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24.2.2004 | Von:
Mangol Bayat-Philipp

Die Beziehungen zwischen den USA und Iran seit 1953

Die Rolle der USA bei der Modernisierung in Iran

Der zunehmende Nationalismus im Mittleren Osten führte zu einem Wandel der US-Politik gegenüber Schah Mohammed Reza Pahlewi. Aufgrund der Revolution, die 1958 zum Sturz der Monarchie in Irak führte, wegen der politischen Unruhen in anderen arabischen Monarchien und des weitreichenden Einflusses des ägyptischen Präsidenten Gamal Abdel Nasser (der 1956 aus Protest gegen die guten Beziehungen des Schahs zu Israel die diplomatischen Beziehungen mit Iran abbrach) empfahlen Fachleute des US-Geheimdienstes, Druck auf den Schah auszuüben, damit dieser wirtschaftliche und politische Reformen in Angriff nehme. Doch im letzten Amtsjahr von US-Präsident Eisenhower wurde das Thema nicht mehr aufgegriffen. Sein Nachfolger John F. Kennedy widmete sich der Aufgabe, Amerikas Politik gegenüber der Dritten Welt zu reformieren. Seinem Vorgänger warf er dessen starre Haltung vor, die Krisen in Südostasien, Afrika und Kuba nicht verhindert zu haben. Die neue Administration bevorzugte eine "flexiblere Antwort" und ergriff eine Reihe von politischen Maßnahmen, um Unruhen vorzubeugen; so baute sie Wirtschaftshilfe und Kulturprogramme aus. Die neue Regierung schränkte außerdem die Zahl der verdeckten Aktionen drastisch ein; Botschaftsangehörige trafen sich in Teheran mit Oppositionsführern und ermutigten den Schah, Kontakt mit diesen aufzunehmen.[12]

Von größerer Bedeutung war jedoch der Einfluss Kennedys auf die vom Schah durchgesetzten und vorangetriebenen Reformen. Die Agrarreformen beschnitten die Macht der Großgrundbesitzer und ermöglichten Bauern die Besitznahme von Land. Das Gesetz zum Schutz der Familie von 1962 bis 1964 gestand Frauen das aktive und passive Wahlrecht zu und ermöglichte ihnen den Zugang zu höherer Bildung, auch wenn ihr männlicher Vormund dies ablehnte. Polygamie wurde zwar nicht abgeschafft, aber das neue Gesetz machte es für einen Mann praktisch unmöglich, mehr als eine Frau zu haben. Diese Reformen zum rechtlichen Status der Frau in der Gesellschaft beschnitten den Einfluss der religiösen Institutionen erheblich; bis dahin hatte das Familienrecht der Rechtsprechung der Mullahs unterstanden. Unter den enteigneten Landbesitzern befanden sich auch einige reiche Mitglieder religiöser Einrichtungen; als die Reformvorhaben des Schahs bekannt wurden, erhoben sie sich in der so genannten "weißen Revolution". Konservative Teile der Gesellschaft, die viel zu verlieren hatten, schmähten die Reformvorhaben als einen imperialistischen Anschlag der USA auf die nationale Souveränität des Landes. US-Regierungsvertreter hätten bestätigt, dass die USA eine wichtige Rolle dabei spielten.[13]

Der Sicherheitsapparat des Schahs unterdrückte den Aufstand vom Juni 1963 unbarmherzig. Die gemäßigte Opposition, insbesondere weltliche Liberale, saßen zwischen allen Stühlen: Einerseits befürworteten sie prinzipiell die progressiven Reformen des Schahs, andererseits waren sie gegen seine absolute politische Macht. Viele von ihnen marschierten bei den Demonstrationen mit, hielten zwar Abstand zu den Konservativen, trugen aber Transparente mit dem Slogan: "Ja zu Agrarreformen, nein zu politischer Diktatur." In diesen Tagen des Aufruhrs begann die politische Karriere Ayatollah Khomeinis, der - im Schulterschluss mit den konservativen Landbesitzern - dem Schah verfassungswidrige Herrschaft vorwarf. Nach mehrfachen Warnungen von staatlicher Seite wurde er gefangen genommen und ins Exil nach Nadschaf verbannt, der heiligen Stadt der Schiiten in Irak. Von dort aus entwickelte er seine revolutionäre Theorie von der rechtmäßigen Herrschaft der schiitischen Theologen.


Fußnoten

12.
Vgl. ebd., S. 98.
13.
Vgl. ebd.