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30.4.2004 | Von:
Gerhard Amendt

Väterlichkeit, Scheidung und Geschlechterkampf

Sensibilisierung der Scheidungsväter

Anhand dieser Facetten wird die Verletzbarkeit von Männern gegenüber Kommentierungen ihres Männlichkeitsverständnisses sichtbar. Immer deutlicher wird, dass sie sich nicht vorschreiben lassen wollen, was Väterlichkeit sei - Müllentsorgung und Windeln - und was sie nach der Scheidung noch sein dürfe: Urlaub mit Kindern. Männer haben eigene Vorstellungen und wollen nicht, dass diese verworfen werden. Allerdings sind diese keineswegs einheitlich. Sie werden zuallererst von der Elterntradition der untergegangenen Partnerschaft bestimmt, aber ebenso von der Schichtzugehörigkeit, dem Bildungsniveau sowie ihrem Verständnis von Männlichkeit und Weiblichkeit. Sie reichen von der Fortführung über die Einschränkung bis zur Einstellung der Beziehung zu ihren Kindern.

Weil es während der letzten 20 Jahre relevante Forschung über Männlichkeit nicht gegeben hat, wissen wir nur wenig darüber, wie Männer sich Väterlichkeit vorstellen. Andererseits ist sie immer Teil eines viel umfassenderen Männlichkeitsverständnisses. So lässt sich gerade im Anschluss an unsere Forschung sagen, dass die meisten Männer die Scheidung als eine ihrer schwersten Sinnkrisen erleben. Sie stellt für viele das Sinnstiftende in ihrem Leben in Frage: nämlich zu arbeiten, damit die Familie gut leben kann. Das veranlasst viele, auch ihre Väterlichkeitsvorstellung zu überdenken. Die hohe kurz- und langfristige Erkrankungshäufigkeit von knapp 75 Prozent der geschiedenen Männer[7] ebenso wie deren Gang zum Psychotherapeuten (30 Prozent) weist im Übrigen auf die Auswirkungen verletzter Sinnstiftung hin. Was einst alltäglich und üblich war, muss nach der Scheidung auf Beständigkeit überprüft werden - zumal dann, wenn Väter den Abbruch der Beziehung zu den Kindern vermeiden wollen. Und es ist die Angst davor, die in den meisten Auseinandersetzungen für viele Männer den Ausgangspunkt eines langjährigen Kampfes mit der Expartnerin bildet. Oft ziehen sich diese Kämpfe länger hin, als die Partnerschaft gedauert hat. Natürlich gibt es auch Männer, die nicht mit ihrer Exfrau kämpfen, sondern die mit der Mutter einvernehmlich zum Wohl ihrer Kinder handeln, obwohl sie beide nicht mehr als Paar die Eltern bilden.


Fußnoten

7.
Vgl. Gerhard Amendt, Geschiedene Väter in Zahlen (Abschlussbericht) ersch. voraussichtlich Herbst 2004, (www.igg.uni-bremen.de).