Beleuchteter Reichstag
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15.12.2011 | Von:
Christian Halbrock

Die unabhängigen Umweltgruppen der DDR

Forschungsstand und Überblick

Die unabhängigen Umweltgruppen in der DDR werden oft unter "politisch abweichendes Verhalten" oder "Opposition gegen die Verhältnisse im SED-Staat" subsumiert. Zu Recht, denn ihr Engagement zielte keineswegs nur auf Umweltprobleme im engeren Sinne, sondern schloss Friedens- und Menschenrechtsfragen mit ein. Ein Forschungsbericht.

Relevanz des Untersuchungsgegenstandes

In den zurückliegenden zwei Jahrzehnten entstanden mehrere Arbeiten zu den Umweltgruppen, die einen Einblick in die Gesamtthematik sowie in einzelne Umweltaktivitäten vermitteln. Das Engagement der Umweltgruppen, die häufig keineswegs nur Umweltgruppen im engeren Sinne waren, sondern deren thematische Beschäftigung Friedens- und Menschenrechtsfragen mit einschloss, wird in der Forschung mehrheitlich subsumiert unter Begriffen wie "politisch abweichendes Verhalten" bis "Opposition gegen die Verhältnisse im SED-Staat". Die staatsunabhängigen Umwelt- bzw. Ökogruppen innerhalb wie außerhalb der Kirche finden sich ihrer Zuordnung entsprechend in den Betrachtungen wieder im Kanon mit den ihnen in den Ursprüngen, im Anliegen und Erscheinungsbild weitgehend verwandten Friedens- und Menschenrechtsgruppen, mitunter auch zusammen mit den "Dritte Welt"-Gruppen.

Deutlich wird die Bedeutung, die den Umweltgruppen, ihren Aktionen und Einrichtungen im Rückblick auf die DDR zukommt, an einem Ereignis, dass sich in fast allen DDR-Chroniken als Markstein von Widerstand und
Titelblatt einer Ausgabe der "Umweltblätter".Titelblatt einer Ausgabe der "Umweltblätter". (© Umweltbibliothek Berlin)
Opposition etabliert hat: In der Nacht vom 24. zum 25. November 1987 "durchsuchten" – so Hermann Weber – "Staatssicherheit und Staatsanwaltschaft ... Räume der evangelischen Zionsgemeinde in Ost-Berlin", die Räume der Umweltbibliothek im Keller des Pfarrhauses, "und verhafteten mehrere Mitglieder eines kirchlichen Friedens- und Umweltkreises".[1] Für Klaus Schroeder ist bereits die "Eröffnung der 'Berliner Umweltbibliothek'" im September 1986, die eine neue Qualität in der Arbeit der Umweltgruppen signalisierte, ein ebenso wichtiges Datum der DDR-(Oppositions-) Geschichte.[2]

Chroniken zur DDR-Kirchengeschichte verweisen – der Schwerpunktsetzung entsprechend – neben der Gründung und der "MfS-Aktion" gegen die "Zions-Umweltbibliothek" auf weitere Ereignisse mit Bezug zu den Umweltgruppen. So führt Rudolf Mau die Mahnwache und Fürbittengottesdienste nach der Durchsuchung der Umwelt-Bibliothek im November 1987 sowie die "Ökumenische Versammlung (I) 'Gerechtigkeit, Frieden u(nd) Bewahrung d(er) Schöpfung'" vom 12. bis 15. Februar 1988 in Dresden mit an.[3] Diese Daten legt auch Peter Maser in seiner kirchengeschichtlichen Chronik zugrunde, ergänzt jene aber um zwei weitere: Zum einen durch die fünfte Friedensdekade, die im November 1984 "die Themen Frieden und Umwelt miteinander" verband, sowie – zum anderen – die "Gründung des Grünen Netzwerkes 'Arche' zur 'Koordinierung der Umweltaktivitäten im Umfeld der Kirchen'" am 10. Januar 1988.[4]

Bedingt durch diese Ereignisse und die Bedeutung, die ihnen zugeschrieben werden kann, wird den unabhängigen Umweltgruppen der DDR in den Gesamtdarstellungen zur DDR zumeist ein gesonderter Platz eingeräumt.
Logo der Ökumenischen Versammlung für "Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung".Logo der Ökumenischen Versammlung für "Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung".
Tatsache ist aber auch, dass nach wie vor viele Fragen offen bleiben. Immer noch gibt es eine Reihe von Gruppen und verschiedene Umweltaktionen, die nach wie vor unerwähnt sind. So blieben nicht wenige Aktivisten, von denen einige ihr Engagement mit einschneidenden Repressalien wie Ordnungsstrafen und Haft bezahlten, bei der Aufarbeitung der DDR-Oppositionsgeschichte unerwähnt. Aufarbeitung erweist sich hier, wie in anderen Bereichen auch, als stark auf die Großstädte Berlin und Leipzig fokussiertes Unterfangen. So erfuhr zum Beispiel die Babelsberger Umweltgruppe in Potsdam um Jes Albert Möller, Christian Grauer, Frank Ortmann und später um Oliver Groppler bislang kaum eine Würdigung. (Mittlerweile ist die Abteilung Bildung und Forschung der BStU damit beschäftigt, auf der Grundlage des gegen die Potsdamer Umweltaktivisten vom Ministerium für Staatssicherheit geführten Operativvorganges, dem OV "Ökologie", Unterrichtsmaterial für die Schulen zu erarbeiten.)

Ähnlich verhält es sich mit anderen Umweltaktivitäten in der DDR wie zum Beispiel den für den Selbstfindungsprozess innerhalb der Umweltgruppen wichtigen Protesten 1983 gegen den Autobahnbau nach Wismar. Auch dass in der Hansestadt Wismar eine Umweltgruppe ihr Wirkungsfeld hatte und sich hier ebenfalls eine Umweltbibliothek im Aufbau befand, ist bis heute zumeist nur Insidern bekannt.

Auffällig ist bei alledem ferner, dass ein nicht geringer Teil der mittlerweile vorliegenden Veröffentlichungen aus der Feder von Personen stammt, die sich damals in den Gruppen engagierten. Dies beeinträchtigt den Wert der Abhandlungen keineswegs. In den zurückliegenden eineinhalb Jahrzehnten bildete sich in den Reihen der einstmals von dieser Form der Betätigung Ausgegrenzten durch Studium und Promotion ein hohes Maß an Fachkompetenz heraus.

