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Aufrecht und biegsam. Eine politische Geschichte des Körperkults

Körperkult und Schönheitswahn Editorial Körperkult und Schönheitswahn - Wider den Zeitgeist - Essay Aufrecht und biegsam. Eine politische Geschichte des Körperkults Der Körper als kulturelle Inszenierung und Statussymbol Schönheit - Erfolg - Macht Der Preis der Schönheit: Nutzen und Lasten ihrer Verehrung

Aufrecht und biegsam. Eine politische Geschichte des Körperkults

Thomas Alkemeyer

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Im öffentlichen Raum sieht man heute Einiges, was in den 1960er Jahren noch nicht zu sehen war: Jogger, die in exhibitionistischer Sportkleidung ihre Kilometer bolzen, ...

Einleitung

Im öffentlichen Raum sieht man heute Einiges, was in den 1960er Jahren noch nicht zu sehen war: Jogger, die in exhibitionistischer Sportkleidung ihre Kilometer bolzen, Inlineskater beim virtuosen Slalom um Passanten, auf Treppenstufen krachende Skateboarder, Menschen aller Altersstufen, die sich hinter den gläsernen Fassaden der Fitnessstudios auf Laufbändern und an Kraftmaschinen mühen.

Im Mittelpunkt dieser Veränderungen steht der Körper mit seinen Praktiken und Darbietungsformen. Vor 40 Jahren hatte er noch wenig Gelegenheit zur öffentlichen Darstellung. Die 'Auftritte' des Körpers fanden hinter den Mauern der privaten Lebenswelten oder der aus dem öffentlichen Leben ausgegliederten Turnhallen und Tanzclubs statt. Heute macht das demonstrative Spiel mit dem Körper das Großstadtleben sexy - bis zum Überdruss. Piercings und Tattoos, Diäten und Schönheitsoperationen, Fitness und Extremsportarten sind Techniken einer auf Wirkung berechneten Gestaltung. Eine ganze Körperindustrie hat sich auf Wartung, Reparatur und Vervollkommnung spezialisiert. Einer Marktforschungsstudie des Branchenverbandes IHRSA zufolge waren 2006 ca. 7 Millionen Menschen in Deutschland Mitglied in einem Fitnessstudio. Das sind etwa 8,5 Prozent der Bevölkerung und damit knapp eine Million mehr Menschen als in Fußballvereinen organisiert sind.

Der Körper als Symbol

Woher kommt diese ungebremste Sorge um den Körper? Eine Antwort ist ohne die Auseinandersetzung mit der historischen Genese des Körpers als Statussymbol und Mittler einer glaubhaften Versinnbildlichung innerer Haltungen nicht zu bekommen. In den traditionalen Gesellschaften Europas galt der Körper als Sitz der natürlichen Eigenschaften der Person. Mit dem Übergang zu den modernen repräsentativen Demokratien ist er zu einem Medium symbolischen Ausdrucks geworden. Die Idee einer in der Natur der Körper begründeten sozialen Ungleichheit behinderte den Aufstieg des Bürgertums enorm. Sie wurde in langwierigen sozialen und politischen Kämpfen durch die Vorstellung einer natürlichen Gleichheit der Körper abgelöst. Der Körper erhielt nun die Funktion, die unsichtbaren Tiefenschichten des Charakters' auszudrücken. Als "Bühne der Personen-Identität" wurde er selbst als ein Produkt individueller Anstrengungen aufgefasst. Seine Erscheinung belegte von nun an die Lebensführung der Person - ihre Moral, ihre Anstrengungsbereitschaft, ihre Selbstdisziplin. Zusammen mit der Idee einer natürlichen Gleichheit der Körper entstand so ein neues Ungleichheitssystem: eine Ordnung der symbolischen Distinktionen, die die biologisch gleichgestellten Körper auf eine neue, zunehmend subtile Weise voneinander unterscheidet. Während zunächst noch der dunkle Anzug und der weiße Hemdkragen ausreichen, um soziale Grenzen zu markieren, müssen die Unterscheidungsstrategien dann, wenn auch die unteren Klassen die Möglichkeit haben, auf diese Darstellungsmittel zurückzugreifen, auf Details verlegt werden: auf Stoffe, Schnitte, die Eleganz des Krawattenknotens, die formvollendete Geste. Die symbolische Markierung sozialer Differenzen setzt eine penible Sorge um sich voraus. Sie beruht auf einem neuen Verständnis des Körpers als Besitz, der gepflegt, modelliert und verbessert werden kann.

In der Forschung ist die Kultur des Bürgertums lange überwiegend als eine Wort- und Schriftkultur aufgefasst worden. Erst neuere Untersuchungen einer Körpergeschichte zeigen, dass auch Aussehen, Auftreten und Verhalten von Bedeutung für die Ausbildung bürgerlicher Identität waren. Ein erstes Indiz dafür ist die Vielzahl von Manieren- und Ratgeberbüchern zu Fragen stilvollen Verhaltens, die seit dem 18. Jahrhundert im Bürgertum zirkulierten. In diesem Zeitraum avancierte der Körper zu einem prominenten Schauplatz der Einübung und Demonstration bürgerlichen Selbstverständnisses. Als eine Zwischenklasse, die sich in der einen Richtung teils bewundernd, teils argwöhnisch am Adel orientierte, und sich in der anderen gegen die Unteren absetzte, belegte das Bürgertum am eigenen Körper seine Tüchtigkeit. Ihm galt der blasse, zivilisatorisch überfeinerte' Körper der Adligen als Beleg für deren Überflüssigkeit. Ein kraftvoll gestraffter, gesunder Körper beglaubigte demgegenüber die moralische Überlegenheit seines bürgerlichen Besitzers'. Viele der ästhetischen Normen und Regeln der Lebensführung und Diätetik, auf die das aufstrebende Bürgertum zurückgriff, entstammten antiken Vorbildern. Ihre Aneignung und Umdeutung diente bürgerlicher Selbstaffirmation und -überhöhung.

Im körpersprachlich ausgetragenen Symbolkampf der Klassen spielte das aufrechte Gehen eine besondere Rolle. Das aufstrebende Bürgertum machte sich die Herrschaftssymbolik des Aufrechten zueigen und vollzog im aufrechten Gang mit stolz erhobenem Kopf und streifendem Blick seine Emanzipation. Der politische Diskurs der Aufklärung als "Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit" (Immanuel Kant) gewann darin physische Gestalt. Die Bürger spotteten über den Adel, der zu jeder Bewegung Unterstützung benötige. Und sie zeigten sich über die Gebeugten der unteren Ständen buchstäblich erhaben, die sich - von Kiepen, Körben, Säcken oder Wassereimern beschwert - gebückt auf den Straßen dahin schleppten oder als Boten, Handlungsgehilfen und Dienstmädchen mit gesenktem Kopf diensteifrig umher eilten. Mit der Dominanz des bürgerlichen Vertikalismus wurde der Horizontalismus, das Ruhen und Liegen, zunehmend diskreditiert. Er deutete nun auf Schwäche, Faulheit und vor allem Unproduktivität hin. Requisiten wie Stock und Hut unterstrichen die sozialdistinktive Semantik des Vertikalen: Ein Hut lässt die Person größer erscheinen und fordert zu würdevoller Haltung mit erhobenem Kopf geradezu auf. Mit dem Spazierstock in der Hand konnte überdies die bürgerliche Freiheit demonstriert werden, etwas zu tragen, ohne es tragen zu müssen.

Zwar betraf der Diskurs um das aufrechte Gehen kurz nach der Französischen Revolution auch noch die Frauen, aber schon wenig später wurde das raumgreifende Fortschreiten eine Männerdomäne. Errungenschaften weiblicher Emanzipation wie flache Schuhe wurden wieder zurückgedrängt; höhere Absätze ließen nur noch kurze, trippelnde Schritte zu. Kulturelle Muster von Männlichkeit und Weiblichkeit prägten Haltungen und Bewegungen.

