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30.3.2011 | Von:
Marcus Sonntag

DDR-Arbeitslager – Orte der Schaffung eines "neuen Menschen"

In den Arbeitslagern der DDR sollten Häftlinge zu kommunistischen Menschen erzogen werden. Die Realität und der Alltag in den Lagern sahen sehr viel nüchterner aus. Anspruch und Wirklichkeit des Erziehungsversuchs werden im folgenden Beitrag anhand von Gefangenenakten untersucht.

Haftarbeitslager in der DDR


Arbeitslager, so wird im Allgemeinen angenommen, dienten vor allem der Ausbeutung der Arbeitskraft von Inhaftierten. Insbesondere an nationalsozialistische Lagereinrichtungen wird man denken, möglicherweise auch an den Gulag der stalinistischen Sowjetunion. In beiden Gesellschaftssystemen waren Lager zumeist extralegale Sondereinrichtungen für Regimegegner unterschiedlicher politischer, religiöser oder ethnischer Zugehörigkeit. Zunächst liegt daher die Vermutung nahe, dass die DDR-Arbeitslager gewissermaßen in dieser "Tradition" standen, handelte es sich doch phänomenologisch um ähnliche Einrichtungen. Allerdings waren die Haftarbeitslager (HAL) in Ostdeutschland keine Einrichtungen eines mehr oder weniger permanenten Ausnahmezustandes,[1] sondern sie waren ein – wenn auch besonderer – Teil des herkömmlichen Strafvollzugssystems.

Häftlinge des Straflagers Rüdersdorf bei Berlin arbeiten 1949 im nahegelegenen Steinbruch.Häftlinge des Straflagers Rüdersdorf bei Berlin arbeiten 1949 im nahegelegenen Steinbruch. (© Otto Donath / Bundesarchiv, Bild 183-1983-0426-313)
In den DDR-Lagern saßen keine Straftäter, die sich wegen besonders schwerer Verbrechen zu verantworten hatten, sondern insbesondere Personen, die vergleichsweise kürzere Haftstrafen wegen leichterer Vergehen verbüßen mussten. Des Weiteren konnten auch "Langstrafer", die einen Teil ihrer Haftzeit bereits hinter sich gebracht hatten, in ein Lager verlegt werden. Die Haft in einem Arbeitslager wurde von den Verantwortlichen und auch von vielen Häftlingen als Vergünstigung angesehen. Die Haftbedingungen waren gelockert, es gab keine Zellen, sondern Gruppenunterkünfte, es bestand die Möglichkeit des Austauschs mit den Betriebsangehörigen des Arbeitseinsatzbetriebes und bis 1962 bestand die Option, durch Übererfüllung der Produktionsleistung die Haftzeit zu verkürzen, "Tage einzuarbeiten". Gleichwohl waren die Lager militärisch straff organisiert und geführt, das Leben dort sehr hart. In Lagerhaftanstalten sollte in einer besonderen Kombination aus sozialistischer Arbeit und politisch-kultureller Erziehung der "neue Mensch" nach Maßgabe der SED auch gegen Widerstände geschaffen werden.[2] Strafvollzug im Lager hatte in der DDR neben deren ökonomischer Stabilisierung sowie der Disziplinierung und Internierung echter und vermeintlicher Straftäter die Aufgabe, einen sozialistischen Menschen zu formen, der seine eigenen Interessen hinter gesellschaftlichen zurückstellte:

"Die Erziehung zur Einhaltung der allgemeinen gesellschaftlichen Normen und Verhaltensweisen ist ein wesentliches Ziel der Erziehung im Strafvollzug. Letztlich sollen die Strafgefangenen nach ihrer Entlassung daran gewöhnt sein, sich gesellschaftsgemäß zu verhalten. [...] Erziehung im Strafvollzug bedeutet also Erziehung des Strafgefangenen zu einem Menschen mit Kollektivgeist, der in der Lage ist, seine Interessen mit den Interessen der Gesellschaft in Einklang zu bringen und auf die Entwicklung nicht gesellschaftsgemäßer Interessen zu verzichten."[3] Unter kommunistischer Erziehung war die "zielgerichtete, planmäßig organisierte Formung allseitig entwickelter Menschen zu verstehen, die psychischen Reichtum, moralische Reinheit und physische Vollkommenheit harmonisch in sich vereinen. Höchstes Ziel der kommunistischen Erziehung ist die Erziehung von Menschen, die fähig sind, kommunistisch zu leben und zu arbeiten."[4] Diese utopische Zielstellung sollte in den Arbeitslagern der DDR notfalls auch unter Zwang verwirklicht werden. Dabei stellten politische Häftlinge nur eine Minderheit in den Lagern dar. Sie wurden meist als "nicht besserungsfähig" eingestuft und von Erziehungsbemühungen ausgeschlossen, weswegen sie im vorliegenden Beitrag nicht explizit Beachtung finden.[5]

Im Folgenden wird der Frage nachgegangen, wie in den Lagern versucht wurde, jene erzieherische(n) Maßgabe(n) praktisch umzusetzen. Wie wurde auf Inhaftierte in Arbeitslagern der DDR Einfluss genommen, wie versuchte man sie zu erziehen? Dabei gestatten insbesondere die überlieferten Gefangenenakten intime Einblicke in die Praktiken hinter den Lagerzäunen. Bislang wurde den DDR-Gefangenenakten in der Forschung kaum Beachtung geschenkt, obwohl sich mit ihnen zahlreiche Rückschlüsse auf Leben und Arbeiten der Menschen in den Lagerhaftanstalten ziehen lassen.[6] Es wird daher zunächst die Qualität der überlieferten Gefangenenakten als Quelle diskutiert (I.). In einem zweiten Schritt wird insbesondere anhand von Material aus Gefangenen- bzw. Vollzugsakten demonstriert, wie die Strafvollzugsangehörigen ihren Erziehungsauftrag umsetzten, welche Probleme sich dabei ergaben und woran mögliche Erziehungserfolge gemessen wurden (II.). Dabei wird berücksichtigt, wie die Häftlinge in dieser Wärter-Insassen-Konstellation agieren und reagieren konnten. Waren sie den erzieherischen Bemühungen ihrer Vorgesetzten in den Lagern hilflos ausgeliefert?