Forschungsstand

Berlin

Zu erwähnen sind zunächst zwei Arbeiten, die sich mit den Aktivitäten Berliner Umweltgruppen auseinandersetzen. Zum einen der von Wolfgang Rüddenklau, einem der drei Mitbegründer der Umweltbibliothek, vorgelegte Rückblick "Störenfried" mit Texten aus den "Umweltblättern", erschienen bereits 1992.[5] Zum anderen die von Carlo Jordan und Hans-Michael Kloth herausgegebene Aussatzsammlung "Arche Nova" mit Texten aus dem gleichnamigen Samisdatblatt.[6] Nicht nur die Herausgeberschaft und der Beitrag von Carlo Jordan ("Akteure und Aktionen der Arche", 37–80), der selbst in der Umweltbewegung aktiv war und das Grün-ökologische Netzwerk "Arche" mit gründete, bedingen, dass dieses Buch Insiderwissen mit autobiografischen Aspekten und Sichtweisen verbindet. Zu Wort kommen darin eine Reihe von damals ebenfalls in der Arche engagierten Umweltaktivisten: Ulrich Neumann, ebenfalls Gründungsmitglied der Arche und heute Journalist, zeichnet auf der Grundlage der inzwischen vorliegenden MfS-Observationsprotokolle den Entstehungsprozess der Arche im Januar 1988 nach ("Was war, war wenig und viel: Die Anfänge der Arche", 81–98); der inzwischen zum Historiker ausgebildete Pfarrersohn Joachim de Haas macht den Leser mit den Arbeitsbedingungen der Arche "in der Region" am Beispiel der Basisgruppe Perleberg vertraut ("Das Netzwerk Arche in der Region", 121–132). Rüdiger Rosenthal, der Mitte der Achtzigerjahre nach West-Berlin ausreiste und sich von dort aus um die Unterstützung sowohl der Umweltbibliothek als auch der Arche mit Literatur kümmerte, zeichnet in seinem Beitrag "Kein Schweigen im (sterbenden) Walde" die Medienarbeit der Arche (133–144) nach.

Sowohl "Störenfried" als auch "Arche Nova" stellen im Anhang eine umfangreiche Auswahl von Faksimiles der offiziell "nur zum innerkirchlichen Dienstgebrauch" gedruckten Periodika der beiden Umweltgruppen bereit. Der Abdruck von Auszügen aus den "Umweltblättern" und aus "Arche Nova" widerspiegelt dabei durchaus das Programm der zwei Gruppen: Beide Umweltgruppen sahen in der Information der Öffentlichkeit über Missstände in der DDR-Gesellschaft eine ihrer vordringlichen Aufgaben. Mit der "Rolle der Staatssicherheit in der Umwelt-, Friedens- und Menschenrechtsbewegung der ehemaligen DDR" setzte sich Wolfgang Rüddenklau zudem in seinem in Ergänzung zum "Störenfried" erschienenen Artikel "Bekämpfung feindlich negativer Kräfte" auseinander.[7]

Enthalten ist ein knapp zweiseitiger Beitrag zur "Umwelt-Bibliothek Berlin" auch in dem von Hans-Joachim Veen und anderen erstellten "Lexikon Opposition und Widerstand in der SED-Diktatur".[8] An dem Text wirkte neben Wolfgang Rüddenklau mit Tom Sello ein weiteres Mitglied der Umweltbibliothek mit. Der oben erwähnten, ausgiebigen Publikationstätigkeit vor allem der Umweltbibliothek ist es zu verdanken, dass die Tätigkeit der ehemals in der Zionskirche beheimateten Gruppe auch andernorts Berücksichtigung fand. Anzuführen ist hier der vergleichend angelegte Essay von György Dalos über "'Grenzfall' und 'Umweltblätter' und die anderen. Die DDR-Szene im Selbstbildnis ihrer Veröffentlichungen".[9] Die Ausführungen des ungarischen Oppositionellen und (Ost-)Deutschland-Kenners Dalos sind in der von Ilko-Sascha Kowalczuk in Kooperation mit der Berliner Havemann-Gesellschaft bearbeiteten Publikation "Freiheit und Öffentlichkeit. Politischer Samisdat in der DDR 1985–1989" enthalten und dort dem Abschnitt "'Recht durchsetzen, indem man es sich nimmt' – oppositionelle Aktivitäten" zugeordnet. Die als Kompendium angelegte Arbeit erschien in der Schriftenreihe des Robert-Havemann-Archivs, jener Einrichtung, die sich zusammen mit dem Matthias-Domaschk-Archiv seit Anfang der Neunzigerjahre die Sammlung und Archivierung des Materials der regimekritischen Gruppen – das heißt auch der Umweltgruppen – zur Aufgabe gesetzt hat.

Auf das Material der "Umweltblätter" greift auch Daniel Göpfert in seiner als Typoskript vorliegenden Magisterarbeit "Die Darstellung der Gorbatschowschen Reformpolitik in ausgewählten oppositionellen Zeitschriften der DDR und der Volksrepublik Polen bis 1984 im Vergleich" zurück. Die wissenschaftliche Hochschulschrift wurde 2004 am Institut für Geschichtswissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin eingereicht.

