In einem Labor der Gewebebank des Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrums Adipositaserkranungen (IFL) an der Universität Leipzig beobachtet Tierpflegerin Eva Böge eine adipöse Maus mit einem Gewicht von 52 Gramm (l) und eine normale Maus mit 20 Gramm, aufgenommen am 06.01.2012. Die Labormäuse gehören zu einem großen Forschungsprogramm der Wissenschaftler am IFL, die hier unter anderem auch auf der Suche nach der ultimativen Schlankheitspille ohne Nebenwirkungen sind. Helfen sollen dabei Untersuchungen des Fettgewebes von adipösen Patienten und bei Tieren. In einer bundesweiten Gewebebank, die gegenwärtig weiter ausgebaut wird, lagert bereits Material von rund 800 Patienten. Foto: Waltraud Grubitzsch dpa/lsn (zu dpa-Korr vom 08.01.2012)

14.2.2012 | Von:
Kathrin Voss

Kontrovers und sexy - Kampagnen der Tierrechtsorganisation PETA

Rhetorik der Tierrechtsbewegung

Wie andere soziale Bewegungen auch will die Tierrechtsbewegung einen grundsätzlichen kulturellen Wandel anstoßen, in diesem Fall die Sicht der Menschen auf Tiere verändern. Tierrechtsorganisationen gelten als post-citizenship movement organizations, das heißt als Bewegungsorganisationen, bei denen nicht der persönliche Vorteil der Mitglieder das Ziel ist, sondern sich die Mitglieder für die Belange Dritter, in diesem Fall Tiere, einsetzen.[10] Hauptargumentationslinie von Tierrechtsorganisationen wie PETA ist die grundsätzliche Infragestellung der Unterschiede zwischen Menschen und Tieren. Entsprechend arbeitet PETA in Kampagnen oft mit einer gemeinsamen Identität von Mensch und Tier. Dabei wird eine neue Identität des Menschen artikuliert, denn auch wenn der Fokus auf eine andere Wahrnehmung von Tieren abzielt, so wird doch gleichzeitig auch die bisherige Vorstellung über die menschliche Identität in Frage gestellt und der Betrachter aufgefordert, die eigene Identität zu überdenken.

Die gemeinsame Identität von Mensch und Tier wird vor allem durch aussagekräftige visuelle Appelle und durch einprägsame Slogans dargestellt. Anzeigen und Spots betonen die Gemeinsamkeiten von Menschen und Tieren. Insbesondere die Visualisierung der Ähnlichkeiten soll dazu führen, die Anderen, also Tiere, nicht als Andere zu sehen. PETA setzt dabei bewusst auf Emotionen und vermenschlicht Tiere, um deren Gleichwertigkeit zu betonen. Die Bilder sollen dem Betrachter vermitteln, dass Tiere Gefühle wie Menschen erleben, und ihn dazu bringen, sich in die Lage der Tiere zu versetzen. Dazu dient auch die Darstellung von Menschen als Tiere, zum Beispiel indem ein Mensch, bei PETA-Kampagnen meist eine attraktive Frau, in einem Käfig abgebildet oder mit Fleischbezeichnungen bemalt wird. Auch bei diesen Kampagnenmotiven steht die Visualität im Mittelpunkt.[11]

Fußnoten

10.
Vgl. Brian M. Lowe/Caryn F. Ginsberg, Animal Rights as a Post-Citizenship Movement, in: Society & Animals, 10 (2002) 2, S. 203-215.
11.
Vgl. Wendy Atkins-Sayrem, Articulating Identity: People for the Ethical Treatment of Animals and the Animal/Human Divide, in: Western Journal of Communication, 74 (2010) 3, S. 309-328.

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