I. Gefangenenakten als Quelle


Gefangenenakten sind aus allen Jahrzehnten der Existenz der DDR überliefert. Teilweise wurden sie jedoch vor ihrer Archivierung sehr stark ausgedünnt. So enthalten die Akten der Lager Sollstedt und Pöthen aus den späten Fünfzigerjahren kaum mehr als Aufnahme- und Abgangsbogen, Arbeitskarte, Arbeitsbescheinigung und Gesundheitskarte eines Gefangenen.[7] Das Verzeichnis der wichtigsten Schriftstücke auf dem Umschlag einer Akte gibt aber noch Auskunft darüber, welche Unterlagen sie einmal enthielten.[8] Dazu zählen neben den bereits erwähnten Haftbefehl, Aufnahmeersuchen, Urteil, Fragebogen, Wertsachenverzeichnis, Sprecherlaubnis für Angehörige, Sondersprechgenehmigung, Vorführungsersuchen, Strafmaß, Quittung für die Abgabe eines Personalausweises, Entlassungsschein sowie verschiedene andere, nicht näher bezeichnete Formblätter, die nur mit ihrer vollzugsinternen Abkürzung angeführt werden. Mithilfe des vorhandenen Materials ist beispielsweise nachvollziehbar, dass die meisten Gefangenen bei gesundheitlichen Beschwerden tatsächlich einem Arzt vorgestellt wurden. Oft handelte es sich dabei sogar um den Betriebsarzt, der dann über das weitere Vorgehen entschied.[9] Außerdem kontrollierte der zuständige Staatsanwalt die Streichung von Strafnachlass, die aus disziplinarischen Gründen vorgenommen werden konnte. Das beweist seine Unterschrift auf den Arbeitskarten. Auffallend vielen Gefangenen wurden pauschale 100 Mark Entlassungsgeld ausgezahlt, obwohl aufgrund von Haftdauer und Arbeitsleistung unterschiedliche Beträge die Regel hätten sein müssen.

Haftarbeitslager Oelsnitz beim Gottes-Hilfe-Schacht um 1955.Haftarbeitslager Oelsnitz beim Gottes-Hilfe-Schacht um 1955. (© Bergbaumuseum Oelsnitz/Erzgebirge)
Ebenso können aus den nicht mehr vorhandenen Unterlagen Folgerungen gezogen werden. So waren die meisten Gefangenen in diesen Jahren zu kurz in den beiden genannten Lagern, um mit ihnen ein Erziehungsprogramm festzulegen und durchzuführen. Viele waren "Kurzstrafer" und arbeiteten zudem Tage ein, sodass sie das Lager oft bereits nach einigen Monaten wieder verließen. In den Inhaltsverzeichnissen der Akten finden sich daher keine Hinweise auf die Existenz von Erziehungsprogrammen oder gar Protokolle von Erziehungsgesprächen. Ehemalige Inhaftierte berichten davon, dass in den Fünfzigerjahren ohnehin keine Erziehungsgespräche oder ähnliches stattfanden.[10] Die Häftlinge sollten vor allem eines: arbeiten für den "Aufbau des Sozialismus". Das änderte sich erst im Laufe der Sechzigerjahre, wie andere Dokumente belegen.[11]

Auch die Gefangenenakten aus den Siebzigerjahren sind stark ausgedünnt worden,[12] doch erlauben die noch vorhandenen Materialien Annahmen über die Entwicklung der Umerziehungsbemühungen in den Lagern. Diese waren differenzierter geworden. Die Vollzugsakten enthielten nunmehr den Aufnahmebogen mit allgemeinen Angaben zur Person sowie den Entlassungsschein einschließlich der Angabe über das gezahlte Entlassungsgeld bzw. Eigengeld. Des Weiteren umfassten sie einen Nachweis über in der Haft erworbene berufliche Qualifikationen: eine Maßnahme zur Stärkung der Erziehungsbemühungen. Zudem fanden sich eine Arbeitskarte, ein "Aufnahmeuntersuchungs- und Arbeitsfähigkeitsbefund", eine ärztliche Behandlungskarte, die Unfallmeldungen des Betriebes sowie Temperaturkurve und Wiegekarte in den Akten. Letztere geben Aufschluss darüber, dass einige Inhaftierte während der Haft sogar zunahmen – sie erhielten in den Arbeitslagern meist das gleiche Werkküchenessen wie die anderen Betriebsangehörigen.[13]

Spätestens in den Achtzigerjahren hatten die Gefangenenakten einen Umfang erreicht, der auf ernsthafte Versuche individueller Einflussnahme schließen lässt.[14] Für die Strafvollzugseinrichtung Unterwellenborn, einem Arbeitslager bei der Maxhütte, sind die Unterlagen für alle Entlassungsjahrgänge dieses Jahrzehnts vollständig erhalten. Man findet Aufnahmebogen, Haftbefehl, Urteil, Unterlagen aus der Untersuchungshaft, Auszug aus dem Strafregister, Krankentransportscheine, Tätowierungsbogen, Behandlungskarte, Geldforderungen verschiedener Stellen sowie Nachweise über geschriebene und empfangene Briefe. Für die Fragestellung wichtig sind Erziehungs- und Führungsberichte, manchmal auch ein ganzes Erziehungsprogramm, ein Formular zum Aufnahmegespräch mit dem Gefangenen, Nachweise über Disziplinarmaßnahmen und Prämierungen sowie über Beschwerden der Gefangenen. Die Erzieher legten eine Entwicklungsübersicht (eine Einschätzung des Gefangenen über einen längeren Zeitraum) an sowie Nachweise über die Teilnahme an Veranstaltungen der politisch-kulturellen Erziehung und der beruflichen Weiterqualifizierung. In einigen Akten stößt man zudem auf ein Formular zur Einschätzung eines Gefangenen durch Betriebsangehörige.[15]

