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Geschlecht

Geschlecht

Die meisten Menschen denken bei dem Wort Geschlecht an Männer und Frauen. Das Wort Geschlecht meint auch bestimmte Merkmale von Menschen.

Manche dieser Merkmale haben mit dem Körper zu tun. Sie haben mit der Fortpflanzung zu tun, also damit, wie Menschen Kinder bekommen. Zum Beispiel, ob jemand schwanger werden kann. Die Merkmale machen aber auch, dass die meisten Menschen als Männer oder Frauen gesehen werden. Zum Beispiel tragen fast nur Männer Bärte und viele Männer haben kurze Haare. Es gibt viele Möglichkeiten, wie man Geschlecht erklären kann. Darüber wird auch viel gestritten.
Dieser Text ist eine Möglichkeit, um über das Thema Geschlecht nachzudenken.

Wer über das eigene Geschlecht nachdenken will, kann sich folgende Fragen stellen:

  • Habe ich schon mal über meinen Körper oder mein Geschlecht nachgedacht?

  • Warum benutze ich Nagellack oder warum nicht?

  • Warum habe ich mich für meinen Beruf entschieden?

  • Oder halten andere mich für einen guten Handwerker, weil ich ein Mann bin?

  • Oder denken andere, dass ich gut auf Kinder aufpassen kann, weil ich ein Mann bin?

Das alles kann mit dem Geschlecht zu tun haben.

Das Geschlecht wird bei der Geburt in die Geburtsurkunde eingetragen. Nach der Geburt wird gesagt: "Es ist ein Junge" oder "Es ist ein Mädchen". Oft wird auch schon vor der Geburt gesagt: "Das Baby wird ein Junge" oder "Das Baby wird ein Mädchen." Dabei sind die Geschlechtsorgane wichtig. Wenn ein Baby einen Penis und Hoden hat, dann wird gesagt: Es ist ein Junge. Wenn ein Baby eine Scheide, Eierstöcke und eine Gebärmutter hat, dann wird gesagt: Es ist ein Mädchen.

Es gibt auch Menschen, bei denen ist das anders. Sie haben zum Beispiel einen Penis und eine Gebärmutter. Oder sie haben Eierstöcke und Hoden. Sie sind inter oder intergeschlechtlich.

Das Geschlecht wird dann in die Geburtsurkunde eingetragen. Man kann auswählen zwischen "männlich", "weiblich" und "divers". Divers bedeutet, dass man nicht männlich oder weiblich ist. Man kann den Eintrag in der Geburtsurkunde auch frei lassen. Das Geschlecht in der Geburtsurkunde entscheidet zum Beispiel, welche Behandlungen es bei Ärzten und Ärztinnen gibt.

Es gibt Menschen, die sagen: Bei mir wurde bei der Geburt das falsche Geschlecht in die Geburtsurkunde eingetragen. Das heißt Interner Link: trans oder transgender. Es gibt auch andere Möglichkeiten, sich mit seinem Geschlecht anders zu fühlen.

Zum Geschlecht gehört auch, was Menschen über Frauen und Männer denken:

  • zum Beispiel wie Frauen und Männer aussehen sollen,

  • und wie Frauen und Männer sich verhalten sollen.

  • was Frauen und Männer mögen sollen

  • oder was Frauen und Männer für Aufgaben übernehmen sollen.

Das kann man Geschlechterrolle nennen.

Hier sind einige Beispiele dafür, was typisch für eine Geschlechterrolle sein kann:

  • Mädchen haben oft lange Haare und tragen manchmal Kleider.

  • Jungen haben oft kurze Haare und tragen fast nie Kleider.

  • Viele Frauen schminken sich, Männer schminken sich fast nie.

Wenn Jungen Kleider tragen oder Männer sich schminken, finden das viele Menschen ungewohnt. In anderen Ländern oder in früheren Zeiten kann das auch anders sein.

Wenn Mütter sich viel um die Kinder und den Haushalt in einer Familie kümmern, wundert sich meistens niemand. Wenn Väter sich viel um die Kinder und den Haushalt in einer Familie kümmern, sprechen Menschen vielleicht darüber. Wenn Väter sehr lange bei der Arbeit außer Haus sind, wundert sich auch meistens niemand. Wenn Mütter sehr lange bei der Arbeit außer Haus sind, fragt sie vielleicht jemand: "Wer kümmert sich jetzt um deine Kinder?"

