Beleuchteter Reichstag

13.8.2019

Wer war Opfer des DDR-Grenzregimes?

Zwei Ansichten zu einem Thema

Eine Studie des Forschungsverbunds SED-Staat hat eine Kontroverse ausgelöst. Wer war Opfer des DDR-Grenzregimes? Nur Flüchtlinge, die nach dem Mauerbau am 13. August 1961 aus dem Osten in den Westen Deutschlands fliehen wollten und auf ihrer Flucht tödlich verunglückten, ins Minenfeld gerieten oder von DDR-Grenzern erschossen wurden? Eine Debatte im Deutschland Archiv.

Schema der Grenzsperranlagen der DDR, technischer Stand ab 1979.Schema der Grenzsperranlagen der DDR, technischer Stand ab 1979. (© Bundesgrenzschutz)

Wissenschaftler streiten, ob auch Menschen, die schon vor dem Mauerbau beim Passieren der innerdeutschen Grenze aus unterschiedlichen Gründen gewaltsam zu Tode kamen, "Opfer des DDR-Grenzregimes" sind? Und wie ist der Tod von Grenzern zu bewerten, die im direkten oder indirekten Zusammenhang mit ihrem Dienst an der Grenze ihr Leben verloren oder sich das Leben nahmen? Den Auftakt zu dieser Debatte bestreiten drei Autoren aus Berlin: Dr. Jochen Staadt und Dr. Jan Kostka geben einen Überblick, wer aus Sicht des Forschungsverbundes SED-Staat der Freien Universität Berlin Aufnahme in die Studie "Die Todesopfer des DDR-Grenzregimes an der innerdeutschen Grenze 1949-1989" fand.

Buchcover der Studie "Die Todesopfer des DDR-Grenzregimes an der innerdeutschen Grenze 1949-1989".Kontrovers diskutierte Studie: "Die Todesopfer des DDR-Grenzregimes an der innerdeutschen Grenze 1949-1989". Das Handbuch erschien 2017 zunächst als Studie des Forschungsverbunds SED-Staat der Freien Universität Berlin im Wissenschaftsverlag Peter Lang, später auch in der Schriftenreihe der bpb (Band 10119).
Das 684-seitige Buch des Forschungsverbundes erschien 2017, unterstützt durch die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien und mehrere Bundesländer. Darin werden 327 Fallbeispiele aufgeführt, von denen ein Teil aus Sicht anderer Forscher umstritten ist. Diese Kritik formuliert Dr. Michael Kubina, der kurzzeitig an der Erarbeitung der Studie beteiligt war.

Ein weiterer Text wird in Kürze folgen, er beschreibt aus Perspektive der Gedenkstätte Berliner Mauer, wie dort Menschen, die an der Grenze zwischen Ost- und West-Berlin ums Leben kamen, erfasst werden und ihrer gedacht wird.

Die Redaktion des Deutschland Archivs setzt diese Debatte an dieser Stelle kontinuierlich fort. Hier die Links zu den bislang vorliegenden Beiträgen:

Ausschnitt aus dem "Fenster der Erinnerung" der Stiftung Berliner Mauer. Es erinnert mit Portraits an die mindestens 140 Todesopfer in Berlin, die bei Fluchtversuchen über die Mauer oder anderweitig im Bereich der Berliner Mauer ums Leben kamen.Ausschnitt aus dem "Fenster der Erinnerung" der Stiftung Berliner Mauer. Es erinnert mit Portraits an die mindestens 140 Todesopfer in Berlin, die bei Fluchtversuchen über die Mauer oder anderweitig im Bereich der Berliner Mauer ums Leben kamen. Über die Zahl der insgesamt an der innerdeutschen Grenze getöteten Menschen wird noch gestritten. Die Aufnahme entstand am 13. August 2019. (© DA / Holger Kulick)

Ergänzend zum Thema:


- bpb-Film: Stasi-Videos und Fotos von Mauer und innerdeutscher Grenze

- In der Hand des MfS: Der Dienst an der Grenze. Von Peter Joachim Lapp.

- Die Chronik der Mauer- eine multimediale Übersicht

- 30 Jahre Mauerfall. Ein bpb-Dossier

- Nachts vor Ort beim Mauerbau? Ein Fotoalbum Erich Mielkes. Aus dem DA vom 19.7.2011.


Deutschland Archiv

Illustration, die Kathrin und Ereignisse rund um den Mauerfall 1989 zeigt.
Messenger-Projekt

Der Mauerfall und ich

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