Insgesamt ist damit die Überlieferung in den Gefangenenakten insbesondere aus den Achtzigerjahren gut geeignet, um Theorie und Praxis der Erziehung in den Arbeitslagern der DDR einander gegenüberzustellen. Allerdings müssen stets weitere Materialien hinzugezogen und dürfen die Einschätzungen der Vollzugsangehörigen in den Akten nicht für bare Münze genommen werden. Man kann an den vorhandenen Unterlagen gleichwohl nachvollziehen, wie Angehörige des Strafvollzugs (SV) versuchten, die Erziehungsvorgaben ihrer Behörde umzusetzen. Dabei handelten einige schematisch, andere engagiert und durchaus mit Menschenkenntnis. Die Aufzeichnungen erlauben Rückschlüsse auf die Praktiken des Erziehens, damit verbunden des Bewertens und Einordnens von Menschen in die von der Vollzugsverwaltung erstellten Kategorien. Oft widerspiegeln sie insbesondere das, was falsch lief. Sie können nicht erklären, wie die zu Erziehenden dachten, inwieweit sie sich beeinflussen ließen. Ein Gefangener konnte seinen Erzieher täuschen, indem er falsche Tatsachen, andere Überzeugungen vorspielte. Insbesondere persönliche Briefe, die die Erzieher öffneten und auswerteten, legten viel eher offen, "wes Geistes Kind" ein Gefangener war. Die schriftlichen Hinterlassenschaften der Erzieher und des SV-Personals geben nur sehr begrenzt Aufschluss über mögliche Erziehungserfolge, aber sie gewähren tiefe Einblicke in die Arbeit des "Organs Strafvollzug".

II. "Umerziehung" im Spiegel von Gefangenenakten


Industrieanlagen des VEB Maxhütte in Unterwellenborn 1949.Industrieanlagen des VEB Maxhütte in Unterwellenborn 1949. (© Bundesarchiv, Bild 183-S81540, Foto: Gerhard Graf)
In den ersten Jahren ihrer Existenz waren Haftlager unter der Verwaltung der Justizbehörden Bestandteil einer Strafvollzugsreform, die von reaktivierten Gefängnisreformern der Weimarer Republik konzipiert wurde. In den Haftlagern sollten Gefangene mit kürzeren Haftstrafen unter gelockerten Bedingungen in produktive Arbeit gebracht werden. Einen solchen Weg beschritt ab 1949 das Lager bei der Maxhütte Unterwellenborn.[16] Die Insassen waren vergleichsweise schwach bewacht, die Gebäude der Hafteinrichtung waren Teil des Betriebsgeländes, die Innenräume in bescheidener Form wohnlich eingerichtet worden. Die kulturelle Betreuung zur "Hebung" von Gefangenen, um die sich das Vollzugswesen in den folgenden Jahren nur leidlich bemühen sollte, war zu dieser Zeit noch gegeben. Das Werk selbst führte sie durch. Der Baracke der Gefangenen war ein großer Radioapparat zugeteilt sowie ein Großlautsprecher im Korridor, damit alle Gefangenen den Rundfunk mitverfolgen konnten. Ebenso existierte eine Bücherei mit "guten, neuzeitlichen Büchern", die Hütte besorgte die tägliche Belieferung der Baracke mit Zeitungen. Allerdings war das Lesebedürfnis der Gefangenen nach der harten Arbeit ausgesprochen gering, lediglich die Tageszeitungen wurden gelesen. Zudem bestand die Möglichkeit, mit Instrumenten zu musizieren. Der Höhepunkt der Woche dürfte der Sonntag gewesen sein, an dem alle Kommandoangehörigen das Kino des Werkes besuchten.[17] Die beschriebenen Methoden der Besserung von Gefangenen, indem man ihnen den Zugang zu Kultur ermöglichte, waren in vielen Strafvollzugssystemen der Welt gängige Praxis. Sie lassen erkennen, dass in den frühen Haftlagern der DDR-Justiz erzieherische Bemühungen einen gewissen Stellenwert besaßen.

Erst in den folgenden Jahren, nachdem das Ministerium des Innern (MdI) die Lager 1951 übernommen hatte, wurden die Hafteinrichtungen zu reinen Arbeitslagern, in denen die Erziehungsbemühungen auf ein Minimum schrumpften. Nicht zuletzt der Einsatz zahlreicher Gefangener im Schichtdienst erschwerte eine erzieherische Einflussnahme erheblich. Die größte Sorge der Verantwortlichen galt der Inarbeitbringung der Strafgefangenen.[18] Allerdings waren in der Theorie des Strafvollzuges seit dem 19. Jahrhundert gerade mit dem Arbeitseinsatz erzieherische Aspekte verbunden. Harte Arbeit, so die Annahme, diente immer auch der Erziehung. Die Arbeit sollte einen Menschen bessern können. Gerade in der sozialistischen Staatenwelt sollte die Arbeit durch ihre Befreiung von jeglichem Ausbeutungscharakter nach der "demokratischen" Umwälzung erstes Grundbedürfnis jedes Menschen sein. Gefangenenarbeit diene nun nicht mehr den Interessen einzelner Unternehmer oder eines ausbeuterischen Staates, sondern der gesamten Gesellschaft, so die Ansicht der Vollzugsverantwortlichen der DDR. Folglich durfte kein Strafgefangener den Arbeitseinsatz verweigern, sein Wille zur Normerfüllung war vielmehr der wichtigste Gradmesser für ernsthafte Besserungs- und Wiedereingliederungsbemühungen.[19]

