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Familie und Familienpolitik

20.3.2009 | Von:
Johannes Huinink

Familie: Konzeption und Realität

Historischer Wandel

Die anthropologische Forschung legt nahe, dass die Familie für die evolutionäre Entwicklung des Menschen eine grundlegende Bedeutung hatte. Vor dem Hintergrund der Erkenntnis, wie stark und wie lange Menschen auf die persönliche Fürsorge (Sozialisation) in einem stabilen Beziehungsumfeld angewiesen sind, um sich zu handlungsfähigen Individuen zu entwickeln, ist dies nachvollziehbar. Die Familie ist nur in menschlichen Gesellschaften vorzufinden und im Wesentlichen ein Kulturprodukt. Denn sie leistet mehr als die allein instinktgesteuerte Aufzucht der Nachkommenschaft in der Tierwelt. Während sich die Fürsorge der Elterntiere in der Regel nur über eine begrenzte Zeit erstreckt, begründet die menschliche Familie lebenslange Beziehungen zwischen den Eltern und der Nachkommenschaft.

Mit der "Entdeckung" des Prinzips biologischer Mutterschaft wurde den frühen Menschen erst die Besonderheit der sozialen Beziehung zwischen Mutter und Kindern und zwischen Geschwistern ("von gleichem Fleisch und Blut") sowie ihre Gestaltbarkeit bewusst. Die Erkenntnis der Zeugungsfunktion der Männer begründete entsprechend das Prinzip der Vaterschaft, die aus nachvollziehbaren Gründen weniger eindeutig zu belegen ist als eine Mutterschaft. In der Folge wurde die Elternbeziehung institutionalisiert.

Viele menschliche Gesellschaften führten die Ehe sowie Treuegebote ein - bei häufig ausdrücklich zugelassener Polygamie, also der Tatsache, dass Männer mehr als eine Frau ehelichen konnten (Polygynie) oder umgekehrt (Polyandrie), was viel seltener vorkam. Durch Abstammungs- und Vererbungsregeln wurde die Generationenfolge der in der Regel patriarchalisch organisierten Verwandtschaftsfamilien allmählich zur Basis für die soziale, politische und wirtschaftliche Ordnung und sicherte die Weitergabe bzw. den Erhalt von Macht und Vermögen über die Generationen hinweg.

Trotz spärlicher Erkenntnisse über die Familienstrukturen der Früh- und Vorgeschichte ist die anthropologische Forschung weitgehend einig, dass Familienverbände in den Garten- und Ackerbaugesellschaften der Neusteinzeit bereits zentrale Institutionen bildeten. Sie waren vermutlich durch autoritäre Strukturen gekennzeichnet, in denen der Ehemann und Vater absolute Macht über die anderen Familienmitglieder besaß (Patriarchat).

Die soziale Position und das soziale Ansehen der Frauen waren währenddessen unterschiedlich ausgeprägt. Wie das Beispiel der Pharaoninnen Ägyptens zeigt, konnten Frauen durchaus relevante gesellschaftliche Bedeutung und einflussreiche Machtpositionen erlangen.

In der Familie oder Hausgenossenschaft der Antike (in Griechenland oikos und in Rom familia genannt), zu der neben den Ehegatten und Kindern die Sklaven gehörten, hatte der männliche Familienvorstand (pater familias) unbeschränkte Rechte und Gewalt über Leben und Tod der Familienmitglieder. Seine Machtbefugnisse endeten erst mit seinem Ableben. Er nahm zentrale Aufgaben in der Gerichtsbarkeit, im Wirtschaftshandeln und in der Erziehung wahr. Frauen standen ihr Leben lang unter der Verfügungsgewalt ihres Vaters bzw. ihres Mannes oder unter der Vormundschaft eines nahen Verwandten. Die Untreue der Ehefrau, die vor allem für die Erziehung der kleinen Kinder zuständig war, konnte im Extremfall ihren Tod bedeuten. Die Kindestötung war als Mittel der Familienplanung lange Zeit erlaubt und wurde erst von Konstantin dem Großen (circa 280 bis 337 n. Chr.) verboten.