Körperpraktiken sind Teil einer Bildungs- und Repräsentationsarbeit, mit der sich die Subjekte eine erkennbare soziale Form geben und ihre gesellschaftliche Identität durchzusetzen versuchen. Indem sie ihr Anderssein sichtbar machen, beginnen sie überhaupt erst, als eine soziale Formation zu existieren. Solche Praktiken entstehen nicht im luftleeren Raum, sondern in Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Vorgaben, Appellen und Machtstrukturen. Vor diesem Hintergrund erscheint die bürgerliche Praxis des Aufrechten als ambivalent: Als praktischer Vollzug individueller Autonomie im Gegensatz zur Heteronomie der Feudalgesellschaft ist sie gleichzeitig performativer Vollzug einer neuen bürgerlichen Ordnung an sich selbst: einer Herrschaft der Vernunft über den "Despotismus der Begierden" (Immanuel Kant).

Die geläufigen Begriffe Repression und Zwang bezeichnen diese Politik des Selbst nur unzureichend. Vielmehr handelt es sich um eine "produktive Disziplin", die die Triebe und Kräfte des Körpers bündelt und steigert, anstatt sie zu hemmen, zu beugen oder gar zu vernichten. War die Feudalgesellschaft starr und unbeweglich, so verlangte die Bewältigung der von der beweglichen, bürgerlichen Gesellschaft gestellten Aufgaben von den (männlichen) Individuen Privatinitiative, rasche Auffassungsgabe und Einsatzbereitschaft. Ihren Niederschlag fanden diese Anforderungen auch in der bürgerlichen Leibeserziehung an der Wende zum 19. Jahrhundert. So arbeitete der Philanthrop Johann C.F. GutsMuths in seiner Gymnastik für die Jugend von 1793 ein naturwissenschaftlich fundiertes Übungssystem zur systematisch-methodischen Rationalisierung des Körpers und seiner Bewegungen aus und empfahl zugleich ungezwungene Körperstellungen: Der Körper sollte zu einer perfekt funktionierenden Maschine werden, ohne maschinell zu wirken - eine Maschine mit menschlichen Zügen. Während die in strenge Formen gepresste, aristokratische Bewegungskultur des Reitens, Fechtens oder Tanzens exklusive ästhetische Qualitäten wie Eleganz und Grazie betonte, zielten die neuen bürgerlichen Leibesübungen auf die Durchsetzung und Darbietung des Leitbildes eines funktionstüchtigen Körpers, dessen Zwanglosigkeit gleichzeitig die neue liberale Idee' zum Ausdruck bringen sollte. Diese Forderungen hallten auch in zeitgenössischen Anstandslehren wider, die dem Mann statt zu einem formalen aristokratischen Auftreten zu Elastizität und Spannkraft als Zeichen von bürgerlicher Geistesgegenwart, Kühnheit und Mut rieten.

Selbst- und Fremdtechniken

Die neue bürgerliche Körper- und Bewegungskultur lässt sich als eine 'selbsttechnologische' Subjektivierungspraktik begreifen. Darunter versteht der französische Philosoph Michel Foucault Techniken, die Individuen für sich wählen, um "mit eigenen Mitteln bestimmte Operationen mit ihren eigenen Körpern, mit ihrem Geist, mit ihrer eigenen Lebensführung zu vollziehen, und zwar so, dass sie sich selber" - und damit ihr Verhältnis zur Welt - formen und verändern. Es sind Techniken "individueller Beherrschung", "Formen, in denen das Individuum auf sich selbst einwirkt", um sich ein eigenes Maß zu geben oder einen Idealzustand der Vollkommenheit (des Glücks, der Reinheit, der übernatürlichen Kraft etc.) zu erlangen.

Selbsttechniken können sich niemals völlig von gesellschaftlichen Regulierungen, Machtkämpfen und Herrschaftsverhältnissen befreien, aber sie können ein Gegengewicht bilden. Zwischen dem Subjekt und den gesellschaftlichen Bedingungen, in denen es sich konstituiert, entsteht dann ein Spalt, ein Missklang, vielleicht sogar ein Widerspruch: Selbstpolitiken sind "Differenzpolitiken"; sie setzen der Fremdbeherrschung eine Praxis der Selbstermächtigung entgegen. Eben darin liegt ihre politische Relevanz. Einer ihrer zentralen Orte ist der Körper. Er ist die 'Bühne', auf der die miteinander ringenden Kräfte streiten wie die Redner auf der Agora: Kräfte der Regulation, der Disziplinierung und der Normierung wirken auf die Körper ein; in Abhängigkeit von den ihnen verfügbaren Ressourcen haben die Individuen aber auch die Möglichkeit, ihren Körpern eine eigene Gestalt zu geben. Praktiken der Selbstformung rühren so nicht von ganz anderen Prinzipien her, sondern sind "das nicht wegzudenkende Gegenüber" der Machtbeziehung.

Von der Aufrichtung zur Ausrichtung

Die Auseinandersetzungen zwischen Fremdformatierung und Selbstformung sind zu keinem Zeitpunkt entschieden. Bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden die philanthropischen Leibesübungen den Prinzipien kollektiver Disziplin und der Gleichzeitigkeit der Bewegungen unterworfen: Mit der "nationalstaatlichen Wende" der Pädagogik korrespondierte ein Umbruch von der Aufrichtung zur Ausrichtung. Historischer Hintergrund waren militärische Ziele im Kontext der Nationalbewegung gegen die napoleonische Besetzung. Statt Ungezwungenheit und Geschmeidigkeit verlangte der Staat nun militärische Strammheit. In den auf diese Erwartung reagierenden Turnbüchern der Philanthropen traten kriegerische Übungen mit autoritärem Gehalt in den Vordergrund. "Verein, Ordnung, Zeitmaß" und "Befehl" als kollektivistische "Seele des Turnwesens" ersetzten individuelle Tüchtigkeit.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts setzte sich die militärische Strammheitszumutung in der deutschen (Körper-)Pädagogik flächendeckend durch: Rigide Stillsitz- und Aufstehordnungen im Schulunterricht mit der Schulbank als körpernaher Prägeapparatur, der Zuck und Ruck eines militarisierten Turnunterrichts, die 'freiwillige' Fortsetzung des Drills im sich ausbreitenden Vereinssport und die Übernahme quasi-militärischer Haltungsrituale in der Arbeitswelt empfahlen sich als Instrumente einer stummen Pädagogik zur Fabrikation gefügiger Schüler, gehorsamer Soldaten, folgsamer Untertanen und zuverlässiger Arbeiter. Das Körperprinzip des Aufrechten nahm die ambivalente Form einer "subalternen Selbstbeherrschung" (Bernd Jürgen Warneken) an, einer Selbstbeherrschung von Beherrschten. Parallel dazu änderte sich der Ort des Turnens im sozialen und politischen Gefüge: Während das 'Volksturnen' Friedrich Ludwig Jahns noch zur national-revolutionären Bewegung des deutschen Vormärz gehörte, diente das Drillturnen Ende des 19. Jahrhunderts der Produktion von sich fraglos, aber aufrecht dem nationalen Kollektiv einordnender Untertanen. Es stabilisierte körperlich-sinnlich autoritäres Denken und Staatshörigkeit.