Von der politikwissenschaftlichen Perspektive her versucht sich Torsten Moritz in seiner im Jahre 2000 erschienenen Dissertation "Gruppen der DDR-Opposition in Ost-Berlin – gestern und heute" dem "Phänomen Umweltbewegung" anzunähern. Moritz interessiert sich im Einzelnen nicht nur für die damaligen Beweggründe von Gruppenmitgliedern, sondern fragte auch danach, was aus ihnen nach dem Herbst 1989 wurde und welche Bedeutung ihrem politischen Engagement vor 1990 in den Jahren danach zukam.[10] Enthalten sind die Ergebnisse auch in dem bereits 1997 von Torsten Moritz vorgelegten Beitrag "Die Entwicklung von DDR-Oppositionsgruppen nach 1989 – Das Beispiel Umweltbibliothek Berlin. Die Tücken der Gruppendynamik".[11] In beiden Abhandlungen bleibt Moritz trotz der durchaus lohnenswerten Fragestellung allzu oft politikwissenschaftlichen Denkfiguren verhaftet und vermag – wohl aus diesem Grunde – die zuweilen basisdemokratisch und "anarchisch" anmutende Gruppendynamik inhaltlich kaum darüber hinaus gehend zu erfassen. Moralische, religiöse und ethische Beweggründe und Rechtfertigungen im Handeln spielen hier, wie in anderen Abhandlungen über die DDR-Opposition auch, kaum eine Rolle. "Umweltgruppe" wird hier als politisch-handelnder Zusammenschluss gesehen und nicht von den inneren Gewissensauseinandersetzungen, christlichen oder/und ethischen Glaubensüberzeugungen und Prinzipien oder dem Drang der einzelnen Mitglieder her definiert, nach den Grundsätzen der eigenen Überzeugung zu leben und sich mit Gleichgesinnten zu vereinigen. Unpräzise und in der Formulierung mitunter irreführende Aussagen kommen hinzu: So konstatiert Moritz, dass in der Umweltbibliothek "bei den älteren Männern ... in der Regel auch negative Erlebnisse in der Armeezeit zur Herausbildung bzw. Verstärkung einer staatskritischen ... Haltung" führten (218). Abgesehen von dem Umstand, dass die von Moritz aus der Gruppe heraus differenzierten "älteren Männer" zum damaligen Zeitpunkt nicht älter als Mitte 30 waren, trifft diese Aussage zwar auf einige Gruppenmitglieder zu. Andere Mitglieder der Umweltbibliothek verweigerten aber bewusst den Wehrdienst oder wurden aus anderen Gründen nicht eingezogen. Ihnen blieben daher die besagten "negativen Erfahrungen" erspart, was ihrer "staatskritischen Haltung" jedoch keinen Abbruch tat.

DDR-Bezirke

Plakat "Aufgewacht zum Umwelttag"; eine Veranstaltung der Bürgerinitiative Argus in Potsdam am 4. Juni 1990.Plakat "Aufgewacht zum Umwelttag"; eine Veranstaltung der Bürgerinitiative Argus in Potsdam am 4. Juni 1990. (© Bundesarchiv, Plak 102-049-034 / Grafik: Design Lenne Dreieck)
Neben den Arbeiten, die sich den zwei genannten Umweltgruppen, der Berliner Umweltbibliothek und der Arche zuwenden, liegen mittlerweile eine Reihe weiterer Veröffentlichungen zum Geschehen in den DDR-Bezirken vor. Lony Neumann geht so in ihrem Aufsatz über die Potsdamer Gruppe "Argus" auf das unabhängige umweltpolitische Engagement von Jugendlichen in der größten Stadt der Mark Brandenburg ein.[12] Erwähnung findet hier die Geschichte einer Gruppe, so die Autorin, "die neben kirchlichen Initiativen und nicht auf deren Raum begrenzt wirken" wollte (109). Der Gruppe "Argus", die 1988 aus der Kulturbund-Sektion "Natur und Umwelt" hervorging, sich anfangs noch Interessengemeinschaft Stadtökologie nannte und ab Anfang 1989 als "Arbeitsgemeinschaft Umweltschutz und Stadtgestaltung ARGUS" auftrat, gehörte neben Carola Stabe, Dietmar Reichelt und Christoph Janecke auch der heutige Ministerpräsident Matthias Platzeck an. Hinweise auf die in Potsdam seit 1984 aktive, kirchlich angebundene Umweltgruppe geben zum Teil zwei andere im selben Sammelband über "Widerstand in Potsdam" enthaltene Beiträge: Carolin Lorenz spricht in ihrem stark autobiografischen Text "Täglich die kleine Anarchie ersinnen. Die Babelberger Schmiede" (81–87) von "Georg aus der Ökoguppe", der verhaftet wurde. Stephan Flade, der Pfarrer der Babelsberger Friedenskirche, geht in seinem Beitrag (89–92) ebenfalls auf die Verhaftung des Mitgliedes der Umweltgruppe ein; der Betreffende heißt bei ihm jedoch zutreffend "Oliver G." (gemeint ist jeweils Oliver Groppler, der vielen als führender Kopf der Babelsberger Umweltgruppe galt).

Insgesamt vier Veröffentlichungen geben Auskunft über Aktivitäten von Umweltaktivisten in Halle/Saale: Zu nennen sind im Einzelnen Wieland Bergs Buch "Das Phantom"[13] und die ebenfalls von Berg erarbeitete Broschüre "Wasser auf die Mühlen"[14] sowie die Darstellung "Ein evangelischer Kirchenkreis im Visier des Ministeriums für Staatssicherheit", die in der Reihe "Betroffene erinnern sich" der/des Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen Sachsen-Anhalt erschienen ist.[15] Hier kommt – neben anderen kirchlichen Aktivitäten – die Aktion "Mobil ohne Auto" zur Sprache. Dem wenig rühmlichen Wirken eines inoffiziellen Mitarbeiters des MfS, der in der Umweltbewegung weit über die Stadtgrenzen Halles bekannt war, wendet sich eine Broschüre zu, die der Zeit-Geschichte(n) e. V. Halle – Verein für erlebte Geschichte herausgegeben hat: "Von einem der auszog, die Umwelt zu retten. Gespräche mit IM Gerhard alias Walter alias Rolf Hansen alias Henry Schramm, der im November 1989 die Gründung der Grünen Partei Ost betrieb" lautet der umfangreiche Titel der Dokumentation, der zugleich deren Inhalt vorwegnimmt.[16]

Dem Geschehen in den Südbezirken der DDR sind zudem vier weitere regionalgeschichtlich angelegte Veröffentlichungen gewidmet: Die Geschichte einer Thüringer Umweltgruppe erzählt Jan Schönfelder in "Mit Gott gegen Gülle".[17] Im ehemaligen Bergbaugebiet der Wismut-AG angesiedelt ist des Weiteren Michael Beleites' Rückschau "Untergrund" von 1991,[18] in der er Dokumente des MfS mit parallel entstandenen Gedächtnisprotokollen und Briefen vergleicht. Ebenfalls von Beleites stammt der Band "Altlast Wismut".[19] Arnaud Liszka beleuchtet schließlich in der vom Sächsischen Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen herausgegebenen Publikation "Das Jahr 1989 in der sächsischen Provinz im Spiegel einer Zittauer Oppositionszeitschrift", die Samisdatschrift "Lausitzbotin".[20] Die hier im Anhang enthaltenen Faksimiles von Unterlagen der ehemaligen MfS-Kreisdienststelle Zittau und der MfS-Bezirksverwaltung Dresden geben darüber hinaus eine Einblick in die Arbeitsweise des Staatssicherheitsdienstes. Das Vorgehen richtete sich sowohl gegen umweltpolitisch engagierte Christen als auch jene Gruppenmitglieder, die nicht der Kirche angehörten.

