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7.8.2009 | Von:
Lutz Mükke

Allein auf weiter Flur: Korrespondenten in Afrika

Leichtes Spiel für Public Relations

Die angerissenen Probleme des Afrika-Journalismus tragen unter anderem dazu bei, dass sich die großen PR-Anstrengungen der Hilfsbranche deutlich in der Afrika-Berichterstattung niederschlagen können. Ihre zielgerichtete und teilweise strategische Kommunikation ist so erfolgreich, dass Hilfsorganisationen und UN etwa jede fünfte inhaltsanalytisch nachweisbare Quelle stellen. Der Erfolg ihrer PR-Arbeit spiegelt sich auch qualitativ deutlich wider: Die analysierten Medienbeiträge bilden UN und Hilfsorganisationen meist positiv ab. Den PR-Anliegen der Hilfsbranche hilft dabei ihr de facto vorhandenes Informations- und Kommunikationsmonopol, da andere Akteure wie wissenschaftliche Einrichtungen, Medien oder Wirtschaftsvertreter zur gesellschaftlichen Debatte über Afrika vergleichsweise wenig beitragen oder von Journalisten kaum wahrgenommen werden. Zwischen Medien und Hilfsbranche bestehen zudem enge symbiotische Verhältnisse. Diese basieren zum Teil auf ähnlich gelagerten inhaltlichen Interessen an Afrika (Krisen, Kriegen, Katastrophen, Krankheiten).

Die Hilfsbranche kann zudem auf eng gewobene gesellschaftliche Netzwerke zurückgreifen, in die sowohl politische Akteure als auch einflussreiche Medienvertreter inkorporiert sind. Die Zusammenarbeit von Redaktionen mit der Hilfsindustrie reicht von der Berichterstattung über eine Vielzahl etablierter Welttage über Pressereisen und Spendensendungen bis hin zu langjährig gepflegten, journalismusethisch bedenklichen Kooperationen und Kampagnen-Journalismus. Dass sich Berichterstattung dabei in Einzelfällen einseitig und absichtsgebunden darstellt und die Berufshygiene sowie journalistische Unabhängigkeitsgebote in Frage stellt, wird für die "gute Sache" in Kauf genommen. Der derzeitige Afrika-Journalismus hat den inhaltlich-thematischen Vorstrukturierungen von UN und Hilfsorganisationen in Afrika wenig eigene Expertise und Deutungsmacht entgegenzusetzen. Häufig übernimmt er lediglich eine Verteilerfunktion, indem er die PR-induzierte Afrika-Agenda der Hilfsbranche kolportiert. Der vorliegende Beitrag schließt daher mit zwölf Vorschlägen, wie die Afrika-Berichterstattung verbessert werden könnte.


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