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9.8.2007 | Von:
Karlheinz A. Geißler

Der Angriff auf Raum und Zeit

Und die Antworten?

Wer polarisierende Ja-Nein-Antworten erwartet, hat nicht allzu viel aus der Menschheitsgeschichte gelernt. Jede Entwicklung, so die Erkenntnisse aus der Evolutionsgeschichte und auch die Erfahrungen vorangegangener Generationen, birgt beides in sich: Risiken und Gefahren, Chancen und Bedrohungen. Sie verläuft nie eindimensional. Nutzen und Kosten, Gewinne und Verluste lassen sich dabei nicht in die Schemata einer Bilanz einordnen. Auch können weder biologisch-genetische Dynamiken (Evolution) noch gesellschaftliche Veränderungen (Reformen und Revolutionen) in ihren Verläufen vorab präzise kalkuliert werden. Klüger ist man immer nur im Nachhinein. Das unterscheidet das Leben und das Lebendige von der Technik und allen technologisch dominierten Personen.

Auch in der Vergangenheit waren Menschen mit der Dynamik von Entwicklungen konfrontiert und in diese verwickelt, die sie in ihrem sozialen und individuellen Selbstverständnis bedrohten. Auch in längst vergangenen Epochen mussten Wahrnehmungsweisen, Denk- und Handlungsformen, die man für selbstverständlich hielt und die man liebgewonnen hatte, gewechselt, verändert oder gar abgelegt werden. Die Formen des Zusammenlebens und der Vergemeinschaftung waren einem steten, zumindest begrenzten Wandel ausgesetzt. Und immer wurden sie auch mit dem Ziel verändert, die Lebensverhältnisse zu verbessern. Nur - gelungen ist dies, wie man aus Erfahrung weiß, bei Weitem nicht in allen Fällen.

Dass die gesellschaftlichen, sozialen und individuellen Veränderungen einerseits Ängste verursachen, andererseits große Hoffnungen, Erwartungen und interessierte Neugier auf das, was sich ankündigt, erzeugen, ist daher auch nicht neu. Den homo simultans wird es freuen, denn so kann er wieder mal etwas vergleichzeitigen: das Neue und das Alte, die Vergangenheit und die gegenwärtige Zukunft, die Hoffnung und die Angst.