Entwicklung der Familienformen in Europa

Der zunehmende Einfluss des Christentums auf die Ehe- und Familienverfassung sowie das Erbrecht und die Durchsetzung der Ehe, die auf dem Einverständnis beider Ehepartner beruhte (Konsensehe), nahmen dem pater familias seine Allmacht, stellten die Vorrangstellung des Mannes als Hausvater jedoch zunächst nicht in Frage. Seit der Aufklärung des späten 18. Jahrhunderts waren die persönliche Identität und Würde sowie die individuellen Rechte und Bedürfnisse von Frauen und Kindern in Familie und Gesellschaft anerkannt (Naturrecht, Menschenrechte). Gleichzeitig wurden Familie und Familienbeziehungen zunehmend vertragsrechtlich geregelt.

Familienformen sind zu jeder Zeitepoche höchst vielfältig und auch regional sehr unterschiedlich gewesen. Die Familienstrukturen und die Kinderzahl wurden in erster Linie den verschiedenen Lebensverhältnissen der Menschen angepasst. Auch religiöse Überzeugungen haben immer eine große Rolle gespielt, wie man am weitreichenden Einfluss des Christentums auf die Entwicklung der Familie in Europa erkennen kann. Doch gab es zu jedem Zeitpunkt neben den von der Kirche und den Obrigkeiten erlaubten Formen familialen Zusammenlebens andere Familienformen, die den sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen der Menschen angemessener waren, oder die Paare lebten unverheiratet zusammen, weil ihnen die Ehe und Elternschaft offiziell verwehrt wurde.

Bei den Römern und bei den Germanen gab es noch unterschiedliche Eheformen, die verschiedene ehe- und eigentumsrechtliche Folgen haben konnten und in denen die Frauen unterschiedlich stark von ihren Ehemännern abhängig waren. Zu jeder Zeit lebten Paare mit und ohne Kinder unverheiratet zusammen, beispielsweise im Konkubinat bzw. "wilder Ehe". In der Antike noch rechtlich zugelassen, wurde diese Lebensform im frühen Mittelalter von der christlichen Kirche und seit der Neuzeit von den weltlichen Autoritäten verboten und sogar verfolgt. Die Familie mit unverheirateten Eltern verschwand aber nicht, sondern war immer präsent.

Die Familienformen hingen stark von der sozialen Stellung der Menschen und ihren wirtschaftlichen Verhältnissen ab. Gut erforscht ist das für die Zeit seit dem Mittelalter. Familienhistoriker teilen mittelalterliche Haushalte ein in Fürsten- und Adelshöfe, Fronhofverbände mit mehreren bäuerlichen und unterbäuerlichen Haushalten, geistliche Hausgemeinschaften, ländliche und städtische Haushaltsformen, darunter Handels- und Handwerksfamilien. Ehen waren standesgemäß zu schließen und in der Regel an Voraussetzungen geknüpft, die ein wirtschaftliches Auskommen der Familie sichern sollten. Ein großer Teil der Bevölkerung konnte daher keinen eigenen Hausstand gründen. In den nichtadeligen Ständen musste der Mann über eine "Stelle" verfügen, sei es, dass er als erbberechtigter Sohn einen Hof oder einen Handwerksbetrieb übernahm, sei es, dass er eine neue Stelle schaffen konnte. Eine relativ späte Familiengründung im Alter von mehr als 25 Jahren war daher in Westeuropa vorherrschend. Oftmals kam es zu Konflikten zwischen den Generationen, weil die Kinder erst dann eigene Familien gründen konnten, wenn die Eltern den Hausbetrieb weitergaben.

Quellentext

Heiratsregeln im 19. Jahrhundert

[...] Im Deutschland des 19. Jahrhunderts galten für Bauern, Handwerker, Arbeiter und Bürger je eigene Gesetze und Regeln für das Heiraten. Mitgift, Arbeitsfähigkeit und Gesundheit waren für den Bauernsohn die wichtigsten Kriterien, wenn er auf Brautschau ging. Die Zukünftige sollte möglichst den Besitz vergrößern, ihren Part in der bäuerlichen Wirtschaft erfüllen, zu der neben ihren Schwiegereltern oft auch Geschwister des Mannes sowie Mägde und Knechte zählten. Kinder gehörten als Arbeitskräfte und künftige Erben dazu. Wie schön, wenn man sich außerdem auch noch nett fand!

