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Strahlende Sonne am Himmel

8.7.2021

Editorial

Seit Jahrzehnten beschäftigt sich die Wissenschaft mit dem Klimawandel und speziell mit den vom Menschen verursachten Anteilen. Umfangreiche Szenarien und Modellrechnungen zeigen auf, wie sich die Erwärmung der Atmosphäre entwickeln wird und welche Ansätze notwendig sind, um das international festgelegte Ziel von weniger als 2°C-Erderwärmung zu erreichen. Viele Forscherinnen und Forscher erachten sogar das 1,5°C-Ziel für notwendig.

Dennoch gibt es eine Diskrepanz zwischen der globalen Bedeutung, die dem Thema mittlerweile beigemessen wird, und der Art und Weise, wie es im Alltag gelebt wird.
Nach einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage des Bundesumweltministeriums und des Umweltbundesamts im November/Dezember 2020 halten 65 Prozent der Deutschen Umwelt- und Klimaschutz für ein wichtiges Thema. Über 90 Prozent der Befragten sprechen sich für einen zügigen, aber sozialverträglichen Strukturwandel in Richtung Klimaschutz und ökologischer Nachhaltigkeit aus.
Bei den Jugendlichen zwischen 14 bis 22 Jahren beträgt der Anteil derjenigen, die Umwelt- und Klimaschutz für ein wichtiges Thema halten, sogar 74 Prozent. Sichtbar wird dieses Interesse etwa bei den weltweiten Demonstrationen der Fridays for Future-Bewegung. Viele Jugendliche befürchten, dass die zunehmende Erderwärmung ihre Chancen auf eine lebenswerte Zukunft mindert. Auf die junge Generation und eine Lastenverteilung zu deren Ungunsten zielte auch der wegweisende Beschluss des Bundesverfassungsgerichts von März 2021 zum Klimaschutzgesetz.

Die Herausforderung besteht darin, die erforderlichen Maßnahmen national und international umzusetzen. Welche Konsequenzen hat es für die Gesellschaften, für den Einzelnen, für Wirtschaft und Industrie? Was können sie beitragen, um den klimaschädlichen Anstieg der Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre effektiv zu bekämpfen? Welche Regionen sind bereits heute besonders betroffen, wie kann eine sozialverträgliche Umsetzung der Ziele gewährleistet werden?

Dieses Heft befasst sich mit den Entwicklungen des Klimas in den vergangenen Jahrzehnten. Es zeigt – unterstützt durch zahlreiche Bilder, Grafiken, Quellentexte und ein ausführliches Glossar –, wie die menschengemachte Erwärmung der Atmosphäre zunimmt. Dargestellt wird, wie die Wissenschaft Vorausberechnungen über Entwicklungen des Klimas erarbeitet und Anpassungsstrategien entwirft.
Eine wichtige Rolle spielt dabei der IPCC, der Weltklimarat, dessen Berichte von hunderten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erarbeitet und begutachtet werden, um den politischen Entscheidungsträgern Vorschläge zu unterbreiten.

Gezeigt wird auch, welche Herausforderungen, aber auch Chancen darin liegen, in demokratisch verfassten Systemen immer aufs Neue Mehrheiten zu gewinnen und politische Entscheidungen umzusetzen, wenn Menschen ganz unmittelbar von Veränderungen in ihrem Umfeld betroffen sind. Wichtig ist, bei allen Entscheidungen nicht nur Betroffene frühzeitig einzubinden, sondern auch bei möglichst vielen Bevölkerungsschichten um Akzeptanz und aktive Beteiligung für die Erhaltung der gemeinsamen Lebensgrundlagen zu werben.

Jutta Klaeren