Erst in den Sechzigerjahren wurden ältere Überlegungen wieder aufgegriffen. Vollzugstheoretiker wiesen darauf hin, dass Arbeit allein einen Menschen nicht bessern könne, wenn sie nicht von politisch-kulturellen Erziehungsmaßnahmen begleitet werde. Politisch-aktuelle Gespräche, Politinformationen und Wandzeitungen, Vorträge und Produktionsberatungen hielten (wieder) Einzug in den Lagern. Zudem sollte Häftlingen die Möglichkeit gegeben werden, sich beruflich weiterzuqualifizieren oder Schulabschlüsse nachzuholen. Das Spektrum der Erziehungsmaßnahmen wurde also diversifiziert. Zentral blieb allerdings der Arbeitseinsatz der Gefangenen, auf den die DDR-Staatswirtschaft immer weniger verzichten konnte.[20]

Stets dauerte es einige Zeit, bis diese und andere theoretische Innovationen umgesetzt wurden. Die Bemühungen darum belegen einige für den Dienstalltag wichtige Publikationen, die zwischen 1979 und 1982 erschienen.[21] Zwar begann man bereits in den Sechzigerjahren, Führungsgespräche und ähnliches mit Gefangenen durchzuführen, aber erst die Aufnahme der DDR in die UNO 1973 sowie die Unterzeichnung der KSZE-Schlussakte 1975 und die Novelle des Vollzugsgesetzes von 1977 sollten den Weg für einen begrenzten Erziehungsstrafvollzug freimachen. Oft beschränkten sich bis dahin die erzieherischen Maßnahmen auf ein Aufnahmegespräch und "Maßnahmen der staatsbürgerlichen Erziehung und Bildung", vornehmlich Gruppenveranstaltungen mit Vorträgen. "Kollektiverziehung" genoss zwar in der sozialistischen Gesellschaftsordnung oberste Priorität; dennoch mahnte die Vollzugsbehörde immer wieder an, dass die individuelle Arbeit mit den Gefangenen verbessert werden müsste. Das war schwer zu erreichen, denn die Erzieher waren oft schlecht ausgebildet und mangelhaft qualifiziert. Zudem war die Dienstzeitbelastung sehr hoch, und Verwaltungsaufgaben fraßen wertvolle Zeit. Ferner hatten viele Gefangene, speziell die politischen, überhaupt kein Interesse an einer doktrinären Einflussnahme. Sie verweigerten sich oder wurden als Systemgegner ohnehin von allen Aktivitäten jenseits des Arbeitseinsatzes ausgeschlossen.[22]

III. "Umerziehung" in den Achtzigerjahren


Vor allem mit den Gefangenenakten des letzten Jahrzehnts der DDR lässt sich abbilden, wie die Vollzugsangehörigen ihren Erziehungsauftrag in den Lagern umsetzten. Dies geschieht hier anhand eines konkreten Falls aus dem Unterwellenborner Lager.[23]

Gegen den Gefangenen W. wurde 1980 aufgrund von "Beeinträchtigung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung durch asoziales Verhalten" Haftbefehl erlassen. Er wurde nach § 249 des Strafgesetzbuches der DDR zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt. Ein Auszug zeigt, dass W. bereits als Schüler wegen Körperverletzung zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt und zu einem 10.-Klasse-Abschluss, fünf Tagen gemeinnütziger Freizeitarbeit sowie monatlicher Berichtspflicht unter Androhung einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten verpflichtet worden war. Diese Vorstrafe wurde nun angerechnet. Nach der Untersuchungshaft und dem Ergehen des Urteils verlegte man W. in das Arbeitslager Unterwellenborn, wo der zuständige SV-Angehörige ein Aufnahmegespräch mit ihm führte.[24]

Dieses erste Gespräch diente dem Kennenlernen des Gefangenen. Auf einem speziellen Formular hielt der Erzieher Angaben zu Charaktereigenschaften und Persönlichkeitsmerkmalen fest und machte sich Notizen zum Verhalten des Inhaftierten während des Gesprächs: W. sei aufgeschlossen, habe aber eine "lasche Haltung". Erzieher und Strafgefangener sprachen über Schuldbekenntnis und Bereitschaft zu Bewährung und Wiedergutmachung. Auf der Rückseite des Formulars war Raum für Eintragungen zu "Strukturmerkmalen der Persönlichkeitsentwicklung", die der Strafvollzug an Dingen wie geordneter sozialer Entwicklung, geordneten Familienverhältnissen, gesellschaftlicher Arbeit, Wehrdienst und Mitgliedschaft in gesellschaftlichen Organisationen festmachte. Beim Aufnahmegespräch wurde mit dem Gefangenen die Höhe der Rücklage festgelegt, die monatlich bis zur Entlassung angespart werden sollte. W. wollte 20 Mark im Monat zurücklegen, um 300 Mark ansammeln zu können.

