Zwei Hände halten den offiziellen Stimmzettel zur Bundestagswahl. Im Hintergrund ist der Reichstag zu sehen.

Robert Domes am 16.09.2013

Nichtwähler - Studien zur Wahl 2013

Immer mehr Wähler machen Urlaub – und zwar vom Wählen. Wenn man den Umfragen glaubt, dann planen mehr als 30 Prozent der Wahlberechtigten, im Herbst nicht an der Bundestagswahl teilzunehemn. Das wäre ein neuer Negativrekord. Mehrere Studien haben sich in jüngster Zeit mit Nichtwählern beschäftigt. Die drehscheibe hat sie sich angesehen. Sie alle fordern eine bessere Vermittlung von Politik. Man müsse den Menschen deutlich machen, dass Politik für sie und ihre Angelegenheiten gemacht wird.

Hinweisschild eines Wahllokales. Eine steigende Zahl an Wählern will diesen Weg nicht mehr gehen.Hinweisschild eines Wahllokales. Eine steigende Zahl an Wählern will diesen Weg nicht mehr gehen. (© picture-alliance/dpa)

Mehrere Institute haben kürzlich versucht, dem Phänomen des Nichtwählers auf die Spur zu kommen. Ob Bertelsmann-, Adenauer-, Friedrich-Ebert-Stiftung oder auch Pro SiebenSat1, sie kommen zu ähnlichen Ergebnissen: Jüngere, Einkommensschwache, Bildungsferne, Nicht-Privilegierte und Unzufriedene bleiben der Wahl fern. Die Friedrich-Ebert-Stiftung nennt das "eine Schieflage in der sozialen Repräsentanz der Politik". (Hier geht's zum PDF der Studie). In einer Studie der Bertelsmann Stiftung und des Instituts für Demoskopie Allensbach heißt es: "Wir erleben eine zunehmend sozial gespaltene Demokratie." (Zum PDF) Ganze gesellschaftliche Gruppen oder soziale Schichten drohen verloren zu gehen.

Der Anteil der Nicht-Wähler steigt seit Jahren.Der Anteil der Nicht-Wähler steigt seit Jahren. Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (Wikimedia, Udo Brechtel)
Welche Motive haben die Menschen, der Wahlurne fernzubleiben? In der Nichtwähler-Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung wird vor allem Distanz zur Politik und das Gefühl, keinen Einfluss auf Politik zu haben, genannt. Die Menschen glauben, dass die Parteien und Politiker doch machen, was sie wollen. Die Friedrich-Ebert-Stiftung sieht Unzufriedenheit mit politischen Akteuren und politischen Inhalten als Hauptmotiv. In der Nichtwählerstudie von Pro SiebenSat1 und Forsa heißt es: "Je weniger die Menschen die Auswirkungen der Politik auf ihr persönliches Leben erkennen können, desto skeptischer stehen sie der Stimmabgabe gegenüber." Die Bertelsmann-Studie hat einen anderen Fokus: "Ob jemand wählen geht, hängt erheblich davon ab, wo er wohnt, welche Freunde er hat und ob in seiner Familie über Politik gesprochen wurde."

Wählen keine Bürgerpflicht mehr

Einig sind sich die Meinungsforscher darin, dass hinter der Wahlabstinenz keine allgemeine Politikverdrossenheit steckt. Die Mehrheit der Nichtwähler sei mit der Demokratie und dem politischen System zufrieden, zeige Interesse am politischen Geschehen, verstehe sich als "Wähler auf Urlaub". Allerdings schwindet besonders bei der jüngeren Generation das Gefühl, mit dem Wahlgang einer Bürgerpflicht nachzukommen.

Nichtwähler wünschen sich eine "kümmernde" Politik, heißt es in der Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung. Politiker und Parteien sollten "wieder ein Ohr für die wirklichen Sorgen und Nöte der Menschen" haben und sich mehr um die kleinen Leute und die mittleren Schichten kümmern. Als besonders wichtig nannten die Befragten ein gutes Schul- und Bildungssystem, ein gutes Gesundheitssystem, die Sicherung der Altersvorsorge sowie die Sicherung von Arbeitsplätzen.

Sehnsucht nach Konsens

Eng damit verbunden wird die Forderung, die Parteien sollten unnötigen Streit vermeiden und sich im Konsens der Lösung wichtiger Probleme widmen. Auch in der Bertelsmann-Studie lautet der Schluss: Aktivierung und Erklärung statt Polarisierung. Es gelte, Strategien zu entwickeln, um Jüngere und sozial schwächere Menschen wieder mehr für Politik zu begeistern.

Dieser Aufruf geht zuerst an die Politiker selbst, aber ebenso an Bildungseinrichtungen. Doch auch die Medien können dazu beitragen. "Mangelndes Politikinteresse ist ein Vermittlungsproblem", besagt die Studie von ProSieben. Je besser die Menschen erkennen, wie sich Politik auf ihr persönliches Leben auswirkt, umso mehr werden sie auch zur Mitwirkung animiert. Deshalb ruft die Studie dazu auf: "Es ist eine zentrale Aufgabe aller Medien, zwischen den politischen Akteuren und der Bevölkerung zu vermitteln und komplexe Sachverhalte verständlich und gleichzeitig interessant zu erklären."


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Kommentare anderer Nutzer

Linner, Jutta | 03.10.2013 um 20:59 [Antworten]

Volksintiative wie in der Schweiz

....und das Gefühl, keinen Einfluss auf Politik zu haben....
Wer in der Schweiz etwas ändern will, kann mittels 100000 Unterschriften Dinge anstoßen und die Meinungen aller Wahlberechtigten einholen.
Warum kann man diese Möglichkeit des Volksentscheids zu einem Thema nicht bei uns einführen? Damit könnte man doch was bewegen.


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