Eine vergleichbare Funktion übernahmen die nationalen Feste der Sänger, Schützen und Turner. Neben Symbolen wie Denkmälern, Büsten oder Münzen hatte die Festkultur eine zentrale Bedeutung für die Befestigung des Glaubens an die "gedachte Gemeinschaft" (Benedict Anderson) der Nation. Kollektive Gesten und synchrone Bewegungen bei Aufmärschen, Umzügen und Turnübungen schufen eine 'Nation zum Anfassen' und überbrückten so die Lücke zwischen Ideologie und Alltag. Die plastische Modellierung und physische Vergegenwärtigung erfundener gemeinsamer Bande des Schicksals, der Abstammung oder des Blutes sollten Körper und Geist national kodieren, Gemeinschaftsgefühle hervorrufen und ein nationales Bildergedächtnis schaffen. In Verkörperungen erlangen abstrakte Vorstellungen Physis und affektive Wucht; postulierte Gemeinschaften werden vorübergehend real. An der Wende zum 20. Jahrhundert ließen besonders Choreographien sportlich trainierter Körper Ideen der Ganzheit und Regeneration der nationalen Gemeinschaft lebendig werden. Solche Aufführungen leisteten einer Naturalisierung sozialer und kultureller Unterschiede Vorschub: Beharrlich werden körperliche Erscheinungen, Bewegungsstile und Leistungsfähigkeiten bis heute auf angeborene Eigenschaften zurückgeführt. Eine rassistische Wendung nehmen solche Vorstellungen dann, wenn der einzelne Körper als Träger einer gemeinsamen Essenz der "Art", des "Blutes" oder der "Rasse" interpretiert wird.

Sport als Heilmittel

Im Zusammenhang mit der Deutung der Gesellschaft mit biologisch-medizinischen Denkmodellen wurde dem Nationalen seit Mitte des 19. Jahrhunderts eine natürlich-biologische Substanz unterstellt. Ideengeschichtlich geht die Auffassung von Gesellschaft als 'politischer Körper' bis auf die frühe Neuzeit zurück. Neu war jedoch, dass dieser politische Körper nun aufgrund naturwissenschaftlicher und technischer Entwicklungen zielgerichtet gestaltbar erschien. Im gleichzeitigen Rückgriff auf die vor-aufgeklärte Symbolik der Abstammung und des Blutes formierte sich ein moderner, biologisierender Staats-Rassismus.

Den Anstoß gaben Entwicklungen in Frankreich. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts hatten französische Wissenschaftler den vermeintlichen Abstieg der Grande Nation in biologisch-medizinischen Begriffen als einen Degenerationsprozess interpretiert. Resonanzen zwischen der Degenerationslehre August Morels von 1857, dem Sozialdarwinismus und der wieder entdeckten, nunmehr auf den Menschen übertragenen Vererbungslehre Gregor Mendels ließen ein politisches Deutungsmuster mit Weltbildfunktion entstehen. Metaphern aus der Biologie und Medizin diffundierten in Politik und Gesellschaft. Diese Entwicklungen bildeten nicht nur den Nährboden für die Vorstellung einer fortschreitenden Degeneration der Gesellschaft, sondern schürten auch die Hoffnung, die im Verschwinden begriffene Kraft und Energie der Bevölkerung durch ein rationales Management ihrer biologischen Ressourcen wiederherstellen, ja sogar noch steigern zu können: Wenn der 'politische Körper' erkranken kann, dann kann er, so die sozialtechnologische, von Ärzten genährte Erwartung, auch geheilt werden. Auf dem Boden der modernen Naturwissenschaften und der Medizin wurden sehr viel ältere philosophische Utopien einer Perfektionierung des Menschen und der Gesellschaft in einen technokratischen Realismus überführt. Sie schlugen sich zum einen in staatlichen Erziehungs- und (Volks-) Gesundheitsprogrammen einer "Bio-Politik der Bevölkerung" nieder, mit denen die Geburten- und Sterblichkeitsraten durch eine Kontrolle der Sexualität und eugenische Praktiken 'von oben' gesteuert werden sollte. Zum anderen artikulierten sie sich in den gegen die Gefährdung der Gesundheit durch miserable Lebensbedingungen 'von unten' aufbegehrenden, vielstimmigen Erneuerungsbewegungen, die sich unter dem Etikett "Lebensreform" sammelten.

Hintergrund für die staatlichen Bio-Politiken der Bevölkerung war die Konkurrenz der europäischen Nationalstaaten um Marktanteile, Kolonien und Einflusssphären auf dem sich etablierenden Weltmarkt. Die Nationalstaaten nahmen ihre Bevölkerungen als Herrschafts- und Kriegsressource ins Visier, die es größer, kräftiger und gesünder zu machen galt. Zu diesem Zweck wurden einerseits Maßnahmen einer 'negativen' Eugenik zur Aussonderung qualitativ unerwünschter Personen ('Kranke', 'Perverse' und 'Degenerierte' wie Alkoholiker, Kriminelle, Syphilitiker, Wahnsinnige usw.) aus dem Fortpflanzungsprozess ins Auge gefasst. Anstalten zur Senkung der Morbidität, zur Stimulation der Natalität, zur Verlängerung der Lebensdauer und zur Kräftigung der individuellen Energien, die in das Konzept eines organologisch gedachten "Volkskörpers" integriert wurden, bildeten die andere, 'positive' Seite der Bevölkerungspolitik. Während die frühen Sozialdarwinisten noch in die 'natürlichen' Auslesemechanismen vertrauten, dominierte bei den Eugenikern des Fin de siècle die Degenerationsangst. Aus ihrer Sicht gehörten sozialstaatliche Errungenschaften wie Sozialmedizin, Armenfürsorge und öffentlicher Wohnungsbau zu den Ursachen der Degeneration, da sie die Mechanismen einer natürlichen Selektion außer Kraft setzten. Um die Evolution systematisch in die Richtung einer Verbesserung des menschlichen 'Genpools' zu lenken, arbeitete Francis Galton 1883 unter dem Einfluss von Die Entstehung der Arten seines Vetters Charles Darwin den Gedanken einer praktischen Anwendung des Selektionsprinzips aus. Die Eugenik verstand sich explizit als angewandte Politik. Der normativen Orientierung an der Höherentwicklung der Nation wurde jede Individualethik untergeordnet. Kranke, Schwache oder Kriminelle wurden in verschiedenen Ländern (USA, Schweiz, Schweden etc.) als durch Zwangssterilisationen aus dem Fortpflanzungsprozess auszuschaltende Störfaktoren betrachtet.

Aufgrund der Niederlage im Ersten Weltkrieg nahm Deutschland eine gewisse Sonderentwicklung. In deren Folge breitete sich der kollektive Wahn aus, gerade die'wertvollsten Rassenelemente' seien an der Front gefallen, während die 'Minderwertigen' zu Hause in Sicherheit überlebt hätten. Diese Schädigung der Erbmasse des Volkes würde sich, so hieß es, ungünstig auf die Auslese auswirken. Schulen und Hochschulen begannen nach dem Krieg mit "rassenhygienischem" Unterricht und richteten entsprechende Forschungsinstitute ein; 1920 schließlich konnten der Jurist Karl Binding und der Psychiater Alfed Hoche im Elend des darnieder liegenden Deutschland die "Freigabe lebensunwerten Lebens" fordern. Die Ausführungen des sozialdemokratischen Chefeugenikers Karl Kautsky zur Vermehrung und Entwicklung in Natur und Gesellschaft von 1910 zeigen, dass die Vorstellung, der Staat müsse bei der "natürlichen Zuchtwahl" tätig werden, rechts wie links herrschte. Hier wie dort hatte sie klare geschlechterpolitische Implikationen: medizinische, gesundheitspolitische und strafrechtliche Interventionen richteten sich primär auf die Frauenkörper.