Offenbar waren die Vollzugsverantwortlichen tatsächlich darauf bedacht, eine präzise Einschätzung eines Gefangenen vorzunehmen, um ihn erziehen zu können. Maßnahmen hierfür wurden in einem Erziehungsprogramm festgelegt, das Angaben zur Persönlichkeit des Gefangenen sowie zu Schwerpunkten und Tätigkeiten der Erziehung, etwa staatsbürgerlichen Schulungen, enthielt. Verhalten und Umgang eines Gefangenen sollten stets kontrolliert und in regelmäßigen Abständen mit ihm ausgewertet werden.[25] Viele Gefangene wurden als labil und willensschwach charakterisiert, die Formulare für die Erziehungsprogramme oft nur leidlich ausgefüllt.[26] Dennoch waren die Zeiten, in denen Lagerhäftlinge einfach nur in Arbeit gebracht werden sollten, definitiv vorüber.

Industrieanlagen des VEB Maxhütte Unterwellenborn 1989.Industrieanlagen des VEB Maxhütte Unterwellenborn 1989. (© Jan Peter Kasper
© Bundesarchiv, Bild 183-1989-0425-019)
Bald nach der Aufnahme des Gefangenen W. in das Lager Unterwellenborn erfolgte tatsächlich das erste Erziehungsgespräch, worüber der Durchführende handschriftlich Nachweis führte. Offensichtlich zeigte sich der Häftling zu dieser Zeit noch willig, durch gute Leistungen seine vorzeitige Entlassung auf Bewährung zu erreichen: "Während des Gesprächs war W. sachlich u. aufgeschlossen u. diszipliniert, redet relativ viel." In anderen Fällen fielen die Notizen erheblich knapper aus. Hier gab es deutliche Unterschiede zwischen den Erziehern.[27]

Schon knapp zehn Tage später legte der Verantwortliche eine weitere Kurzeinschätzung des Betragens des Gefangenen an. Beurteilt wurde W. anhand seines Gesamtverhaltens, seiner Disziplinarstrafen, seiner Anerkennungen bzw. der verfügten Sicherungsmaßnahmen, der persönlichen Ordnung und Sauberkeit und aufgefallenen Besonderheiten. Sein Gesamtverhalten war ohne wesentliche Beanstandungen, sein Auftreten ruhig und diszipliniert, seine Arbeitsleistungen gut; sein Verhalten im Strafgefangenenkollektiv war verträglich, so der SV-Angehörige, der seinen Erziehungsauftrag ernst zu nehmen schien.

Gut zweieinhalb Monate nach seiner Einweisung legte der zuständige Erzieher einen Führungsbericht an, in dem eingeschätzt werden sollte, ob der Gefangene bereits für eine bedingte Strafaussetzung in Frage käme. Hier zeigen sich nun die Richtwerte, an denen das Vollzugswesen die Besserung eines Gefangenen, also Erziehungserfolge, messen wollte. Angeführt wurden eine allgemeine Beurteilung des Gefangenen und Angaben darüber, wie er sich führte, es folgten die sehr bedeutsame Einschätzungen seiner politischen Grundhaltung sowie seiner Arbeitsleistung. Gerade die beiden letztgenannten Bewertungen entschieden über das weitere Schicksal eines Sträflings. Wurden hier keine Verbesserungen festgestellt, war an eine Strafaussetzung auf Bewährung nicht zu denken – wie im Falle von W., dessen "politische Grundhaltung" laut Erzieher "als negativ eingeschätzt werden" müsse. Und sein Arbeitseinsatzbetrieb, der VEB Transportgummi Bad Blankenburg, meldete dem Strafvollzug, dass W. "zwar in der Lage ist, gute Leistungen zu vollbringen, jedoch aufgrund seiner mangelnden Einstellung zur Arbeit dieses nur erreicht wird, wenn er ständig unter Kontrolle bzw. des staatlichen Zwanges [sic!] steht."[28] Bei anderen Lagerinsassen hingegen brachten eine "progressive" Einstellung zur DDR sowie gute Leistungen als Brigadier beim Arbeitseinsatz Prämierungen bis hin zur Ernennung zum "besten Strafgefangenen des Monats" ein.[29] Das "vorzeitige Erreichen der Erziehungsziele" führte allerdings nicht immer zur Entlassung.[30]

Möglicherweise veränderte sich unter dem Eindruck der abgelehnten Entlassung auf Bewährung W.'s Verhalten. Während er anfangs bereit zu sein schien, sich auf die Erziehungsvorgaben der Vollzugsangehörigen einzulassen, legte er in der Folgezeit in deren Augen ein eher renitentes Verhalten an den Tag. Davon zeugen die Nachweise über Disziplinarmaßnahmen in seiner Akte. Im Mai 1980 etwa erhielt der Gefangene eine Verwarnung wegen Arbeitsverweigerung: Er hatte sich von einem SV-Angehörigen ungerecht behandelt gefühlt. Dafür wurde er mit Arrest bestraft. Vor dem Strafantritt wurden ihm verschiedene persönliche Dinge abgenommen, die er nach der Arreststrafe zunächst nicht zurückerhielt. Grund genug für ihn, eine Beschwerde einzureichen, der prompt stattgegeben wurde.[31]

An anderer Stelle legte sich W. mit einem SV-Angehörigen wegen der Ausgabe von Tabletten an. Deshalb wurde mit ihm eine Aussprache geführt. Regelmäßig beschwerte er sich über das Verhalten von Vollzugsangehörigen, verlangte und erhielt auch eine Unterredung mit dem für die Haftaufsicht zuständigen Staatsanwalt. Das hatte zur Folge, dass ein gegen W. gerichteter Gesäßtritt eines SV-Angehörigen disziplinarisch geahndet wurde, weil der Wärter gegen die "sozialistische Gesetzlichkeit" verstoßen hatte. Die Gefangenen waren also nicht vollkommen rechtlos oder gar der Willkür des Vollzuges völlig hilflos ausgeliefert, jedenfalls nicht mehr in den Achtzigerjahren.