Mit der von Maria Nooke vorgelegten Dissertation "Für Umweltverantwortung und Demokratisierung" über die Forster Oppositionsgruppe liegt zudem eine weitere wichtige Abhandlung zu den Handlungsbedingungen von Umweltgruppen außerhalb der großstädtischen Zentren vor.[21] Nooke war selbst in dem von ihr beschriebenen Umweltkreis aktiv. Auf der Grundlage von zeitgenössischen Texten, Archivdokumenten und anhand von biografischen Interviews mit ihren einstigen Mitstreitern zeichnet Nooke die Entstehungsgeschichte ihrer Gruppe nach, die sich nicht nur gegen die Umweltzerstörung durch den Braunkohletagebau wandte. Ebenso standen Themen wie Frieden und die Vorenthaltung demokratischer Rechte im Mittelpunkt der Auseinandersetzung, die die Gruppe mitunter nicht nur mit dem Staat, sondern auch mit allzu anpassungswilligen kirchlichen Vorgesetzten zu führen hatte.

Sonderdeponie der Wismut bei Ronneburg im Oktober 1990.Sonderdeponie der Wismut bei Ronneburg im Oktober 1990. (© Bundesarchiv Bild 183-1990-1011-019, Foto: Jan Peter Kasper)
Ergänzt wird das Bild, das sich aus den vorrangig regional bezogenen Veröffentlichungen ziehen lässt, durch einen Aufsatz und zwei Stellungnahmen, die in der Zeitschrift "Horch und Guck" in den zurückliegenden Jahren erschienen. Michael Beleites äußerte sich in "Eine Riesen-Schweinerei" zur "sozialistischen Landwirtschaft aus Sicht der kirchlichen Umweltbewegung in der DDR"[22] ; zudem ging "Horch und Guck" auf die Wanderausstellung "Versuche, in der Wahrheit zu leben" in der Umweltbibliothek Großhennersdorf (8/1999 (27), S. 68f) ein[23] und druckte das Resümee "Aus dem Umfeld der Umwelt-Bibliothek" ab.[24]

Handlungsbedingungen

Aufschluss über die Handlungsbedingungen von Umweltengagement in der DDR vermochte Hubertus Knabe in seiner Arbeit über "Umweltkonflikte im Sozialismus" zu geben.[25] Von ihrem Ansatz her damit vergleichbar ist die zehn Jahre später von Ray Rühle vorgelegte kommunikationsgeschichtliche Analyse zur "Entstehung von politischer Öffentlichkeit in der DDR in den 1980er-Jahren am Beispiel von Leipzig", auch wenn Rühles Fazit zur Wirksamkeit der Umweltgruppe(n) insgesamt positiver ausfällt als das von Knabe vorgelegte Resümee.[26]

Eine weitere, ebenfalls nach der Jahrtausendwende erschiene Veröffentlichung aus der Feder von Jeanette Michelmann, die sich der "Erfurter Umweltschutzgruppe" zuwendet, fragt demgegenüber – wie bereits einige Veröffentlichungen der Neunzigerjahre – nach der Rolle des Staatssicherheitsdienstes bei der Behinderung und "Unterbindung" von Umweltengagement im SED-Staat.[27] Ebenfalls auf die repressionsgeschichtliche Seite der Handlungsbedingungen, mit denen sich Umweltaktivisten konfrontiert sahen, geht – wenngleich in anonymisierter Form – Sandra Pingel-Schliemann in ihren beiden auf narrativen Interviews und einer ergänzenden Aktenauswertung basierenden Arbeiten "Zersetzen" – zum Vorgehen gegen die "Umweltbibliothek" (315ff) und "Lebenswege" – enthalten ist hier ein Beispiel aus Vietlübbe bei Lübz (129) – ein.[28]

Thematisiert wurden die unabhängigen Umweltgruppen auch in den großen, nach 1989 erschienenen Übersichtsdarstellungen zu widerständigem Verhalten, Dissidenz und Opposition in der DDR. In Ehrhart Neuberts "Geschichte der Opposition in der DDR"[29] finden die Ökologiegruppen in den Kapiteln 59 "Umweltbewegung" (445), 73 "Positionen und Initiativen in der Umweltpolitik bis zum Tschernobyl-Unfall" (585), 79 "'Tschernobyl ist überall'" (626), 80 "Die 'Umwelt-Bibliothek' Berlin" (629), 89 "Schlacht um Zion" (694) und 95 "Entfaltung der Umweltbewegung" Berücksichtigung. Die Kapitel sind insgesamt summarisch angelegt; die kirchlich-theologischen Begleitprozesse werden der Profession des Autors entsprechend zumeist zuungunsten der inneren Entwicklung der Gruppen überbetont. Auch wenn die genannten Kapitel den Eindruck eines umfassenden Spektrums vermitteln, so bleibt die Geschichte der unabhängigen Umweltbewegung bei Neubert doch lückenhaft.