Die Lebensreformbewegungen entwickelten sich seit der Jahrhundertwende hingegen unabhängig vom Staat. Aber sie teilten dessen Besessenheit von Fragen der Sexualität, der Gesundheit und der Hygiene. Ein buntes Gemisch von Jugendbewegten, Naturheilkundlern, Nudisten, Leibeserziehern, Vegetariern, Ernährungsreformern, Abstinenzlern und Siedlungsreformern war sich einig in dem Ziel, die durch Industrialisierung und Urbanisierung angerichteten Schäden an Leib und Leben zu beheben. Sie stellten dem in Korsettund Stehkragen gezwungenen, einem schmerzhaften Prozess der Unterwerfung der Instinkte unter straffe Gewohnheiten der Ordnung, Exaktheit und Präzision unterzogenen wie industriell gebeutelten Körper die Utopie einer ganzheitlich befreiten, reinen Körperlichkeit entgegen. Ob weltanschaulich-religiös, sozialpolitisch oder medizinisch-hygienisch motiviert, einen gemeinsamen Nenner fanden die Reformvorschläge dieser auch politisch heterogenen Bewegungen in der Vorstellung einer notwendigen 'Gesundung' der Gesellschaft. Aufgrund der Dominanz biologistischer Vorstellungen wurde der sozialkritische Gehalt, den 'Gesundheit' auch haben konnte, oft verwässert. Die Utopien eines gesunden Körpers richteten sich dann zumindest implizit gegen alles angeblich Kranke, Schwache, Unreine oder Minderwertige.

Seine Funktion als ein disparate Teilkulturen verklebender Kitt konnte der Mythos 'Gesundheit' allein vor dem Hintergrund abschreckender Bedrohungsvorstellungen erfüllen. Unauflöslich waren die Utopien eines gesundeten Körpers mit dem Wunschtraum einer erneuerten Kultur verbunden, in der die Entfremdungen des Menschen von der Natur, die Trennungen von Hand- und Kopfarbeit, die Abhängigkeit von den anonymen Kräften des Marktes und des Staates und die modernen 'Degenerationserscheinungen' überwunden wären. Die selbsttechnologische Reform der Person durch gesunde Lebensweise galt als Vorbild für eine umfassende Gesellschaftsreform, der "Neue Mensch" als Keimzelle einer neuen Gesellschaft. Bis heute sind eine gesunde Lebensweise und der Verzicht auf Drogen feste Bestandteile einer in diesen Traditionen stehenden, längst einflusslosen Freikörperkultur, die sich nach 1945 in der DDR vorübergehend zu einer unorganisierten Massenbewegung entwickeln konnte; offenbar war die Begeisterung für eine nackte Natürlichkeit hier stärker als im Westen.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts sahen Hygieniker, Ärzte und Leibeserzieher besonders in Gymnastik, Turnen und Sport geeignete Instrumente einer 'positiven' Eugenik. Sie versprachen, der Gesellschaft ihre Frische zurückzugeben, die Nation zu stärken und die Überbürdung' der Schüler durch geistige Arbeit auszugleichen. In der Frage, mit welchem Modell dies am wirkungsvollsten zu erreichen sei, gingen die Meinungen allerdings auseinander. Französische Hygieniker, Mediziner und Leibeserzieher wie Philippe Tissié oder George Demeny lehnten jede zu starke Belastung der Muskeln und des Kreislaufs strikt ab. Physische Extreme, Dramatik, Kampf und Hochleistung hielten sie für gesundheitsschädigend. Im Unterschied zu den Propagandisten einer bürgerlichen Arbeitsideologie erschienen ihnen die Müdigkeit, die fatigue, nicht als eine die Arbeitsproduktivität limitierende und deshalb zu überwindende Schranke, sondern als ein natürliches Zeichen für die zu respektierenden Grenzen jeder physischen Anstrengung. Sie engagierten sich deshalb für einen maßvoll betriebenen Gymnastikunterricht nach dem Vorbild der 'rationellen' Schwedischen Gymnastik Franz Nachtegalls und Per Henrik Lings. In Deutschland gerieten die Hygieniker deshalb mit den Turnern aneinander, deren Modell eines zackig-männlichen Turnens an Geräten auf ein Höchstmaß an Kraft, Schnelligkeit und Selbstbeherrschung abzielte.

Der Auftritt des Athleten

Inmitten dieser Auseinandersetzungen trat - zunächst in Frankreich - die Figur des sportlichen Athleten auf die öffentliche Bühne. Geradezu mustergültig verkörperte diese Gestalt das modern/anti-moderne Doppelgesicht der 'beschleunigten' Moderne. Deren Gesellschaften fühlten sich einerseits von ihren historischen Wurzeln abgeschnitten und suchten sich komplementär dazu ihrer antiken Traditionen zu vergewissern. Andererseits glaubten sie an den Mythos eines unaufhaltsamen wissenschaftlich-technologischen Fortschritts. Der Athlet bediente beides: Scheinbar wiederauferstanden aus den Trümmern der Antike, war er zugleich lebendiges Beispiel für die erstaunliche Form- und Trainierbarkeit des menschlichen Organismus und somit massentaugliche Ikone einer schier schrankenlosen menschlichen Leistungsfähigkeit und Effizienz.

Beispiellos wurde diese Sozialfigur seit dem Ende des 19. Jahrhunderts in den Olympischen Spielen in Szene gesetzt. Ihr Begründer, der rührige französische Baron Pierre de Coubertin, wollte der Welt mit seiner olympischen Idee eine neue, zeitgemäße Religion vermitteln. Seine bio-politische "Religion der Muskelkraft" sollte der vom modernen Rausch der Geschwindigkeit angeblich desorientierten, sozial-moralisch verunsicherten Menschheit neue Orientierungen geben und der Degeneration des Fin de Siècle Leitbilder einer neuen Gesundheit entgegenstellen. Im Unterschied zu Hygienikern und Turnern favorisierte Coubertin als Heilmittel ausdrücklich den aus England stammenden, auf Konkurrenz und Individualisierung angelegten Wettkampfsport. Er hielt die Wettkämpfe des Sports und die Konkurrenzen des modernen Wirtschaftslebens für strukturell homolog und psychologisch gleichwertig. Sportliche Wettbewerbe seien deshalb besonders geeignet, die männlichen Individuen auf die Kämpfe des modernen Lebens vorzubereiten, die individuellen Energien freizusetzen und der ermatteten Zivilisation eine neue "männliche Energie" einzuhauchen.

Coubertins bahnbrechende Idee bestand darin, die vermeintlich stärksten Athleten der Welt im olympischen Zeremoniell mittels eines aus Geschichte und Gegenwart geborgten Dekors mit künstlichem Charisma auszustatten. Mit einem Wort des Soziologen Max Weber sind die Olympischen Spiele Ort einer "Wiederverzauberung" der Moderne: eine Bühne, auf der die industrielle Gesellschaft ihre hegemonialen Leitbilder ausstellt und affektiv auflädt. Die Spiele vereinen romantische Sehnsüchte nach Einheit, Ganzheit und Sinn mit den modernen Utopien der schrankenlosen Perfektionierung des Körpers und der Konkurrenz. Diese Ungleichzeitigkeit begründet nach wie vor ihre Attraktivität. Wenn gegenwärtig lamentiert wird, die Olympischen Spiele seien zum Spielball der Massenmedien verkommen, dann täuscht dies darüber hinweg, dass sie von Beginn an eine Werbeveranstaltung waren. Coubertin wollte mit ihnen zunächst für die Verbesserung des körperlichen Zustands der Franzosen werben, später für eine internationale "Elite der Energie". Heute sind sie Lieferant spektakulärer Bildern über-menschlicher Leistungsfähigkeit und sportiv gestylter Erotik.

