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5.7.2011 | Von:
Werner Meinefeld

Umweltschutz im Alltag: Probleme im Umgang mit Gemeingütern

Vom Umgang mit Umweltkatastrophen

Umweltkatastrophen begleiten die Geschichte des Menschen von allem Anfang an: von der Versteppung des "Fruchtbaren Halbmondes" im Norden des heutigen Syrien und Irak (mit der anschließenden "Vertreibung aus dem Paradies") über die Veränderung des Klimas im gesamten Mittelmeerraum durch die Abholzung der Wälder für den Schiffsbau oder die Verpestung der Luft und die Vergiftung der Flüsse während der Industrialisierung in ganz Westeuropa; China durchläuft diesen Prozess gerade im Zeitraffer. Solchen lokal begrenzten Katastrophen begegnete der Mensch in der Regel damit, dass er in andere Gegenden der Welt auswich oder dass er die Art und Intensität der Naturnutzung veränderte. Letzteres allerdings vorzugsweise erst dann, wenn die erste Möglichkeit, nämlich weiterzuwandern, nicht oder nur unter Risiken zur Verfügung stand. Zur zweiten Strategie zählen in erster Linie die Entwicklung von Ackerbau und Viehzucht (einschließlich aller nachträglichen Verfeinerungen wie Düngung oder züchterische Auslese) bzw. die Erfindung technischer Hilfsmittel für die Naturbeherrschung - also eine Erfolgsgeschichte, auf die die Menschheit zurückblicken kann. Auf den Fortschritt der technologischen Möglichkeiten setzen denn auch heute sehr viele, wenn es um die Sicherung unserer gewohnten Lebensweise auf diesem Planeten geht. Ob der technologische Fortschritt aber tatsächlich mit den die Umweltschädigung heute vorantreibenden Faktoren wird Schritt halten können, ist völlig offen.

In Problemsituationen wie diesen tendiert der Mensch dazu, durch Verdoppelung seiner Anstrengungen in der einmal eingeschlagenen Richtung weiterzumachen und eine Lösung mit den gewohnten Mitteln herbeizwingen zu wollen. Nicht nur hatte sich der bisherige Lösungsweg ja bewährt - mindestens ebenso wichtig dürfte sein, dass sich auf der Basis des bisherigen Verhaltens soziale Strukturen gebildet haben, an die Machtverhältnisse und Besitzstände, aber auch allgemein Verhaltenssicherheiten und Handlungskompetenzen gekoppelt sind, die zur Stabilisierung und Beibehaltung des eingeschlagenen Weges beitragen. Historische Beispiele (wie der Untergang der Wikinger-Kultur auf Grönland oder das fast vollständige Verschwinden der früheren Hochkultur auf der Osterinsel)[5] lassen es allerdings fraglich erscheinen, ob diese Strategie des "Immer-mehr-von-demselben" als Königsweg einer Lösung wirklich taugt.

Fußnoten

5.
Vgl. Hermann Remmert, Ökologie. Ein Lehrbuch, Berlin 1989, S. 19f. Siehe auch die ausführlichen Überlegungen in Claus Leggewie/Harald Welzer, Das Ende der Welt, wie wir sie kannten. Klima, Zukunft und die Chancen der Demokratie, Frankfurt/M. 2009, S. 84-87, sowie Ronald Wright, Eine kurze Geschichte des Fortschritts, Reinbek 2006, S. 63ff.

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