Was die Dissertation von Neubert in analytischer Hinsicht manchmal mitunter vermissen lässt, leistet die präzise Analyse der Koreanerin Sung-Wan Choi "Von der Dissidenz zur Opposition".[30] Auch hier kann die Geschichte der unabhängigen Umweltbewegung, die nur ein Teilaspekt der Dissidenz und Oppositionsgeschichte ist, nicht in Gänze dargestellt werden, sodass viele Vorgänge, Aktionen und Gruppen unerwähnt bleiben. Allerdings wendet die Autorin sich in vier Abschnitten den kirchlichen Umweltgruppen zu: in den Kapitel über "Die Auslöser der Umweltdiskussion" (51) und "Die Bildung der Umweltgruppen und ihre Aktivitäten" (55) sowie "Der Schock von Tschernobyl und die Zuspitzung der Umweltprobleme durch die Mülldeponie Schönberg" (77) und "Unterschiedliche theoretische Positionen zu den Themen Frieden, Umwelt und Menschenrechte" (151).

Während Sung-Wan-Choi ihre Darstellung der Chronologie folgt und konkrete Umweltaktionen in die Schilderung einbezieht, ist die Veröffentlichung von Detlef Pollack "Politischer Protest" als Überblicksdarstellung insgesamt analytisch-vergleichend angelegt.[31] Die Geschichte der "Umwelt-Bibliothek" und die "Umweltblätter" sind diesem Anliegen untergeordnet und finden in diesem Sinne Berücksichtigung. Bei der Ergründung von "gruppeninternen Strukturen und Prozessen", der "Motivationsstruktur" und "politischen Handlungszielen" stützt sich Pollack in großem Maße auf Selbstzeugnisse von Personen, die damals am Protest beteiligt waren. Jene sind hier vor allem Objekt der politikwissenschaftlichen Reflektion. Ansonsten bleiben die Umweltgruppen der DDR und ihre einzelnen Mitglieder sowohl hinsichtlich ihrer Grundwerte und Überzeugungen als auch bezogen auf ihre Aktionen und Gruppenaktivitäten in der Arbeit unscheinbar und werden kaum konkret fassbar.

In lebhafter und analytisch prägnanter Form hat Ilko-Sascha Kowalczuk in seiner 2009 vorgelegten Analyse "Endspiel" über "Die Revolution von 1989 in der DDR" im Kapitel "Opposition im SED-Staat" zwei Abschnitte den Aktivitäten von Umweltgruppen gewidmet, wobei eine der Überschriften – "Umwelt ist mehr als Natur" (238ff) – in treffender Form das Programm vieler Umweltgruppen wiedergibt. Mit der "Schlacht um Zion" (254ff) rückt Kowalczuk zudem das wohl folgenreichste von Umweltengagierten in der DDR mit herausgeforderte Ereignis im Vorherbst von 1989 in den Fokus seiner Betrachtung.[32]

Berücksichtigung fanden die unabhängigen Umweltgruppen "unter dem Dach der Kirche" zudem in der Überblicksdarstellung von Peter Maser über "Die Kirchen in der DDR".[33] Im Kapitel "Kirche und Opposition" (126ff) werden im Unterabschnitt "Basisgruppen und -initiativen" für die "Vielfalt der Gruppen" 46 Beispiele angeführt, unter den sich fünf eindeutig als Umweltarbeitskreise zu charakterisierende Gruppen befinden. Hinzu kommen verschiedene Gruppen – unter anderem die Ökumenischen Arbeitskreise –, deren Themenspektrum ebenfalls ökologische Fragen umfasste. Stellvertretend für die Aktivitäten der Umweltgruppen bezieht Maser sich auf "Das Grüne Netzwerk 'Arche'" (139) und geht anhand dieses Beispiels auf die thematische Ausrichtung, Publikationstätigkeit und Aktionen von Umweltaktivisten im Rahmen der kirchlichen Arbeit ein.

Eine guten Einblick in das Leben der Gruppen, die Betätigungsfelder, die Aktionsformen, die persönlichen Kontakte und Diskussionen vermittelt in kurzer und prägnanter Form der von einem damals Aktiven, von Michael Beleites, erstellte Begleitkatalog zur Ausstellung "Pflanzzeit" über "Die kirchliche Umweltbewegung in der DDR – Impulse und Wirkungen".[34] Unter Stichworten wie "Radsternfahrten. Die Bewegung trifft sich", "Treffpunkt Landhaus. Zufluchtsorte und Kristallisationspunkte der Bewegung", "Widerstand aus der Dunkelkammer. Blütezeit selbstgemachter Foto-Postkarten" oder "Staatsgeheimnis Waldsterben. Wegen Weihnachtsbäumen ins Stasi-Gefängnis" präsentiert die von Beleites konzipierte Ausstellung, die mittlerweile an gut zwei Dutzend Orten in Ostdeutschland gezeigt worden ist, verschiedene Aspekte der kirchlichen Umweltbewegung in der DDR.

Menschenrechts- und Friedensgruppen

Eine Bestandsaufnahme zum Wirken der Umweltgruppen muss häufig auch jene Veröffentlichungen berücksichtigen, die nicht explizit über Umweltaktivitäten Auskunft geben, sondern Fragen von Frieden und Menschenrechten allgemein thematisierten. Nicht selten verstanden Gruppen sich nicht nur als Umwelt-, Menschenrechts- oder Friedensgruppen, sondern führten mehrere der genannten Bezeichnungen in ihrem Namen, nannten sich, wie der Trägerkreis der Berliner Umweltbibliothek, Friedens- und Umweltgruppe.

Gruppen, die zunächst der unabhängigen Umweltbewegung zugerechnet werden können, zeichneten zudem für die Aktivitäten der sich herausbildenden Opposition mitverantwortlich. Sie beteiligten sich, wie bei den Protesten am Rande der Liebknecht-Luxemburg-Demonstration 1988, bei der immerhin vier Mitglieder der Umweltbibliothek inhaftiert wurden, an deren Aktionen. Einzelne Proteste, so die Mahnwache zur Freilassung der in Leipzig und Berlin Inhaftierten im Oktober 1989 in der Berliner Gethemanekirche, wurden sowohl personell als auch logistisch von der Berliner Umweltbibliothek mit umgesetzt. Gut nachvollziehen lässt sich dies unter anderem anhand der Erinnerungsberichte, die in der Veröffentlichung "Wachet und betet. Herbst '89 in der Gethsemanekirche", zusammengestellt und bearbeitet von Cornelia Kästner, erschienen sind.[35]

(Auto-)Biografische Zugänge

Wie in allen Bereichen, in denen historische Zeitzeugenschaft und tagespolitischer Gestaltungswille zusammengehen, werden auch hier zukünftig Autobiografien erscheinen, die von Autoren stammen, die einst in der Umweltbewegung der DDR aktiv waren. Doch findet jene Form des Selbstzeugnisses verständlicherweise zumeist erst in einem fortgeschrittenen Lebensalter den Weg der Verschriftlichung. Da der Großteil der an den damaligen Ereignissen Beteiligten 1989 im Alter von zwischen Mitte 20 bis Mitte 30 Jahren war, scheint die Zeit für autobiografische Reflektionen augenblicklich noch nicht reif zu sein.