Sport und die Wiederherstellung nationaler Identität

Während das Bild des schönen Körpers seit dem 18. Jahrhundert primär durch klassizistische Harmoniemodelle geprägt war, rückten im Zusammenhang einer Neubestimmung körperlicher Gesundheit durch Physiologie, Experimentalpsychologie und Ergonomie zu Beginn des 20. Jahrhunderts Kategorien wie Energie, Effizienz und Leistung ins Zentrum der Beschreibung des intakten Körpers. Der olympische Hochleistungssport half, dieses Ideal zu etablieren. Zwar grenzten sich lebensreformerische Strömungen von allen Maschinen-Modellen des Körpers ab, aber auch die in FKK, Naturheilbewegung, Eurhythmie oder Spiritualismus gefeierten Utopien natürlicher Körperlichkeit brachten die bio-politischen Saiten einer Verbesserung der Lebenskräfte zum Mitschwingen.

In Deutschland wirkte sich besonders der Erste Weltkrieg auf die Intensität der Sorge um den Körper aus. Leistungs- und Massensport, FKK, Bodybuilding, Ausdrucks- und Revuetanz, Schönheitskonkurrenzen, Diät-Kult u. v. m. boten sich dazu an, der 'Kriegsdemütigung' durch die Restitution und massenmediale Dauerverherrlichung schöner, starker und gesunder Körper ein neues nationales Selbstbewusstsein entgegenzusetzen. Auffällig kontrastierte die pathetische Erinnerung an den Ersten Weltkrieg mit Heldendenkmälern, Heldenfeiern und Kriegsliteratur mit der gesellschaftlichen Marginalisierung Kriegsversehrter. Während sich in den beschädigten Soldatenkörpern für alle sichtbar Tod, Niederlage und Zerstörung dokumentierten, versprachen die Praktiken und Bilder unversehrter, kraftvoller Körper eine nationale Erneuerung. Ein anschauliches Dokument dafür ist Wilhelm Pragers UFA-"Dokumentarfilm" Wege zu Kraft und Schönheit von 1924. Gemeinsam mit seinem Assistenten Nicholas Kaufmann von der Berliner Charité präsentierte Prager einem Massenpublikum nahezu alle Formen modernen Sports als Lösung für die 'Degenerationsprobleme' des Industriezeitalters; Serien energetisch bewegter Körper ließen die Idee einer 'Wiedergeburt' Deutschlands plastisch werden. Allein Teile der politischen Linken wie deren Kriegsbeschädigten-Verbände machten im Medium verkrüppelter Körper auf die Zerstörungskraft industrieller Kriegstechnologien aufmerksam.

Die mannigfaltigen Körperkonzepte Weimars - vom effizient funktionierenden Athleten bis zur Ästhetik des Tanzes - erlangten eine Einheit allein über gemeinsame Gegenbilder des Beschädigten, Pathologischen, Hässlichen oder Fremden. Beharrlich wurden solche Gegenbilder - etwa in Karikaturen und Bildern gebückter und ungepflegt wirkender, jüdischer und proletarischer Körper - mit marginalisierten Gruppierungen verbunden. Das gesellschaftlich akzeptierte Idealbild des Körpers orientierte sich demgegenüber am Sport: Männer mit glatt rasierten, scharf geschnittenen Gesichtern und muskulösem Körperbau erschienen in der Werbung als 'Erfolgsmodelle'. In trendigen Frauenzeitschriften wurde die sportlich trainierte "Neue Frau" mit Bubikopf und rasierten Beinen als Gegenbild zum traditionellen Muster der Frau als Mutter und Ehepartnerin in Szene gesetzt.

Schöner Schein der Vernichtung

Körperbilder und -metaphern spannen Sinnlichkeit und Emotionalität in politische Prozesse ein und sind geeignet, unbewusste Sinninhalte zu aktivieren. Auf den Zug des Kults um den sportlich trainierten Männerkörper konnte auch der NS-Staat aufspringen, um in seiner öffentlich-repräsentativen Szenerie mit Körperinszenierungen direkt, ohne Umweg über das reflektierende Bewusstsein, historisch gewachsene Gefühle, Stimmungen und Sehnsüchte hervorzurufen. Das Prinzip des Aufrechten, in dem sich seit dem 18. Jahrhundert die Souveränität und Autonomie des männlichen Bürgers dokumentiert hatte, erreichte nach 1933 seinen Höhe- wie seinen Tiefpunkt. Mit starrem Blick, vorgerecktem Kinn, herausgedrückter Brust, eingezogenem Bauch und zusammengepressten Gesäßbacken marschierten SA, SS und Wehrmacht in strammem Gleichschritt. Ihre geometrisch geordneten Marsch-Körper zeigten höchste Selbstdisziplin und eine von außen auferlegte Gewalt gleichermaßen. Ähnlich ambivalenten Kompositionsprinzipien folgten die hoch aufragenden, männlichen Akt-Skulpturen von Staatskünstlern wie Arno Breker oder Joseph Thorak: Sie knüpften an die Autonomie repräsentierende Ikonografie des Aufrechten an; gestellte Posen und panzerartige Muskulaturen machten aber auch eine den Figuren oktroyierte Bewegungsbeschränkung augenfällig. Es sind Sieger- und Besiegtenkörper zugleich. Das sportliche Ideal eines geschlossenen, aufgerichteten Männerkörpers, der Härte sich selbst ebenso wie anderen gegenüber zeigt, wird zugespitzt und schlägt auf seinem Höhepunkt um in ein Symbol der Unterordnung. Kollektive Marsch-Körper ebenso wie die in die überindividuellen Ganzheiten monumentaler Staatsbauten eingefügten Standbilder repräsentierten eine Selbstdisziplin im übergeordneten Interesse. Es sind "Körper der Unterordnung in Form strammer Aufrichtung", Körper einer vom Staat kontrollierten Selbstkontrolle.

Wie die repräsentativen Staatsbauten des "Dritten Reiches", so orientierten sich auch seine Körperinszenierungen seit dem 'Wendejahr' 1936 an den im deutschen Bürgertum seit dem 18. Jahrhundert sehnsüchtig gepflegten und Nobilität verbürgenden, klassizistischen Idealen ganzheitlicher Geschlossenheit und harmonischer Vollkommenheit. Die starren, makellos glatt und gänzlich porenfrei wirkenden Bronzefiguren Arno Brekers setzen sich sinnfällig nicht nur von den dynamischen, die wissenschaftliche Moderne repräsentierenden Körper- und Sportbildern etwa eines Willi Baumeister ab, sondern auch von den wuchtigen, porös anmutenden Steinfiguren völkischer Bildhauer wie Karl Albiker und Joseph Wackerle, die noch das Reichssportfeld für die Olympischen Spiele von 1936 'schmücken'. Brekers Bronzefiguren spitzen klassizistische Vollkommenheitsideale zu einer einschüchternden, viele Menschen offenbar aber auch faszinierenden Body-Building-Idealität zu. Ihre Anziehungskraft speiste sich aus den skizzierten Traditionen: Auf der einen Seite sogen sie lebensreformbewegte Versprechen einer Befreiung des Körpers aus den Zwängen der Zivilisation in sich auf; auf der anderen setzten sie sich entschieden von allen Bildern schwacher, hilfloser und verletzlicher Körper ab, in denen sich seit der Kriegsniederlage in Deutschland vielfältige Niedergangsängste verdichteten.

