APUZ Dossier Bild

25.1.2006 | Von:
Dennis Mocigemba

Computer und Nachhaltigkeit

Usability und Barrierefreiheit

Eine andere Diskussion hat ebenfalls mit der Frage zu tun, wie die Chancen und Vorteile des Computers als Werkzeug und Arbeitsmittel sozialverträglich verteilt werden können, und konzentriert sich somit ebenfalls auf den Ausgleich zwischen ökonomischen und sozialen Interessen. Es handelt sich um den im Bereich der Qualitätssicherung angesiedelten Diskurs über die Anpassung von Computersystemen an die Bedürfnisse verschiedener Nutzergruppen. Unter Nutzern versteht man hier Personen, die den Computer für ihre Zwecke benutzen (müssen), ohne über ein detailliertes Verständnis seiner technischen Funktionsweise zu verfügen.

Usability (Nutzungsqualität bzw. Gebrauchstauglichkeit) und Barrierefreiheit sind zwei zentrale Termini dieser Diskussion. Hinter ihnen steckt die soziale Forderung an Softwareentwickler, Computersysteme an die Bedürfnisse ihrer Nutzer anzupassen, um niemandem systematisch die Möglichkeit zu rauben, von Computersystemen zu profitieren. Auch soll niemand gezwungen werden, seine Lebens- und Arbeitsweisen technischen Notwendigkeiten zu unterwerfen. Allein der technische Fortschritt und der Einzug des Computers in fast alle Lebensbereiche dürfe nicht dazu führen, dass Personen, beispielsweise aufgrund mangelnder technischer Kompetenz oder Begeisterung, sozial benachteiligt würden. Computerprogramme sollten deshalb in hohem Maße gebrauchstauglich sein. Usability ist ein mittlerweile international genormtes Konzept (ISO 9241:11), nach dem Software aufgabenangemessen, selbstbeschreibungsfähig, erwartungskonform, steuerbar, fehlertolerant, lernförderlich und individualisierbar sein muss (ISO 9241:10).

Das Konzept der Barrierefreiheit legt das Hauptaugenmerk auf Personen mit Behinderungen (z.B. Sehbehinderte) und ist vor allem im Zusammenhang mit dem Internet bekannt geworden. Als barrierefrei bezeichnet man Internetangebote, die sowohl von Menschen mit Behinderung oder mit altersbedingten Einschränkungen als auch von automatischen Suchprogrammen uneingeschränkt genutzt werden können. Da dies nur selten vollständig erreicht wird, spricht man auch von barrierearmen Produkten und Angeboten. Auch der Terminus Barrierefreiheit, der meist mit accessibility übersetzt wird, zielt auf sozialen Ausgleich: Potenziell benachteiligte Personen sollen von der Computernutzung gleichermaßen profitieren können.

Usability wird oft als Qualitätsmerkmal eines Produkts verstanden, dessen Umsetzung sich auch ökonomisch rentiert.[3] Barrierefreiheit hingegen wird von Softwareentwicklern eher aufgrund gesetzlicher Verpflichtungen angestrebt oder aufgrund ihrer solidarischen Wertorientierung, selten aus ökonomischem Nutzenkalkül.


Fußnoten

3.
Vgl. Jakob Nielsen, Usability Engineering, San Francisco 1994, S. 2ff.