Eine Ausnahme hiervon bildet der von Vera Lengsfeld vorgelegte politisch-lebensgeschichtlich Rückblick.[36] Lengsfeld, die im Pankower Friedenskreis in Berlin aktiv war, die Berliner Ökoseminare mitorganisierte sowie 1986 den Appell "Tschernobyl wirkt überall" mitverfasste und heute – nach ihrem Engagement bei Bündnis 90/Die Grünen – der CDU angehört, reflektiert in ihrem Buch auch Vorgänge innerhalb der Umweltgruppen. Doch können ihre Erinnerungen auch als ein Beispiel für die Schwierigkeiten angeführt werden, die sich ergeben, wenn Aussagen von Zeitzeugen ungeprüft der Stellenwert einer historischen Quelle zugebilligt wird. Als nicht mehr nur unglücklich, sondern in der Substanz als unzutreffend ist zum Beispiel Lengsfelds Aussage zu bewerten, sie sei in Berlin "an der Gründung der Umweltbibliothek mit beteiligt" gewesen (309). Die Überschätzung des eigenen Anteils in der Rückschau auf eine Bewegung, die durch ein starkes Gemeinschaftsgefühl getragen war, mag jedoch nicht nur die Schwierigkeit dieses Selbstzeugnisses sein.

Zeugnis vom Engagement innerhalb der unabhängigen Umweltbewegung aus der Sicht eines damals Beteiligten mag ebenso die autobiografische "Einmischung" von Gerhard Loettel abzulegen.[37] Mit Loettels dokumentarischen Erinnerungen liegt zudem ein Stimme aus dem Magdeburger Raum vor, die nicht nur der Vollständigkeit halber hier anzuführen ist.

Eine weitere Veröffentlichung, die in der Schriftenreihe des Sächsischen Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen erschienen ist, ermöglicht dem Leser einen biografischen Zugang zum Thema. In dem von Thomas Mayer herausgegebenen Band "Helden der Friedlichen Revolution" sind gleich mehrere Beiträge enthalten, die damals in der Umweltbewegung Aktive vorstellen.[38] So Gisela Kallenbach ("Protest in Smaragdgrün. Der Umwelt und der Kinder zuliebe", 46–49), Rainer Müller ("Im Vollzeit-Widerstand. Nicht Jugendspaß, sondern Lebensernst", 74–79), Roland Quester ("Ein Ökolöwe. Früher und heute", 106–109), Kathrin Walther ("Jeanne d'Arc aus Lindenau", 112–117) und Ernst Demele ("Ein bisschen Schwejk. Mit Nadelstichen gegen die Mächtigen", 136–141).

Den biografischen Annäherungen an die Umweltbewegung hinzuzurechnen wären ebenfalls die Biographien der Umweltaktivisten Wolfgang Rüddenklau (276–279), Carlo Jordan (280–283), Andreas Schönfelder (284–286) und Michael Beleites (287–289) in dem von Tom Sello und Ilko-Sascha Kowalczuk herausgegebenen Band "Für ein freies Land mit freien Menschen".[39]

Den Versuch, nicht einzig die vom Staatssicherheitsdienst überlieferten Akten sprechen zu lassen und deren Aussagewert im Spiegel von Interviews zu beleuchten, die mit vormals Aktiven entstanden, unternimmt Andreas Wagner in seiner jüngst erschienenen Studie "Das Ökumenische Zentrum für Umweltarbeit Wismar. Eine kirchliche Basisgruppe in der DDR-Endphase". Veröffentlicht wurde Wagners Text, der auf vier Zeitzeugen-Interviews basiert und die entsprechenden MfS-Akten hinzuzieht, in der Aufsatzsammlung "Eigensinn in der DDR-Provinz" (69–139).[40] Darin erschienen ist auch die Arbeit von Janka Kuball "Der Kulturbund in Altlandsberg" über eine Gruppe, die sich – wie bereits der Untertitel "Stadtpflege und Umweltschutz unter dem Dach einer staatlichen Organisation" verrät – ebenfalls im Umweltbereich engagierte (20–67).

