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19.10.2010 | Von:
Andreas Busch

Der Euro als Vorteil und Nachteil für Deutschland

Bewertung und Ausblick

Die vorgebrachten Überlegungen zeigen, dass die Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung der deutschen Volkswirtschaft eine komplexe Mischung von Vor- und Nachteilen gebracht hat, bei der ein Gesamturteil nicht leicht fällt. Einer Verringerung von Transaktionskosten beim internationalen Handel, der Preissicherheit im Hauptexportgebiet Europa sowie dem Zugang zu einem größeren Kapitalmarkt stehen die Aufgabe der Möglichkeit gegenüber, Geldpolitik für national spezifische Bedürfnisse betreiben zu können sowie eine Einschränkung der fiskalpolitischen Handlungsfreiheit durch den europäischen Stabilitäts- und Wachstumspakt. Neben diesen direkten Effekten, so wurde oben deutlich, gab es aber auch schwer vorhersagbare indirekte Effekte, die in ihrer Balance in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrzehnts für Deutschland eher belastend, in der zweiten Hälfte eher beflügelnd wirkten.

Aus der wirtschaftspolitischen Perspektive des Jahres 2010 gesehen ist der Euro für die Bundesrepublik Deutschland eindeutig ein Vorteil. Aus einer allgemeinen politischen Perspektive betrachtet hat die Einführung der gemeinsamen Währung zu einer deutlichen Vertiefung der europäischen Integration geführt. Doch diese Vertiefung hat auch Probleme mit sich gebracht, wie gerade die Krise des Jahres 2010 um die Frage der Zahlungsfähigkeit einiger Euro-Mitgliedstaaten gezeigt hat. Auch dies erschwert ein abschließendes Urteil, da sich manche daraus folgende Vor- und Nachteile erst in der Zukunft zeigen werden.

Für die Bundesrepublik Deutschland ist es zweifellos positiv, dass sie heute in einer vollkommen anderen wirtschaftspolitischen Lage ist, als dies noch vor einigen Jahren der Fall war. Damals war die allgemeine Erwartung die eines fortschreitenden Niedergangs wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit. Gegenwärtig hat Deutschland eher das Problem, für seine EU-Partner wirtschaftlich zu stark statt zu schwach zu sein.

Wirtschaftlich und politisch ist die Bundesrepublik so stark in Europa eingebunden, dass sie die wirtschaftlichen Probleme anderer Mitgliedstaaten schon aus eigenem Interesse heraus nicht ignorieren kann. Sie muss deshalb ein vitales Interesse an der Erhaltung und Stabilität des Euro haben. Ein Gedankenexperiment kann illustrieren, warum das so ist. Angenommen, die Währungsunion würde auseinanderbrechen und nationale Währungen würden wieder eingeführt: Das hätte für Deutschland sehr negative Folgen - eine unausweichliche deutliche Aufwertung der neuen deutschen gegenüber den anderen europäischen Währungen würde wohl erhebliche Verluste von Arbeitsplätzen vor allem in der verarbeitenden Industrie nach sich ziehen und die deutsche Wirtschaft in eine tiefe Krise stürzen.

Den gegenwärtig weitgehend unsichtbaren (und in der politischen Öffentlichkeit auch kaum diskutierten) Vorteilen der gemeinsamen Währung entspricht also eine ebenso wenig sichtbare potenzielle zukünftige Krise. Sie zu vermeiden, muss vordringliche Aufgabe der deutschen Politik sein, auch wenn man dazu eventuell neue Wege beschreiten muss, nicht zuletzt bei der (auch finanziellen) Stützung von in Schwierigkeiten geratenen Partnerländern in der Währungsunion.