Nachdem W. die Möglichkeiten der Gegenwehr erkannt hatte, begann er offenbar den Vollzugsangehörigen regelrecht herauszufordern. Die in der Akte vorhandene Entwicklungsübersicht zeigt, dass er zunehmend "trotzig" auftrat. W. wird beschrieben als "charakterlich unausgeglichen, schnell erregbar, unsachlich und stur". Zwischenzeitlich hatte der Gefangene in einem weiteren Erziehungsgespräch ganz offen mit der Antragstellung auf Übersiedlung in die Bundesrepublik gedroht. Außerdem forderte er unverhohlen eine Umschulung zum Gärtner, die der Strafvollzug ihm ermöglichen sollte. Mitte September hatte W. illegal ferngesehen, nachdem eine Gruppe von Inhaftierten den Fernsehraum eigenmächtig geöffnet und den Fernsehschrank aufgebrochen hatte. Gegen Ende des Jahres 1980 machte W. Schwierigkeiten beim Wecken und beim Bettenbau, was disziplinarisch geahndet wurde. Erst im November hatte er für seine "Eskapaden" mit fünf Tagen Einzelarrest gebüßt. Im Kommando war er zu diesem Zeitpunkt eindeutig als einer der Unruheherde auszumachen, so die Vollzugsangehörigen. Zu allem Überfluss kündigte W. in einem Brief an einen Freund an, nach der Entlassung mit ihm einen "abtrinken" zu wollen. "Die 6 Monate sind doch geschenkt.", teilte er seinem Bekannten postalisch mit. Offenbar hatte der Vollzug im Lager jeglichen Abschreckungseffekt verloren.[32] Die Erziehungsversuche der Vollzugsangehörigen entfremdeten den Gefangenen eher stärker von der sozialistischen Gesellschaftsordnung.

Die Strafvollzugsangehörigen reagierten im Fall W. offenbar nicht mit subtileren Sanktionsmitteln, was durchaus möglich gewesen wäre. Am Ende resignierten die Verantwortlichen. In der Abschlussbeurteilung wurde vermerkt, dass der Gefangene W. öfter die Arbeit verweigerte, sich illegal tätowierte oder gar SV-Angehörige bedrohte bzw. beleidigte. Er wurde achtmal disziplinarisch zur Verantwortung gezogen. Alle eingeleiteten Maßnahmen hatten keinerlei Erfolg gebracht.[33]

Es handelt sich hier nicht um einen Einzelfall, wie andere Gefangenakten nachdrücklich belegen. Spätestens in den Achtzigerjahren war die Haft in einem Arbeitslager gleichbedeutend mit der Unterbringung in einer baulich etwas anders angelegten Vollzugseinrichtung. Die Inhaftierten sollten vielleicht auf dem Papier umerzogen und zu "neuen" Menschen gemacht werden. Lässt man die Ideologie beiseite, handelte es sich aber in praxi um Steuerungs- und Einwirkungsversuche, wie sie in vielen Vollzugssystemen der Welt üblich waren und sind. Wie dort nahm wenigstens ein Teil der Vollzugsangehörigen den Erziehungsauftrag ernst, setzte sich mit einem Gefangenen auseinander, war gewillt, Perspektiven aufzuzeigen. Aber auch in der DDR scheiterten diese Versuche oft nicht zuletzt an den Menschen, an die sie sich richteten. Gerade in den Achtzigerjahren vermochten die sozialistischen Heilsversprechen der SED immer weniger DDR-Bürger zu überzeugen.[34] Die Politerziehung, die "Rotlichtbestrahlung", in der Haft erzeugte vor allem Ablehnung und Renitenz. Zudem hatten die Inhaftierten durchaus – enge – Handlungsspielräume. Der Strafvollzug der DDR stand gerade wegen des besonderen deutsch-deutschen Verhältnisses unter "besonderer" Beobachtung. Die Verantwortlichen konnten sich ein brutales Durchgreifen kaum mehr leisten. Und sogar der Einzelarrest verlor irgendwann seine abschreckende Wirkung. Gefangene waren den Erziehungs- und Disziplinierungsversuchen in den Arbeitslagern der DDR nicht hilflos ausgeliefert. Offensichtlich versagten die Arbeitslager der DDR bei ihrer Aufgabe, die Utopie von der Schaffung eines "neuen Menschen" Realität werden zu lassen. Um es mit den Worten eines Häftlings zu sagen: "Denken die, ich hätte mich im Gefängnis gebessert? Hier wird keiner besser. Die Strafe hab ich runtergebrummt, weiter nichts."[35]

Fazit


Während insbesondere in den Fünfzigerjahren die starre Staatsdoktrin vorgab, im Strafvollzug unter Anwendung von Zwang einen besseren Menschen zu formen, war die Realität in den Arbeitslagern davon weit entfernt. Vor allem in diesen frühen Jahren der DDR ging es vorrangig darum, Häftlinge zu produktivieren. Begleitende Maßnahmen der politisch-kulturellen Erziehung waren, wenn sie denn überhaupt durchgeführt wurden, nicht mehr als ein Zeitvertreib in den arbeitsfreien Stunden. Von politischen wie kriminellen Strafgefangenen gleichermaßen ungeliebt, waren die hehren Versuche der Beeinflussung und Erziehung Gefangener im Sinne der geltenden Staatsideologie von Anfang an zum Scheitern verurteilt.

Auch die im Laufe der Jahre zunehmend individuelle Beschäftigung mit den Gefangenen und spezifischere Einflussnahme auf sie änderte daran nichts Grundlegendes. Zwar standen und stehen alle Vollzugssysteme der Welt vor ähnlichen Problemen der "Besserung" Straffälliger; aber die Verantwortlichen in der DDR wollten eben mehr. Sie beabsichtigten, nicht einfach Bürger aus dem Strafvollzug zu entlassen, die in Zukunft die Gesetze achten würden. Der Anspruch des DDR-Vollzugswesens war es vielmehr, einen sozialistischen Menschen wiedereinzugliedern.