Im Handwerk hatte die Zunft ein gewichtiges Wort mitzureden, wenn es um die Hochzeit ging. Erst nach der Lehr- und Wanderzeit durfte der Geselle sein Meisterstück fertigen und heiraten. Die Wahl einer Meistertochter oder Witwe öffnete die Türe zur Zunft und brachte finanzielle Vorteile. Die Meisterin versorgte das "ganze Haus" und bestellte als Nebenwirtschaft Feld und Garten. Kinder hatten die gleiche Bedeutung wie beim Bauern.
ArbeiterInnen hatten weder Besitz noch Ausbildung, konnten ihren Kindern nichts vererben und auch nicht von ihnen versorgt werden. Dennoch gab es zur Ehe keine Alternative, wollte man nicht ewig als UntermieterIn oder SchlafgängerIn leben und auf sozial akzeptierte Sexualität verzichten. Schwangerschaft war häufig der Anlass zu heiraten, jedes weitere Kind dann ein Esser mehr.
Der Bürgersohn musste wie der Handwerker zuerst seine Ausbildung zum Beamten, Offizier, Akademiker oder Kaufmann abschließen, bevor an eine Familie zu denken war. Im Unterschied zu den Frauen anderer Schichten sollte seine Auserwählte außer der Mitgift gerade keinen Beitrag zum Familieneinkommen leisten. Seinen Stand kennzeichnete, dass der Hausherr Frau und viele Kinder standesgemäß versorgte. Ihre unbezahlte Hausarbeit musste ihm dazu den Rücken frei halten. Schwierig war die Situation in vielen Beamtenfamilien, weil ein angemessener Lebensstil sich an den Besitzbürgern orientierte, das Einkommen dazu aber oft nicht reichte. Unverheiratete Töchter mussten daher nicht selten mit geheimer Näharbeit helfen, die bürgerliche Fassade aufrechtzuerhalten. Liebe als einziges Motiv zur Heirat ist historisch die jüngste und offenbar auch die labilste Form der Paarbildung. [...]

Inge von Bönninghausen, "Familiengeschichte(n)", in: FrauenRat 3/06, S. 2f.

In West- und Mitteleuropa zählten zu den nichtadeligen Familienhaushalten die Ehegatten und die Kinder sowie Lehrlinge, Handwerksgesellen und Knechte, Dienstmägde bzw. das Gesinde, zu denen auch unverheiratete Verwandte gehören konnten.

Die vorindustriellen Familienhaushalte auf dem Land und in der Stadt mussten sich als funktionierende Arbeitseinheiten behaupten. Es ging darum, das Überleben ihrer Mitglieder zu sichern. Dem hatte sich fast alles unterzuordnen. Zweckorientierte Beziehungen zwischen den Mitgliedern der Familienhaushalte waren vorherrschend. Kinder wurden, sobald es möglich war, in die Haushaltsproduktion eingespannt. Eine Kindheit im heutigen Sinne gab es daher in der Regel nicht. Für Intimität und gefühlsmäßige Bindungen war wenig Platz. Mittlerweile geht die Familienforschung allerdings davon aus, dass die Bedeutung von Liebe und Gefühlen für die Beziehungen zwischen (Ehe-)Partnern oder Eltern zu ihren Kindern in vorindustriellen Familien unterschätzt worden ist.

