachsenden künftigen Auseinandersetzungen mit extremistischen Gegnern der freiheitlichen Demokratie gewachsen sein. Sein detailreiches Buch ist keine wissenschaftliche Forschungsarbeit, sondern ein Beitrag aus West-Berliner Sicht zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.




 

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