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Fußnoten

1.
Hermann Weber, Kleine Geschichte der DDR, 2. Aufl., Köln 1988, S. 182; ders., DDR. Grundriß der Geschichte 1945–1990, Neuaufl., Hannover 1991, S. 339. Hingegen weder in der Chronik noch im Text enthalten in: ders., Die DDR 1945–1990, 4. Aufl. München 2006, S. 335. Enthalten ist hier auch kein Verweis auf die unabhängigen Umweltgruppen.
2.
Klaus Schroeder, Der SED-Staat. Partei, Staat und Gesellschaft 1949–1990, München 1998, S. 281, 283.
3.
Rudolf Mau, Der Protestantismus im Osten Deutschlands (1945–1990), Leipzig 2005, S. 230.
4.
Peter Maser, Die Kirchen in der DDR, Bonn 2000, S. 162f.
5.
Wolfgang Rüddenklau, Störenfried. DDR-Opposition 1986–1989. Mit Texten aus den "Umweltblättern", Berlin 1992 (eine erw. Neuauflage ist geplant).
6.
Carlo Jordan/Hans-Michael Kloth (Hg.), Arche Nova – Opposition in der DDR. Das "Grün-ökologische Netzwerk Arche" 1988–90, Berlin 1995.
7.
In: Horch und Guck 1 (1992) 3, S. 7–15.
8.
Tom Sello/Wolfgang Rüddenklau, Umwelt-Bibliothek Berlin (UB), in: Hans-Joachim Veen u.a. (Hg.), Lexikon Opposition und Widerstand in der SED-Diktatur, Berlin/München 2000, S. 357f.
9.
György Dalos, "Grenzfall" und "Umweltblätter" und die anderen. Die DDR-Szene im Selbstbildnis ihrer Veröffentlichungen, in: Ilko-Sascha Kowalczuk, Freiheit und Öffentlichkeit. Politischer Samisdat in der DDR 1985–1989, Berlin Berlin 2002, S. 320–331.
10.
Torsten Moritz, Gruppen der DDR-Opposition in Ost-Berlin – gestern und heute. Eine Analyse der Entwicklung ausgewählter Ost-Berliner Oppositionsgruppen vor und nach 1989, in: Akademische Abhandlungen zu den Politischen Wissenschaften, Berlin 2000.
11.
In: Detlef Pollack/Dieter Rink (Hg.), Zwischen Verweigerung und Opposition. Politischer Protest in der DDR 1970–1989, Frankfurt a. M./New York 1997, S. 208–234.
12.
Lony Neumann, Was tun? Was tun! Die Gruppe 'Argus'", in: Sigrid Grabner u.a. (Hg.), Widerstand in Potsdam 1945–1989, Potsdam 1997, S. 109–114.
13.
Wieland Berg, Das Phantom. Die Aktivitäten der Ökologischen Arbeitsgruppe (ÖAG) Halle gegen die Asphaltierung der Heidewege 1988 und die Reaktion des MfS, Halle/S. 1999.
14.
Wieland Berg, Wasser auf die Mühlen. Die Saaleaktionen 1989 zwischen Wahlfälschung und Montagsdemos in Halle – und wie die Stasi nur noch hinterherlief, Halle/S. 2000.
15.
Helmut Hartmann, Ein evangelischer Kirchenkreis im Visier des Ministeriums für Staatssicherheit. Meine Akte Operativer Vorgang "Trend", Magdeburg 1998.
16.
Von einem der auszog, die Umwelt zu retten. Gespräche mit IM Gerhard alias Walter alias Rolf Hansen alias Henry Schramm, der im November 1989 die Gründung der Grünen Partei Ost betrieb, Hg. Zeit-Geschichte(n), Halle/S. 1999.
17.
Jan Schönfelder, Mit Gott gegen Gülle. Die Umweltgruppe Knau/Dittersdorf 1986 bis 1991, Jena 2000.
18.
Michael Beleites, Untergrund. Ein Konflikt mit der Stasi in der Uranprovinz, 2. Aufl., Berlin 1992.
19.
Michael Beleites, Altlast Wismut: Ausnahmezustand, Umweltkatastrophe und das Sanierungsproblem im deutschen Uranbergbau, Frankfurt a. M. 1992.
20.
Arnaud Liszka, Das Jahr 1989 in der sächsischen Provinz im Spiegel einer Oppositionszeitschrift. Die Lausitzbotin, Bautzen 1999.
21.
Maria Nooke, Für Umweltverantwortung und Demokratisierung. Die Forster Oppositionsgruppe in der Auseinandersetzung mit Staat und Kirche, Berlin 2008.
22.
Michael Beleites, Eine Riesen-Schweinerei, in: Horch und Guck 12 (2003) 41, S. 28–34.
23.
Wanderausstellung "Versuche, in der Wahrheit zu leben" in der Umweltbibliothek Großhennersdorf, in: Horch und Guck 8 (1999) 27, S. 68f.
24.
Aus dem Umfeld der Umwelt-Bibliothek, in: Horch und Guck 2 (1993) 10, S. 55.
25.
Hubertus Knabe, Umweltkonflikte im Sozialismus: Möglichkeiten und Grenzen gesellschaftlicher Problemartikulation in sozialistischen Systemen. Eine vergleichende Analyse der Umweltdiskussion in der DDR und Ungarn, Köln 1993.
26.
Ray Rühle, Entstehung von politischer Öffentlichkeit in der DDR in den 1980er Jahren am Beispiel von Leipzig (Schwerpunkt Umweltgruppe), Münster 2003.
27.
Jeanette Michelmann, Verdacht Untergrundtätigkeit. Eine Erfurter Umweltschutzgruppe und die Staatssicherheit, Rudolstadt 2001.
28.
Sandra Pingel-Schliemann, Zersetzen. Strategie einer Diktatur, Berlin 2002; dies., Lebenswege ... im Schatten des Staatssicherheitsdienstes, Schwerin 2008.
29.
Ehrhart Neubert, Geschichte der Opposition in der DDR 1949–1989, 2. Aufl., Berlin 1998.
30.
Sung-Wan Choi, Von der Dissidenz zur Opposition. Die politisch alternativen Gruppen in der DDR von 1978 bis 1989, Köln 1999.
31.
Detlef Pollack, Politischer Protest. Politisch alternative Gruppen in der DDR, Opladen 2000.
32.
Ilko-Sascha Kowalczuk, Endspiel. Die Revolution von 1989 in der DDR, 2. Aufl., München 2009.
33.
Peter Maser, Die Kirchen in der DDR, Bonn 2000.
34.
Michael Beleites, Pflanzzeit. Die kirchliche Umweltbewegung in der DDR – Impulse und Wirkungen, Wittenberg 1999.
35.
Cornelia Kästner, Wachet und betet. Herbst '89 in der Gethsemanekirche". 20 Jahre danach. Gespräche. Berichte. Notizen, Berlin 2009.
36.
Vera Lengsfeld, Von nun an ging's bergauf ... Mein Weg zur Freiheit, München 2002.
37.
Gerhard Loettel, Einmischung: Texte, Reaktionen, Argumente, Eingaben, Briefe und Veröffentlichungen aus DDR-Zeiten und der Zeit vor und während der "Wende", Magdeburg 2007.
38.
Thomas Mayer (Hg.), Helden der Friedlichen Revolution. 18 Porträts von Wegbereitern aus Leipzig, Leipzig 2009.
39.
Tom Sello/Ilko-Sascha Kowalczuk (Hg.), Für ein freies Land mit freien Menschen. Opposition und Widerstand in Biographien und Fotos, Berlin 2006.
40.
Kerstin Engelhardt/Norbert Reichling (Hg.), Eigensinn in der DDR-Provinz. Vier Lokalstudien über Nonkonformität und Opposition, Schwalbach 2011. Vgl. dazu die Rezension in der vorliegenden Ausgabe.