Die Mitgliederfluktuation in diesen Familienhaushalten war groß, das heißt, Anzahl und Zusammensetzung der Familienmitglieder änderte sich häufig. Ein Grund dafür war die hohe Kindersterblichkeit und die geringe Lebenserwartung der Menschen insgesamt. Außerdem verließen die Kinder früh den Haushalt, um sich in einem fremden Haus als Gesinde zu verdingen oder in die Lehre zu gehen. Es musste also ständig "Personal" ersetzt werden, um die Haushaltsproduktion aufrechterhalten zu können. Verstarb ein Ehepartner, wurde so schnell wie möglich wieder geheiratet. Was heute als Patchworkfamilie bezeichnet wird, konnte in dieser Zeit daher in vielfältiger Form auftreten - nur dass nicht eine Scheidung der Ehepartner, sondern der Tod der Hausmutter oder des Hausvaters der Grund war. Die im 19. Jahrhundert idealisierte Form der vorindustriellen Großfamilie mit mehreren Generationen im Haushalt war eher die Ausnahme als die Regel. Kleinfamilien mit oder ohne Gesinde herrschten vielerorts vor. In den Städten gab es Formen des Alleinlebens, Familien Alleinerziehender oder Wohngemeinschaften von Frauen, vor allem von Witwen mit oder ohne Kinder.

Im Zuge der Industrialisierung wandelte sich die Familie. Strukturell bedingt setzte sich außerhalb der Landwirtschaft die Trennung von Produktions- und Familiensphäre durch. Am Vorabend der Industrialisierung, etwa ab Mitte des 18. Jahrhunderts, verlor denn auch der Ausdruck familia seine alte Bedeutung als "Hausgemeinschaft" und wurde wie heute vorherrschend als Begriff ausschließlich für die Eltern-Kind-Gemeinschaft uminterpretiert. Familien konnten nun - so der Historiker Andreas Gestrich - zu einer "Sphäre des Konsums und der Privatheit" werden, das heißt, die Arbeitswelt lag außerhalb des häuslichen Bereichs.

Die ideelle Triebfeder des Wandels war die Aufklärung, die das individualistische Denken und die Ablösung von ständischen Bindungen genauso beförderte wie die weitere Verweltlichung der Ehe. Sie war durch den Protestantismus eingeleitet worden, der die Ehe nicht mehr als Sakrament verstand. Nach und nach konnten sich die jungen Menschen bei der Partnersuche Reglementierungen durch Dritte wie Eltern, Zünfte oder Statusgruppen entziehen, und das Motiv emotionaler Zuneigung und romantischer Liebe gewann bei der Paarbildung stärker an Bedeutung. Nichtsdestotrotz behaupteten sich ständische oder schichtbezogene Einflüsse auf Partnerschaften bis weit ins 20. Jahrhundert.

Kinder mussten zunehmend nicht mehr als Arbeitskraft innerhalb oder außerhalb des Haushalts eingesetzt werden und erfuhren dadurch eine stärkere emotionale Zuwendung. Kindheit und Jugend wurden nun als eigenständige Lern- und Entwicklungsphasen im Leben angesehen. Zuvor hatte es sie wohl eher nur in höheren sozialen Schichten gegeben.

Weiterhin gab es Familienhaushalte in der Landwirtschaft und im selbstständigen Handwerk. Als neue, vorwiegend ländliche Haushaltsform bildet sich im Zuge der Vorindustrialisierung auch die Heimarbeiterfamilie aus. Doch zwei Familienformen gewannen besonders an Bedeutung: die proletarische und die so genannte bürgerliche Familie. Die proletarische Familie oder Arbeiterfamilie verbreitete sich in den wachsenden Städten. Die Eltern einer zunehmend großen Kinderschar mussten in der Regel beide ganztägig (zwölf bis 14 Stunden) arbeiten, um den Lebensunterhalt bestreiten zu können. Kinderarbeit war anfangs noch die Regel. Die Menschen lebten unter schlechten hygienischen Bedingungen, dennoch nahmen durch Fortschritte in der medizinischen Versorgung und eine bessere Ernährungssituation die Kindersterblichkeit ab und die Familiengröße zu. Die Familien waren aus materiellen Notlagen heraus oft gezwungen, zusätzlich fremde Mitbewohner, so genannte Inwohner, in den beengten Haushaltaufzunehmen.

