Auf der Suche nach dem jugendlichen Hörer
Zum Wandel jugendspezifischer Programmangebote im deutschen Hörfunk zwischen 1924 und den 1990er-Jahren
Seit den 1920er-Jahren haben die deutschen Radiosender Programmangebote für Jugendliche entwickelt. Insbesondere die 1950er- und 1960er-Jahre können als "programmgeschichtliche Sattelzeit" bezeichnet werden. Denn in dieser Zeit wandte der Hörfunk in Deutschland sich verstärkt jugendlichen Zielgruppen zu.Einleitung
Jugendliche gelten als ebenso begehrte wie anspruchsvolle Zielgruppe, wenn es um den Absatz von Medien- und Konsumprodukten oder um die Reichweite der zugehörigen Werbung geht. Das Interesse an ihnen ist dabei in erheblichem Maße ökonomischer Natur. Andererseits speist es sich aber auch aus politisch-pädagogischen Intentionen – nicht zuletzt deshalb, weil Journalisten, Politiker und Erzieher in den Jugendlichen die gesellschaftlichen Entscheidungsträger von morgen sehen, denen sie einige Werte mit auf den Weg geben wollen.
Dabei war und ist es in beiden Fällen gar nicht leicht, "Jugend" zu definieren. Seit ihrer "Erfindung" in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts unterliegen die Parameter von Jugend, als eigenständiger und schutzbedürftiger Entwicklungsphase zwischen Kindheit und Erwachsenenalter, dem steten historischen Wandel.[1] Im Verlauf des 20. Jahrhunderts kristallisierte sich die Spanne zwischen dem 14. und 25. Lebensjahr als weitgehend konsensfähige Definition von Jugend heraus. Gleichwohl ist eine solche, locker an die Pubertät geknüpfte Alterskohorte soziodemografisch äußerst heterogen zusammengesetzt und weist höchst unterschiedliche Interessen- und Bedürfnislagen auf, die weitere Differenzierungen ermöglichen. Letztlich ist "Jugend" das Ergebnis eines kontinuierlichen gesellschaftlichen Selbstverständigungsprozesses.
Im Folgenden werden die Entwicklungslinien jugendbezogener Programmangebote im deutschen Hörfunk zwischen 1924 und den 1990er-Jahren nachgezeichnet. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den 1950er- und 1960er-Jahren in der Bundesrepublik als einer programmgeschichtlichen Sattelzeit, in der sich für die weitere Entwicklung entscheidende Programminnovationen abzeichneten.
Fußnoten
- Vgl. Jon Savage, Teenage. Die Erfindung der Jugend (1875–1945), Frankfurt a. M. u. a. 2008.
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