Geschlechterrollen haben zur Folge, dass Menschen unterschiedlich behandelt werden. Menschen lernen zum Beispiel in der Familie, der Schule, bei Bekannten, in Filmen oder sonst in ihrem Leben, wie Geschlechterrollen sind. Ein Kind lernt zum Beispiel,

  • was die meisten Mädchen machen,

  • was die meisten Frauen machen,

  • was die meisten Jungen machen

  • oder was die meisten Männer machen.

Wichtig ist aber: Männer und Frauen müssen nicht das machen, was die meisten machen. Jungen und Mädchen können sehr unterschiedliche Dinge fühlen und mögen.

Viele Mädchen spielen gerne mit Puppen, andere spielen lieber mit Monstern oder Autos. Viele Jungen spielen gerne mit Autos, andere lieber mit Stofftieren oder Puppen.
In unserem Land und in unserer Zeit spielen immer noch häufiger Mädchen mit Puppen als Jungen.
Daran merkt man: Menschen lernen früh etwas über Geschlechterrollen.
Aber: Alle sollen selbst entscheiden, mit was sie spielen und wie sie später leben möchten. Es gibt Menschen, die sind anderer Meinung. Wichtig ist aber:

  • Manche Mädchen spielen gerne mit Autos.

  • Manche Jungen spielen gerne mit Puppen.

  • Manche Männer weinen.

  • Manche Frauen spielen gerne Fußball.

Am Spielzeug erkennt man nicht, ob jemand ein Junge oder ein Mädchen ist. An Gefühlen erkennt man nicht, ob jemand Mann oder Frau ist. An einer Sportart erkennt man nicht, ob jemand Mann oder Frau ist.
Im Laufe der Zeit ändert sich, wie Menschen über Frauen und Männer denken oder was in Gesetzen steht. In den 1960er Jahren haben in Deutschland meistens die Männer eine Arbeit gehabt, mit der sie Geld verdienten. Frauen haben im Haushalt gearbeitet und sich um die Kinder gekümmert. Sie bekamen dafür kein Geld.
Heute ist das in Deutschland etwas anders. Heute arbeiten mehr Mütter auch für Geld als früher. Väter können sich heute auch um den Haushalt und die Kinder kümmern.

Heute sagen Menschen im Radio und Internet, in den Zeitungen und in Reden im Parlament auch häufig: Es ist nicht richtig, dass Männer nur das und Frauen nur etwas anderes tun sollen.
Anders als früher werden auch Frauen Pilotinnen und Soldatinnen. Männer werden auch Erzieher oder Krankenpfleger.
Trotzdem wundern sich Menschen manchmal, wenn Frauen Soldatinnen werden oder Männer Erzieher. Außerdem arbeiten in den meisten Familien immer noch Frauen mehr im Haushalt und der Betreuung der Kinder. Oder sie geben die Hausarbeit und Kinderbetreuung an andere Frauen ab. Geschlechterrollen ändern sich also nur langsam.

Auch die Sprache verändert sich. Wenn Sprache alle Geschlechter meint, heißt das Interner Link: geschlechtergerechte Sprache.

Alle Menschen haben heute in Deutschland im Interner Link: Grundgesetz die gleichen Rechte. Niemand darf aufgrund seines Geschlechts diskriminiert werden. Doch leider passiert das trotzdem immer wieder. Dazu können Sie etwas im Artikel zu Interner Link: Sexismus lesen.

Zum Thema Geschlecht gibt es viele Diskussionen und Streit. Es gibt auch viele unterschiedliche Begriffe und Erklärungen für Geschlecht. Menschen haben viele unterschiedliche Meinungen zum Thema Geschlecht.
Manche Menschen in Deutschland finden es auch heute noch richtig, dass Frauen vor allem im Haushalt arbeiten. Oder sie finden es richtig, dass vor allem Männer Geld verdienen. Oder sie finden es falsch, wenn Frauen Soldatinnen oder Männer Erzieher werden.
Was Menschen über Männer und Frauen und über ihre Rechte denken, liegt auch an dem Staat, in dem man lebt. Zum Beispiel gibt es in Deutschland seit 1919 das Interner Link: Frauenwahlrecht und in der Schweiz erst seit 1971. Wie sich Begriffe und Gesetze zum Thema Geschlecht im Laufe der Zeit verändert haben, ist im Artikel Interner Link: Geschlechtsbezeichnungen erklärt.

Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung/bpb (Hrsg.): einfach POLITIK: Lexikon. Autor/inn/en: D.Meyer, T.Schüller-Ruhl, R.Vock u.a./ Redaktion (verantw.): Wolfram Hilpert (bpb). Bonn: 2022. Lizenz: CC BY-SA 4.0 //

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