Ihre Symbolik bewegte sich in klaren Gegensätzen: schön/hässlich, aufrecht/gebückt, stark/schwach, rein/unrein, gesund/krank. Besonders deutlich wurde dies in der Kampagne gegen die "Entartete Kunst" von 1937. Bereits ein flüchtiger Blick in den im Auftrag des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda erstellten Ausstellungsführer zeigt, dass es im Kern um den Gegensatz zwischen dem 'ganzen' und dem 'zerstückelten' Körper ging. Bis auf eine Ausnahme finden sich darin ausschließlich Bilder von menschlichen Gesichtern und Körpern, produziert von Künstlern der Moderne wie Otto Freundlich, Otto Dix, Emil Nolde, Max Beckmann oder George Grosz. Auch in der Ausstellung selbst wurden vornehmlich Körperbilder gezeigt, die den 'klassischen' Figurenkanon einer anatomisch möglichst genauen, naturalistischen Wiedergabe des Körpers als einer klar konturierten Einheit aufgegeben hatten. Als Kriegskrüppel und zerrissene Leichname, als demütig-gebückte Gestalten aus der christlichen Religion, als Prostituierte oder als expressionistisch schraffierter Akt bieten diese Werke aufgelöste Körpersilhouetten dar: den Zusammenbruch des soldatischen Mannes, Bilder leidender, schwacher und ohnmächtiger Menschen als fragilen Opfern des Daseins, Bilder also, "in denen der Blick, der nach Vereinheitlichung, nach dem Ganzen sucht, in Frage gestellt" wird. Das aber gehörte ausdrücklich zum ästhetischen Programm der Moderne wie zu den Körper-Entwürfen der Jazztanz-Bewegung der zwanziger Jahre, in der man die Körperteile isoliert bewegt und die Idee eines zentral gesteuerten, geschlossenen Körpers zugunsten eines polyzentrischen Körperbildes fallengelassen hatte. Auch während der NS-Zeit begegnete die so genannte Swing-Jugend der verordneten Strammheitszumutung mit einer lässigen Tanz- und Alltagshaltung. 'Schlurfen' und 'Swingen' waren Artikulationsformen einer oppositionellen Körperkultur, die das Ideal des strammen Körpers als sinnlichen Appell zu fremdbestimmtem Einsatz und kriegerischem Heldentum dechiffrierte.

Seit 1936 wurden die Bilder des parzellierten Körpers in der offiziellen "Kunstberichterstattung" schlicht mit Chaos analogisiert. Die Texte und Bilder der gleichgeschalteten Massenmedien präsentierten die Aufgabe eines geschlossenen Körperbildes als kulturelle Manifestation der Weimarer "Systemzeit", als Ausdruck des Kunstschaffens von "Geisteskranken", "Juden" und "Primitiven", als Offenbarung des "Kulturbolschewismus" und als Spiegelbild des "Rassenchaos".

Die Konzeption für die Inszenierung der "Entarteten Kunst" ging maßgeblich auf Paul Schultze-Naumburgs Schmähschrift Kunst und Rasse von 1928 zurück. Bereits Schultze-Naumburg hatte bei seinen Diskreditierungen der Moderne auf den Augenschein gesetzt, indem er avantgardistische Kunstwerke von Pablo Picasso, Oskar Kokoschka, Karl Schmidt-Rotluff u.a. (ohne deren Namen zu nennen) mit Fotografien aus der psychiatrischen Klinik verglich. Die "Entarteten"-Ausstellung von 1937 folgte diesem Muster. Während hier in einer bewusst anti-musealen Beuteschau für über zwei Millionen Besucher Bilder des aufgelösten Körpers an den Pranger gestellt wurden, feierte die Erste Große Deutsche Kunstausstellung zur selben Zeit die "neue Kunst des Nationalsozialismus". Nazi-Künstler wie Richard Klein oder Adolf Ziegler stellten im neu erbauten Haus der Deutschen Kunst ihre Versionen körperlicher Schönheit aus. Mit seinem antikisierenden Säulenportikus markierte bereits dieser Ausstellungsort einen alltagsfernen, auratischen Kunst-Tempel. Eine war die Komplementärausstellung zur anderen: In aufeinander bezogenen Kunstausstellungen wurden dem Publikum die beiden zentralen Losungen der NS-Bevölkerungspolitik - "Ausmerze" und "Auslese" - plastisch vor Augen geführt. Die Ausstellungen lenkten die Phantasien in zwei Richtungen: "Auflösung jedweder Ordnung und Aufrichtung einer Gegenkraft".

Unter den Leitbildern des neuen Menschen war auch der Zehnkämpfer Arno Brekers, der exakt gegenüber der Schau zur "Entarteten Kunst" aufgestellt wurde. Dass Sportlerdarstellungen "Zeichen stetiger Gesundung" setzen sollten, wie es in kunstpolitischen Schriften unablässig gefordert wurde, lag nahe. Denn im Kampf gegen alles Schwache und Hässliche waren sich Teile der Sportbewegung durchaus mit den Ideologen des NS einig.

NS-Künstler und -Künstlerinnen wie Arno Breker oder Leni Riefenstahl haben nach 1945 hartnäckig insistiert, ihre Kunst hätte mit Politik nie etwas zu tun gehabt; sie seien ausschließlich an der 'zeitlosen Schönheit' starker und gesunder Körper interessiert gewesen. Unter den Bedingungen nazistischer Bevölkerungspolitik blieb die Schönheit des Gesunden jedoch nicht unschuldig. Eingewoben in ein dichtes bio-politisches Netz diskursiver, institutioneller und praktischer Grenzziehungen zwischen Sozialen und Asozialen, Hoch- und Minderwertigen, Rasse und Gegenrasse waren auch die "Auslesevorbilder" idealer Körper an der Durchsetzung eines Maßstabs 'gesunder Normalität' beteiligt, an dem alles Unnormale abgetragen wurde. Im Zeitalter ihrer technischen Reproduzierbarkeit bestimmten diese Bilder die Schwelle zum 'Hässlichen' bis in den Alltag hinein. Mitten in einen Artikel von 1943, der die Ausrottung "minderwertigen" Lebens am Beispiel von Tieren wissenschaftlich zu begründen versuchte, hatte z.B. der Biologe Konrad Lorenz die Abbildung einer Aktstatue Brekers (sein Dionysos von 1940) platziert. Das war, kommentiert der Kunsthistoriker Klaus Wolbert, der ",wissenschaftliche' Beitrag von Konrad Lorenz zum Mord im Namen der Schönheit: Nur das Vollkommene ist sakrosankt, das definitiv Häßliche aber ist das 'bösartige' Krankheitssymptom, das beseitigt werden muß".

Die Fitness des Selbstunternehmers

Staatliche Bio-Politiken der Bevölkerung wirken sich auf die private Sorge um den Körper aus. Explizite Ausschluss- oder gar Aussonderungsdrohungen können den Appellen zur Selbstsorge zusätzlich Nachdruck verleihen. Gegen diese 'Besetzung' des Körpers durch übergeordnete Mächte hat es historisch immer wieder Gegenbewegungen gegeben, die den hegemonialen Körperidealen alternative bzw. oppositionelle Körperbilder und -praktiken entgegenstellten. In aller Regel antworten die übergeordneten Mächte auf solche 'Revolten des Körpers' mit neuen, geschmeidigeren Formen der Kontrolle, etwa nach dem Motto: Entkleide dich ruhig, aber sei dann zumindest schlank, schön und gebräunt! Nach 1945 sind insbesondere die so genannten 68er den bis weit in die Nachkriegszeit hineinwirkenden Moral- und Normalisierungsappellen der Vergangenheit mit Selbstinszenierungen zwangloser Freizügigkeit begegnet. Sie nahmen ihre Körper durch einen auf individuellen Lustgewinn zielenden, oft selbstzerstörerischen Gebrauch aus den Disziplinarordnungen von Fabrik, Schule und Armee heraus.

Seit etlichen Jahren macht sich nun ein neuer Körper- und Gesundheitskult bemerkbar. Er adaptiert den Stil der Lässigkeit und die Rhetorik des Lustgewinns und wirkt so an der Durchsetzung einer sanften Herrschaft neuer meritokratischer Ideologien mit. Seine Logik ist die des psycho-physischen Selbstdesigns, das gegen die Risiken der Konkurrenzkämpfe auf den unkalkulierbaren Märkten der Arbeit und der Erotik wappnen möchte.