Unmöglich scheint es, propagierte Erziehungserfolge auf ihren Tiefgang zu überprüfen. Oftmals handelte es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um bloße Anpassungsleistungen. Kaum ein Strafgefangener wird eines der Lager als glühender Kommunist verlassen haben. Dies gilt insbesondere für politische Gefangene, deren Gegnerschaft zum SED-Regime eher gewachsen sein dürfte, aber auch für kriminelle Gefangene, die politische Fragen oft überhaupt nicht interessierten. Strafvollzugsangehörige warfen vielen Häftlingen vor, dass ihnen Bildung und Intelligenz fehlten und ihnen die einfachsten politischen Zusammenhänge nicht begreiflich zu machen seien.[36] Viele Gefangene mussten auf ein Leben auf der anderen Seite des Lagerzaunes durch Bildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen vorbereitet werden. Die Vollzugsangehörigen an der Basis erwarteten wohl kaum noch, "neue Menschen" in den Arbeitslagern schaffen zu können. Gerade bei den unteren Chargen war die Ablehnung jeglicher Reform- und damit im Zweifelsfall "Liberalisierungs-"bemühungen stets am größten. Tatsächlich musste das Vollzugsziel wohl dann als erreicht angesehen werden, wenn Haftentlassene die ihnen zugewiesene Wohnung bezogen, die vorgesehene Arbeit aufnahmen und polizeilich nicht mehr auffällig wurden. Anspruch und Wirklichkeit klafften auch im "sozialistischen Strafvollzug" weit auseinander.