Die bürgerliche Familie

Zum Erfolgsmodell einer an die Erfordernisse der industriellen Gesellschaft besonders gut angepassten Familienform sollte die so genannte bürgerliche Familie werden. Sie war anfangs auf die wirtschaftlich privilegierten Bevölkerungsschichten beschränkt, gewann aber seit dem späten 19. Jahrhundert in der Bevölkerung immer mehr an Bedeutung und bildete in den 1950er und 1960er Jahren das dominierende Familienmodell.

Die bürgerliche Familie - auch oft moderne Familie genannt - etablierte sich als eine auf Dauer angelegte eheliche Lebensgemeinschaft mit Kindern. Die Ehe der leiblichen Eltern war bei diesem Lebensmodell obligatorisch. Das durchschnittliche Heiratsalter der Männer war hoch und lag bei 30 Jahren, die Frauen waren fünf bis sechs Jahre jünger. Die Partner konnten frei gewählt werden, und die Ehe wurde zunehmend als intime Beziehung gelebt, die auf persönlicher Zuneigung und Liebe beruhte. Die durchschnittliche Zahl der überlebenden Kinder betrug zwei bis vier. Sie wuchsen in einer behüteten Welt der Kindheit und Jugend auf, in der Zeit zum Spielen und Lernen blieb. In der Regel verließen sie erst das Elternhaus, wenn sie ihre eigenen Familien gründeten, es sei denn, die Ausbildung oder der Start in den Beruf machten einen früheren Auszug notwendig. Das Familienleben wurde zunehmend gegenüber der Öffentlichkeit abgegrenzt, auch lebten in der Regel nicht mehr mehrere Generationen in einem gemeinsamen Haushalt. Die Familie galt als privater Raum, der nur begrenzt für die soziale Umwelt offen war.

Familienintern wurde eine strikte geschlechtsspezifische Rollenteilung zwischen Mann und Frau praktiziert: Der Mann ging als Haupternährer der Erwerbsarbeit außer Haus nach, der Frau kam die Rolle als Hausfrau und Mutter zu. Daraus leitete sich der bleibende Autoritätsanspruch des Mannes innerhalb der bürgerlichen Familie ab. Auch wenn die Hausfrau und Mutter einen eigenständigen sozialen Status beanspruchen konnte, wurden die Hausarbeit und die Erziehung der Kinder doch gegenüber der Erwerbsarbeit, mit der das nötige Einkommen erwirtschaftet wurde, als eher unproduktive Tätigkeit abgewertet. Die Arbeitsteilung zwischen den Ehepartnern verstärkte sich gegenüber der Praxis in den früheren Familienhaushalten, die Rollen von Mann und Frau waren so klar voneinander abgegrenzt wie kaum zuvor. Dieses Bild der bürgerlichen Familie blieb in den westlichen Gesellschaften bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts dominant. Es bot ein hohes Maß an institutionalisierter Ordnung und Organisation des privaten Lebens von Männern und Frauen.

Die wesentlichen demografischen Veränderungen, die mit dem Wandel der Familie im Zuge der Industrialisierung einhergingen, waren durch einen drastischen Rückgang der Säuglings- und Kindersterblichkeit, einen Anstieg der Lebenserwartung der Menschen und einen starken Rückgang der Geburtenhäufigkeit bestimmt. Dieser Wandel führte unter anderem dazu, dass nun erst in größerem Umfang Familien mit drei und mehr Generationen über einen längeren Zeitraum zusammenleben konnten, wie der Historiker Arthur Imhof es mit dem Ausdruck der "gewonnenen Jahre" deutlich gemacht hat. In der heutigen Zeit ist das Ausmaß der Zeit, die mehrere Generationen einer Familie gemeinsam verleben, so groß wie nie zuvor. Dieses Faktum wird häufig vergessen, wenn in der Öffentlichkeit vorschnell vom Zerfall der Familie gesprochen wird.


Jede siebte Familie in Deutschland - so wird geschätzt - ist eine Patchworkfamilie. Eltern haben sich getrennt, finden neue Partner, oft bringen sie eigenen Nachwuchs in die Beziehung mit, manchmal kommen gemeinsame Kinder hinzu. Das bunte Familiengefüge ist hoch sensibel.

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