In den heutigen Marktgesellschaften hat sich das Verhältnis von staatlichen Fremd- und privaten Selbstpolitiken gegenüber früheren Zeiten gewandelt. Viele der einst vom Staat wahrgenommenen Funktionen sind auf die Individuen verschoben worden. Im Zuge einer Neudefinition der Rolle des Staates werden wohlfahrtsstaatliche Interventionen zurückgeschraubt. Gesellschaftliche Risiken wie Krankheit, Arbeitslosigkeit oder Armut werden zu Problemen der Selbstsorge 'verantwortlicher' und 'rationaler' Subjekte transformiert, die nun einen Großteil ihrer Aufmerksamkeit, Zeit und Kraft Fragen der gesunden Lebensführung und der Körperpflege widmen. Das heißt, die Körper werden heute wie eh und je gesellschaftlich reguliert, aber die regulierenden Kräfte haben sich verändert. Die treibenden Kräfte der Gestaltung, Überwachung und Produktion gesellschaftlich anerkannter wie geduldeter Körper haben sich vom Staat zum Markt verschoben - mit weit reichenden Folgen für die Individuen, denen nun das Management für ihre Körper aufgebürdet wird. In dem Maße, wie sie sich unter dem Druck zunehmend unabgefederter sozialer Konkurrenzen und neuer sozialer Ungleichheiten immer weniger auf staatlich garantierte, institutionelle Stützen verlassen können, müssen sie sich selber Stützen schaffen. Im Zentrum bio-politischer Praktiken steht nicht mehr der "großformatige Körper des Gesellschaftlichen", sondern die Stählung des individuellen body. Der eigene Körper wird zum prominenten Medium und Schauplatz der Selbstversicherung. In seiner Aufrüstung zeigt sich der Wunsch nach Selbstverbesserung. Gerade in kleinbürgerlichen Milieus, wo ambitionierte Aufstiegshoffnungen und Ängste vor dem sozialen Absturz direkt aufeinander treffen, ist die Sensibilität für das Thema 'Abrutschen' sehr groß. Hier herrscht strukturell ein hoher Darstellungs- und Unterscheidungsdruck. Die Praktiken einer "neuen Bürgerlichkeit" mit Tanz- und Benimmkursen, Smalltalk, Gehorsam in der Schule, Hausmusik und Krawattetragen sind Versuche, sich in schwierigen Zeiten über Formen, Etikette und Symbole nach unten abzugrenzen und den eigenen Status zu bewahren.

Längst bleiben diese distinktiven Strategien der Selbstaffirmation nicht mehr nur auf die Verpackungen und Oberflächen des Körpers beschränkt, sondern drängen unter die Haut. Dreh- und Angelpunkt der vielfältigen Selbstmodellierungstechniken, von der Ernährung bis zur plastischen Chirurgie, ist das Bild des sportlichen Körpers. Nur ausgezogen zeigt er seine Geformtheit tatsächlich und bezeugt die Lebensführung der Person: ihr Gesundheitsbewusstsein, ihre Selbstdisziplin, ihren Willen zum Stil. Wer seinen Körper nicht (visuell) unter Kontrolle hat, scheint selber Schuld und droht als faul, stillos, letztlich überflüssig zu gelten. Der Körper wird zur 'authentischen' Visitenkarte einer Zugehörigkeit zum Club der Leistungswilligen und Bessergestellten; er bezeugt die employability. Wie alle einschlägigen Untersuchungen zeigen, sind Sport, Fitness und Wellness überwiegend Mittelschichtspraktiken. Rauchen, schlechte Ernährung, Fettleibigkeit etc. sind statistisch Kennzeichen der unteren sozialen Milieus. Soziale Unterschiede nehmen in den Körpern Gestalt an: Den durchtrainierten und gelifteten Körpern einer ganzheitlich entspannten Leisure-Class stehen die Körper einer ökonomisch wie gesundheitlich sichtlich angeschlagenen Loser-Class gegenüber.

Gerade in den turbulenten Mittelagen des sozialen Raumes ringen 'ungleichzeitige' Milieus miteinander. Traditionellen kleinbürgerlichen Formationen, die sich an Familie, Haus und Schrebergarten festklammern, stehen hier "Moderne Performer" (Sinus Sociovision) gegenüber, die demonstrativ mit den Möglichkeiten persönlicher Selbstverwirklichung und -stilisierung experimentieren. In diesen Milieus ist der Körper in einem historisch neuen Ausmaß zum Gegenstand von Selbstgestaltungen geworden. Ein explosionsartig wachsender Markt mit einem breit gefächerten Angebot an Körperimages und Ratgebern reagiert auf steigende Nachfragen und trägt umgekehrt zu deren Produktion bei. Die Akteure können auf der Basis ihres sozialen Geschmacks aus diesem Angebot auswählen und sich in Eigenregie einen erkennbaren körperlichen Stil verleihen. Stil-Ensembles aus Kleidungscodes, Schmuck, Tätowierungen, Piercings, Gesten und Körpermodellierungen schreien nach Aufmerksamkeit. Sie sollen ausdrücken, wohin die Person sozial gehört und welche Lebenseinstellungen sie hat. Die soziale Positionierung und der Ausdruck innerer Haltungen werden vom unbekleideten Körper her aufgebaut und setzen sich in der Kleidung und modischen Accessoires fort. Diese verhüllen den Körper nicht, sondern heben seine Form hervor, unterstreichen seine Muskulatur. Der durch intensives Training in seiner Gestalt veränderte Körper ist zum vielleicht wichtigsten Teil des Subjekts geworden: Er ist die sichtbare "soziale Form der Person".

Paradoxerweise kann sich die Person in dieser Form auch verstecken. Indem sie sich als Bild verkörpert, schafft sie sich ein Schild, das vor völliger Entzifferung schützt. Je stärker die Details der Physiognomie - Waschbrettbauch, asketische Gesichtszüge, coole Gestik - betont und dem prüfenden Blick des Publikums aufgedrängt werden, desto mehr verbirgt sich das Subjekt hinter seiner physischen Maske. Diese ist beides: Ausweis der Anpassung an das marktkonforme Leitbild des "Kapitäns der eigenen Lebensführung" (Ulrich Beck) wie Bollwerk gegen eine vollständige Vereinnahmung. Die Maskeraden körperlicher Selbstgestaltung ersetzen gleichsam die wegbrechenden Grenzen zwischen privat und öffentlich, die den Grundriss der bürgerlichen Gesellschaft in der Vergangenheit ausgezeichnet haben.

Allerdings darf das Bollwerk des trainierten Körpers nicht starr sein. Während der Körper in den Prägeapparaturen der industriellen Moderne durch die Geschwindigkeit des Förderbandes, den rhythmischen Gleichschritt marschierender Kolonnen, das Korsett der Schulbank oder den Zuck und Ruck kollektiver Gymnastik normativ reguliert und auf Dauer gehalten wurde, setzt das neue Leitbild des geschmeidigen Selbst-Managers Experimentierfreudigkeit voraus. Den in die Freiheit des Selbstunternehmertums entlassenen Menschen wird die wache Bereitschaft zu immer neuen Arrangements abverlangt: eine "verlässliche Elastizität, die mit jeder Wendung des Schicksals (...) fertig werden kann". In der aufgezwungenen Suche nach biographischen Lösungen für gesellschaftlich erzeugte Probleme avancieren Elastizität, Mobilität, Kreativität und Fitness zu neuen ideologischen Leitwerten. Da man nie sicher sein kann, ob sich Erwartungen ändern oder diese widerrufen werden, bevor ihnen entsprochen werden konnte, darf man nicht zur Ruhe kommen. Der Einzelne muss sich dauernd ändern und fortwährend auf weitere Änderungen gefasst sein; das neue Prinzip der Herrschaft ist weniger die Unterdrückung als die stetige Überforderung.