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Fußnoten

1.
Siehe z.B. Giorgio Agamben, Homo Sacer. Die Souveränität der Macht und das nackte Leben, Frankfurt a. M. 2002, S. 175–190. Für Überlegungen zu den Themenfeldern »Lager und Gefängnis« siehe Joel Kotek/Pierre Rigoulot, Das Jahrhundert der Lager. Gefangenschaft, Zwangsarbeit, Vernichtung, Berlin/München 2001, S. 11–44.
2.
Siehe allg. Marcus Sonntag, Die Arbeitslager in der DDR, Essen 2011.
3.
Heinz Szkibik, Sozialistischer Strafvollzug. Erziehung durch Arbeit, Berlin (O.) 1969, S. 38, 42; zudem Hedwig Scholz, Sie sollen wieder vollwertige Menschen werden. Über demokratischen Strafvollzug in der DDR, Berlin (O.) 1953; Herbert Kern, Die Erziehung im Strafvollzug, Berlin (O.) 1958.
4.
Wolfgang Faber u.a., Strafvollzug in der Deutschen Demokratischen Republik – Lehrbuch, Berlin (O.) 1979, S. 70.
5.
Siehe dazu Gerhard Finn/Karl Wilhelm Fricke, Politischer Strafvollzug in der DDR, Köln 1981, S. 70–73.
6.
Vgl. Rita Sélitrenny, Die schriftlichen Hinterlassenschaften aus dem DDR-Untersuchungshaft- und Strafvollzug, in: DA 34 (2001) 5, S. 801–805.
7.
Thüringisches Hauptsstaatsarchiv Weimar (ThHStAW), HAL Sollstedt, Gefangenenakten, HAL Pöthen, Gefangenenakten.
8.
Siehe exempl. Gefangenenakte F. T. u. K. T., Entlassungsjahrgang (EJ) 1958, ThHStAW, HAL Sollstedt Gefangenenakten Nr. 23 u. 24.
9.
Gefangenenakte H. D., EJ 1960, ThHStAW, HAL Sollstedt Gefangenenakten Nr. 52.
10.
Gespräch d. Vf. m. Klaus M., inhaftiert in Sollstedt 1959/60, 2.3.2007.
11.
Als Grund hierfür ist vor allem der Staatsratserlass über die Rechtspflege von 1963 anzuführen, der die erzieherischen Zielsetzungen des Strafvollzuges wieder stärker betonte: Erlass des Staatsrates der DDR über die grundsätzlichen Aufgaben und die Arbeitsweise der Rechtspflege v. 4.4.1963, dok.: Herbert Kern/Hans-Joachim Semler (Hg.), Rechtspflege – Sache des ganzen Volkes. Leitfaden zum Rechtspflegeerlass, 2. Aufl., Berlin (O.) 1964.
12.
Siehe Archiv der JVA Hohenleuben, Gefangenenakten der ehem. Strafvollzugseinrichtung (StVE) Unterwellenborn aus den EJ 1971–1990.
13.
Siehe exempl. Gefangenenakte H. B., EJ 1972, Archiv der JVA Hohenleuben, Gefangenenakten der ehem. StVE Unterwellenborn.
14.
Die Gefangenenakten setzten sich spätestens in den Achtzigerjahren zusammen aus Vollzugsakte, Erziehungsunterlagen und Gesundheitsakte: Wolfgang Faber u.a., Schlag nach für Strafvollzugsangehörige, Berlin (O.) 1980, S. 204.
15.
Siehe exempl. Gefangenenakte U. W., EJ 1981, Archiv der JVA Hohenleuben, Gefangenenakten der ehem. StVE Unterwellenborn.
16.
Siehe Marcus Sonntag, DDR-Arbeitslager in Thüringen 1949–1989, Erfurt 2011.
17.
Vermerk zu einer Inspektion des Außenarbeitslagers der Strafanstalt Ichtershausen in der Maxhütte in Unterwellenborn am 3.6.1950, ThHStAW, Land Thüringen, Ministerium der Justiz Nr. 296, Bl. 44–46.
18.
Entwurf zum Bericht über die Lage im Strafvollzug, insbesondere über den Stand der Erziehungsarbeit vor dem Kollegium des MdI am 28.8.1959, in: Bundesarchiv, DO 1 11 HVDVP Nr. 1460, Bl. 181–204.
19.
Siehe Heinz Szkibik, Sozialistischer Strafvollzug. Erziehung durch Arbeit, Berlin (O.) 1969; Max Gloger/Heinrich Mehner, Die bewußtseinsbildende Rolle der Arbeit – das Kernstück der Umerziehung im Strafvollzug und die Grundsätze des Arbeitseinsatzes von Strafgefangenen, in: Schriftenreihe der Deutschen Volkspolizei, 11/1963, S. 1141–1151. Zudem Jens Borchert, Erziehung im DDR-Strafvollzug. Theoretische und gesetzliche Grundlagen sowie die Durchführung in der Strafvollzugseinrichtung Torgau, Herbolzheim 2002.
20.
Siehe Clemens Heitmann/Marcus Sonntag, Einsatz in der Produktion. Soldaten und Strafgefangene als Stützen der DDR-Staatswirtschaft, in: DA 42 (2009) 3, S. 451–458; Tobias Wunschik, Primat der Erziehung oder der Ökonomie? Der Arbeitseinsatz von Gefangenen in der DDR, in: Gerhard Ammerer u. a. (Hg.), Orte der Verwahrung. Die innere Organisation von Gefängnissen, Hospitälern und Klöstern seit dem Spätmittelalter, Leipzig 2010, S. 149–166; Henrik Eberle, GULag DDR? Ökonomische Aspekte des Strafvollzuges in den 50er und 60er Jahren, in: Heiner Timmermann (Hg.), Die DDR – Recht und Justiz als politisches Instrument, Berlin 2000, S. 111–140.
21.
Wolfgang Faber u.a., Strafvollzug in der Deutschen Demokratischen Republik – Lehrbuch, Berlin (O.) 1979; Ders. u.a., Schlag nach für Strafvollzugsangehörige, Berlin (O.) 1980; Handbuch für Erzieher, Hg. Publikationsabteilung des MdI, Berlin (O.) 1981; Hermann Kühnel u. a., Handbuch für SV-Angehörige der operativen Dienste, Berlin (O.) 1982.
22.
Siehe Marcus Sonntag, Die Arbeitslager in der DDR, Essen 2011; Gerhard Finn/Karl Wilhelm Fricke, Politischer Strafvollzug in der DDR, Köln 1981.
23.
Das Haftlager Unterwellenborn trug seit ca. 1953 die Bezeichnung Haftarbeitslager, seit 1963 die Bezeichnung Strafvollzugskommando, seit etwa 1975 die Bezeichnung Strafvollzugseinrichtung. Am Lagercharakter änderte sich deswegen nichts. Bezeichnend ist, dass Häftlinge in Briefen auch 1986 noch wie selbstverständlich den Begriff »Lager« für die Hafteinrichtung verwendeten: Brief an die Eltern von 1986, Gefangenenakte V. M., EJ 1987, Archiv der JVA Hohenleuben, Gefangenenakten der ehem. StVE Unterwellenborn.
24.
Siehe für diese und die folgenden Angaben Gefangenenakte U. W., EJ 1981, Archiv der JVA Hohenleuben, Gefangenenakten der ehem. StVE Unterwellenborn.
25.
Siehe Gefangenenakte W. S., EJ 1982, Archiv der JVA Hohenleuben, Gefangenenakten der ehem. StVE Unterwellenborn.
26.
Siehe etwa Gefangenenakte A. O., EJ 1983, Archiv der JVA Hohenleuben, Gefangenenakten der ehem. StVE Unterwellenborn.
27.
Siehe für diese und die folgenden Angaben wieder die Gefangenenakte U. W., EJ 1981, Archiv der JVA Hohenleuben, Gefangenenakten der ehem. StVE Unterwellenborn.
28.
Gefangenenakte U. W., EJ 1981, Archiv der JVA Hohenleuben, Gefangenenakten der ehem. StVE Unterwellenborn.
29.
Siehe Gefangenenakten von L. M., EJ 1981, und O. M., EJ 1989, Archiv der JVA Hohenleuben, Gefangenenakten der ehem. StVE Unterwellenborn.
30.
Vgl. Gefangenenakte T. K., EJ 1987, Archiv der JVA Hohenleuben, Gefangenenakten der ehem. StVE Unterwellenborn.
31.
Siehe Gefangenenakte U. W., EJ 1981, Archiv der JVA Hohenleuben, Gefangenenakten der ehem. StVE Unterwellenborn.
32.
Gefangenenakte U. W., EJ 1981, Archiv der JVA Hohenleuben, Gefangenenakten der ehem. StVE Unterwellenborn. Siehe auch Gefangenenakte W. H., EJ 1987, ebd.
33.
Siehe Gefangenenakte U. W., EJ 1981, Archiv der JVA Hohenleuben, Gefangenenakten der ehem. StVE Unterwellenborn.
34.
Vgl. Stefan Wolle, Die heile Welt der Diktatur. Alltag und Herrschaft in der DDR 1971–1989, 2. Aufl., Berlin 1999, S. 123–134.
35.
Siehe Brief an die Mutter, Gefangenenakte E. H., EJ 1984, Archiv der JVA Hohenleuben, Gefangenenakten der ehem. StVE Unterwellenborn.
36.
Siehe z.B. Gefangenenakte H. S., EJ 1986, Archiv der JVA Hohenleuben, Gefangenenakten der ehem. StVE Unterwellenborn.

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