NEU: Videoreportagen

Vom Einläuten der Friedlichen Revolution

Rund um den 7. Oktober 1989 herrschte Ausnahmezustand in mehreren Städten der DDR. Polizei, Betriebskampfgruppen und Stasi gingen gewaltsam gegen Demonstranten vor, die friedlich für Reformen, Demokratie und Reisefreiheit eintraten - und sich mit Kerzen, Worten und Zivilcourage gegen die Staatsmacht durchsetzten. Ein filmischer Überblick.

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30 Jahre Mauerfall

Die Berliner Mauer war über 28 Jahre das Symbol der deutschen Teilung und des Kalten Krieges. Am 9. November 1989 reagierte die DDR-Regierung mit Reiseerleichterungen auf den Ausreisestrom und monatelange Massenproteste – die Mauer war geöffnet. Wir präsentieren ausgewählte Angebote zur Geschichte der Mauer und des Mauerfalls.

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Das letzte Jahr der DDR

In der tradierten Erfolgsgeschichte von "1989" wird kaum abgebildet, dass der Ausgang der friedliche...

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Der Umbruch war gewaltig, und er hat mehr und tiefere Spuren hinterlassen, als manche wahrhaben woll...

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Jungen Menschen ist oft nicht (mehr) bewusst, dass Deutschland von 1961 bis 1989 geteilt war. Zuglei...

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Chronik der Mauer

Es erwartet Sie eine Fülle von multimedial aufbereiteten Informationen über Mauerbau und Mauerfall - und über die Opfer der Grenze.

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Dossier

Stasi

Alles wissen, alles kontrollieren, Menschen manipulieren. Aus der Arbeitsweise der DDR-Geheimpolizei "Stasi" ist auch viel zu lernen über die Mechanismen von Diktaturen der Gegenwart. In der DDR überwanden couragierte Bürgerinnen und Bürger allerdings 1989 ihre Angst vor der "Staatssicherheit".

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Online-Angebot der bpb und der Robert-Havemann-Gesellschaft

jugendopposition.de

Wie haben junge Menschen in der DDR mit Mut und Musik gegen Stasi und SED-Diktatur gekämpft? Zeitzeugen berichten. Mit zahlreichen Texten, Videos, Audios, Fotos und Dokumenten.

Mehr lesen auf jugendopposition.de

Online-Archiv

www.wir-waren-so-frei.de

Fast 7.000 private Filme und Fotos aus der Umbruchzeit 1989/90 sowie über 100 begleitende Erinnerungstexte. Dazu ost- und westdeutsche Medienberichte. Die persönlichen Erfahrungen der Fotografen und Filmemacher bieten zusammen mit der öffentlichen Berichterstattung vielfältige Blicke auf die historischen Ereignisse und deren Auswirkungen auf den Alltag in Ost und West.

Mehr lesen auf wir-waren-so-frei.de

Der Tag in der Geschichte

  • 6./ 7. Dez. 1947
    In Berlin tagt der 1.Deutsche Volkskongress, der aus Delegierten politischer Parteien und Organisationen besteht, z. T. auch aus den Westzonen. Als Instrument der SED-Bündnispolitik fordert er eine Volksabstimmung mit der Zielsetzung, die »demokratische... Weiter
  • 6. Dezember 1989
    Nach seinem Rücktritt als SED-Generalsekretär am . 3. 12. verzichtet Egon Krenz - wie öffentlich vielfach gefordert - auch auf den Vorsitz im Staatsrat und im Nationalen Verteidigungsrat, der sich faktisch auflöst. Der stellvertretende Staatsratsvorsitzende... Weiter
  • 6. Dezember 1992
    Asylkompromiss: Nach einem Verhandlungsmarathon in Bonn einigen sich CDU, CSU, FDP und SPD auf ein interfraktionelles Positionspapier zur Neuregelung des Asylgrundrechts. Sie soll den Schutz tatsächlich politisch Verfolgter gewährleisten und den Missbrauch... Weiter
  • 6. Dezember 1995
    Der Bundestag stimmt mit überwältigender Mehrheit (543 Ja-, 107 Neinstimmen, 6 Enthaltungen) der Entsendung von etwa 4 000 Bundeswehrsoldaten als Teil der rund 60 000 Mann starken internationalen Friedenstruppe (IFOR)für Bosnien-Herzegowina zu. Das deutsche... Weiter
  • 5./ 6. Dezember 1994
    Das KSZE-Gipfeltreffen in Budapest im Anschluss an das 5. Folgetreffen (10. 10.@- 2. 12. 1994) wird von Meinungsverschiedenheiten zwischen den 53 Teilnehmerstaaten überschattet. Russland lehnt die Osterweiterung der NATO ab und beteiligt sich vorerst nicht an... Weiter

Wird die DDR-Diktatur verharmlost? Und warum begann die intensive Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit erst so spät? Die Deutung von Geschichte ist oft umstritten - und nicht selten ein Politikum.

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13. August 1961: In den frühen Morgenstunden beginnt der Bau der Mauer, die Deutsche Teilung wird zementiert. Am Abend des 9. November 1989 kommt es zum Mauerfall. Bald 30 Jahre danach ist Deutschland in vielem noch immer ein Land mit zwei Gesellschaften.

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Zu dem Thema "Children of Transition, Children of War, the Generation of Transformation from a European Perspective" diskutierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf der Deutschlandforschertagung 2016 vom 3. bis 5. November 2016 in der Universität Wien. Die Tagungsdokumentation gibt Einblick in die Themen und Ergebnisse.

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Messenger-Projekt

Der Mauerfall und ich

Es ist Leipzig im Spätsommer des Jahres 1989. Die Studentin Kathrin und ihre Freundinnen und Freunde erleben eine Zeit des Umbruchs in der DDR. Im November fällt die Mauer und damit die Grenze, die Deutschland und die Deutschen viele Jahrzehnte trennte. Über ihre Erlebnisse hat Kathrin von August bis November 2019 im bpb-Messengerprojekt "Der Mauerfall und ich" berichtet.

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