Vor allem am nicht-traditionellen Pol der um Distinktion bemühten Mittelschichten ist deshalb eine ausgeprägte Suche nach Körpertechniken zu beobachten, mit denen die Akteure ihre habituellen Prägungen verändern und neue körperliche Haltungen erzeugen und vortragen können. Die Spitze des Eisberges bilden die so genannten Risikosportarten, die seit einiger Zeit mit triumphierendem Getöse ans Licht der Öffentlichkeit drängen. In ihrem bühnenartigen Aufführungscharakter demonstrieren sie den Wunsch, an den Gittern des Gewöhnlichen zu rütteln. Es ist, als gerate der Körper in einen neuen sozialen Aggregatzustand: Er erscheint weder als eine feste und träge Materie, die Dauerhaftigkeit garantiert, noch als starrer Panzer, sondern als eine plastische, modellierbare Masse. Repräsentierte der in Schulen, Fabriken oder Turnsälen disziplinierte Körper das zuverlässige Idealsubjekt des industriellen Zeitalters, so verkörpern die Selbstoptimierungen des Fitnesssports und die riskanten Praktiken des Gleitens, Rollens und Schwebens paradigmatisch den Geist und die Haltung eines neuen, 'flüssigen' Kapitalismus.

Bereits im 18. Jahrhundert lautete die biopolitische Botschaft an die aufgeklärten Bürger, die Harmonie ihrer 'Körpermaschine' durch eigene Regulationsleistungen aufrechtzuerhalten. Das "virtuell revolutionäre Programm der Selbstregierung" (Philipp Sarasin) ist heute durch die neoliberale Ideologie eines unternehmerischen Selbst beschlagnahmt worden, das engagiert und flexibel das Nötige tut, ohne äußerer Anweisungen zu bedürfen. Rhetoriken und Praktiken der Selbstregierung erweisen sich als Dimensionen einer Subjektivierungsform, die den Akteuren zumutet, ihr Selbst aus freien Stücken so zu lenken und zu modellieren, dass es permanent sich wandelnden Erwartungen gerecht wird. Diese Subjektivierungsform ist widersprüchlich. Indem sie am utopischen Potenzial der Selbstregierung teilhat, birgt sie auch die Möglichkeit, das Wissen von sich zu verbessern, aufmerksamer mit sich umzugehen und sich dem neuen Herrschaftsprinzip der Überforderung so weit als möglich zu entziehen.

Fussnoten

Fußnoten

  1. Vgl. Gunter Gebauer u.a., Treue zum Stil, Bielefeld 2004.

  2. http://www.innovations-report.de/html/berichte/studien/bericht-58291.html (2.2. 2007)

  3. Gunter Gebauer, Ausdruck und Einbildung, in: Dietmar Kamper/Christoph Wulf (Hrsg.), Die Wiederkehr des Körpers, Frankfurt/M. 1982, S. 318.

  4. Vgl. Bernd J. Warneken, Der aufrechte Gang, Tübingen 1990.

  5. Michel Foucault, Überwachen und Strafen, Frankfurt/M. 1976, S. 176.

  6. Michel Foucault, Von der Freundschaft als Lebensweise, Berlin 1984, S. 35f.; ders., Technologien des Selbst, Frankfurt/M. 1993, S. 26.

  7. Volker Caysa, Körperutopien, Frankfurt/M.-New York 2003, S. 154; Wilhelm Schmid, Von den Biotechnologien zu den Technologien des Selbst, in: Gerhard Gamm/Gerd Kimmerle (Hrsg.), Wissenschaft und Gesellschaft, Tübingen 1991, S. 130.

  8. Michel Foucault, Der Wille zum Wissen. Sexualität und Wahrheit 1, Frankfurt/M. 1983, S. 117.

  9. Bernd J. Warneken, Bürgerliche Emanzipation und aufrechter Gang, in: Das Argument, 179 (1990), S. 48.

  10. Johann C. F. GutsMuths, Turnbuch für die Söhne des Vaterlandes, Frankfurt/M. 1817, S. 37.

  11. Vgl. Wolfgang Kaschuba, Die Nation als Körper, in: Etienne François u.a. (Hrsg.), Nation und Emotion, Göttingen 1995, S. 291-299.

  12. Vgl. Thomas Etzemüller, Die Romantik des Reißbretts, in: Geschichte und Gesellschaft, (2006) 4, S. 448.

  13. M. Foucault (Anm. 8), S. 161ff.

  14. Vgl. Wolfgang F. Haug, Das historische Syphilis-Paradigma und die Gefahr eines analogen AIDS-Paradigmas der Moral - Vorschläge zur sozial-moralischen AIDS-Folgenabschätzung, in: Deutscher Bundestag (Hrsg.), AIDS: Fakten und Konsequenzen. Endbericht der Enquete-Kommission des 11. Deutschen Bundestages "Gefahren von AIDS und wirksame Wege zu ihrer Eindämmung", Bonn 1990, S. 78 - 89.

  15. Vgl. Philipp Sarasin, Reizbare Maschinen, Frankfurt/M. 2001, S. 324ff.

  16. Vgl. ausführlich Thomas Alkemeyer, Körper, Kult und Politik, Fankfurt/M.-New York 1996.

  17. Vgl. Sven Reichhardt, Gewalt, Körper, Kult, in: Geschichte und Gesellschaft, Sonderheft 2 (2005), S. 205 - 240.

  18. Vgl. Michael Cowan, Imagining the Nation through the Energetic Body, in: Michael Cowan/Kai Marcel Sicks (Hrsg.), Leibhaftige Moderne, Bielefeld 2005, S. 63 - 80.

  19. Wolfgang F. Haug, Faschisierung des Subjekts, Berlin 1986, S. 178.

  20. Silke Wenk, Aufgerichtete weibliche Körper, in: Klaus Behnken/Frank Wagner (Hrsg.), Inszenierung der Macht, Berlin 1987, S. 104.

  21. S. Wenk, ebd., S. 113; Kathrin Hoffmann-Curtius, Die Kampagne "Entartete Kunst", in: Deutsches Institut für Fernstudien an der Universität Tübingen (Hrsg.), Funkkolleg Moderne Kunst. Studienbegleitbrief 9, Weinheim/Basel 1990, S. 61.

  22. Waldemar Hartmann, Die rassischen Grundzüge deutscher Kunst, in: Nationalsozialistische Monatshefte, 4 (1933), S. 228.

  23. Klaus Wolbert, Die Nackten und die Toten des "Dritten Reiches", Gießen 1982, S. 231f.

  24. Vgl. Michel Foucault, Mikrophysik der Macht, Berlin 1976, S.107.

  25. Vgl. Zygmunt Bauman, Politischer Körper und Staatskörper in der flüssig-modernen Konsumentengesellschaft, in: Markus Schroer (Hrsg.), Soziologie des Körpers, Frankfurt/M. 2005, S. 189 - 214.

  26. Johann S. Ach/Arnd Pollmann, no body is perfect, Bielefeld 2006, S. 11.

  27. Gunter Gebauer, Von der Körpertechnologisierung zur Körpershow, in: Volker Caysa (Hrsg.), Sportphilosophie, Leipzig 1997, S. 285.

  28. Vgl. Jürgen Raab/Hans-Georg Soeffner, Körperlichkeit in Interaktionsbeziehungen, in: M. Schroer (Anm. 25), S. 166 - 188.

  29. Hubert Treiber/Heinz Steinert, Die Fabrikation des zuverlässigen Menschen, Münster 2005, S. 15.

Dr. phil., geb. 1955; Professor für "Sport und Gesellschaft" an den Instituten für Sportwissenschaft und Soziologie der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Sprecher der Sektion "Sportphilosophie" in der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft (dvs) und Vorstandsmitglied der Sektion "Soziologie des Körpers und des Sports" in der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS); Institut für Sportwissenschaft, 26111 Oldenburg.
E-Mail: E-Mail Link: thomas.alkemeyer@uni-oldenburg.de