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Übergang in den Arbeitsmarkt: Von der Bildungs- zur Arbeitsmigration

Franziska Barthelt Diana Meschter Friederike Meyer zu Schwabedissen Andreas Pott

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Die Zahl der jungen Menschen, die ein Studium im Ausland absolvieren, ist in den letzten Jahren stetig angestiegen. Auch die Zahl derjenigen, die sich einen temporären oder dauerhaften (Arbeits-)Aufenthalt im Studienland vorstellen können, steigt. Wie in anderen Industriestaaten haben Wirtschaft und Politik in Deutschland aufgrund des Fachkräftemangels im Kontext des demographischen Wandels großes Interesse an diesen internationalen Bildungsmigrantinnen und -migranten und ihrem möglichen Verbleib. Um den Übergang vom Studium in den deutschen Arbeitsmarkt zu erleichtern und zu fördern, sind Informationen und Unterstützungen notwendig, die zielgruppen- und bedarfsspezifisch gut von regionalen Akteursnetzwerken angeboten werden könn(t)en.

Die Masterstudentin Sowmya Alluru und der wissenschaftliche Mitarbeiter Manpreet Sing Bhuie aus Indien kontrollieren eine bedruckte Aluminiumbahn am Institut für Print- und Medientechnik der TU Chemnitz, Juni 2015. (© picture-alliance/dpa)

Viele internationale Studierende können sich schon vor ihrem Studium einen Verbleib in Deutschland vorstellen, bei anderen entsteht und wächst der Wunsch erst während des Studiums. Ein Teil von ihnen kann sich einen temporären Verbleib von fünf bis zehn Jahren vorstellen, um erste Arbeitserfahrungen zu sammeln und anschließend in ihre Heimatländer zurückzukehren. Ein geringerer Anteil möchte von Studienbeginn an auf Dauer in Deutschland bleiben. Manche Studierende können sich auch vorstellen, nach dem Studienabschluss in ein Drittland weiter zu wandern.

Bleibeentscheidung als Prozess

Die Unterschiedlichkeit der Pläne, die Diskrepanz zwischen Plänen und faktischem Verbleib oder faktischer Folgemigration sowie vor allem die Veränderung der Pläne und der sozialen und beruflichen Anschlussmöglichkeiten während des Studiums legen es nahe, die Entscheidung über Verbleib oder Anschlussmobilität nicht als einen punktuellen Entscheidungsakt, sondern als einen Entscheidungs-Prozess aufzufassen. Zeitlich fällt dieser Prozess mit dem Studium und den Monaten nach Studienende zusammen. In der Studien- und der unmittelbar folgenden Post-Studiums-Phase wird die Entscheidung geformt, am Studienort, in der Region oder im Studienland zu bleiben, in ein anderes Land zu wandern oder in das Herkunftsland zurückzugehen. In der Zeit des Studiums in Deutschland und der bis zu 18 Monate nach Studienabschluss, in denen Ausländer, die eine deutsche Hochschule besucht haben, zur Arbeitsplatzsuche im Land bleiben dürfen, wird folglich die Transformation von der Bildungs- zur Arbeitsmigration gestaltet. Erst wer die Prozesshaftigkeit der Bleibeentscheidung anerkennt, wird erfolgversprechende Maßnahmen entwerfen können, diesen Prozess zielgerichtet und positiv zu beeinflussen. Dies erkennen allmählich auch lokale, regionale sowie verschiedene bundesweit ausgerichtete Akteure wie Ausländerbehörden, Unternehmen, Arbeitgeberverbände oder Universitäten. Eine besondere und lange unterschätzte Bedeutung kommt den Universitäten und Fachhochschulen selbst zu. Sind sie sich ihrer zentralen Position im vielschichtigen Übergangskontext bewusst, können sie sich an der Gestaltung des regionalen Berufseinstiegs aktiv und nachhaltig beteiligen.

Universitäten und Fachhochschulen als Mobilitäts- und Integrationsmotoren

Universitäten und Fachhochschulen – zusammengefasst: Hochschulen – fördern grundsätzlich internationale Studierendenmobilität, indem sie Studienplätze anbieten und derart internationale Studierende anziehen. Hochschulen bilden ihre Studierenden aus und produzieren in diesem Sinne zukünftige Hochqualifizierte, die sie bereits während ihres Studiums auf unterschiedliche Weise direkt und indirekt gesellschaftlich integrieren (unter anderem soziale Beziehungen, kulturelles Angebot, Integration in den Wohnungsmarkt, erste Kontakte auf dem Arbeitsmarkt). An den Hochschulen erwerben und erarbeiten sich internationale, degree seeking Studierende nach einem erfolgreich durchlaufenen Studium einen deutschen Hochschulabschluss. Anders als Absolventen ausländischer Hochschulen haben sie somit keine Probleme bei der Interner Link: Anerkennung ihres Studienabschlusses in Deutschland. Die Studierenden lernen während ihres Studiums nicht nur Deutsch im (Universitäts-)Alltag sowie verschiedene kulturelle und regionale Besonderheiten kennen, sondern sie verbringen schlicht auch viel Zeit an ihrer Hochschule und in hochschulspezifischen lokalen Kontexten. Wird diese Zeit für ein intensives Sprachstudium sowie für das Aufbauen sozialer und erster beruflicher Kontakte und Orientierungen in der Region genutzt, kann der Übergang internationaler Studierender in den regionalen Arbeitsmarkt durchaus problemlos gelingen. Die Hochschulen haben die Möglichkeit, durch zielgruppenspezifische Angebote und Programme die Integration ihrer internationalen Studierenden in den regionalen Arbeitsmarkt und damit ihren Verbleib in Deutschland wesentlich zu fördern. Somit können bereits die Rahmenbedingungen des Studiums, die durch die jeweilige Hochschule und die Professorinnen, Professoren und Angestellten dieser Organisation – oft in Zusammenarbeit mit anderen lokalen Akteuren – gestaltet werden, den Grundstein für die Entscheidung legen, ob internationale Studierende sich nach ihrem Studium für einen Verbleib in Deutschland entscheiden.

Wie das Forschungsprojekt "Bildungsmigranten in der Region (BiReg)" exemplarisch für Niedersachsen herausgearbeitet hat, können Hochschul-Akteure wie das International Office (bzw. das Akademische Auslandsamt), das Career Center, das Studentenwerk oder der Gründungsservice der Hochschulen schon während des Studiums erheblichen Einfluss auf eine mögliche Bleibeentscheidung ihrer internationalen Studierenden nehmen.

Sie können internationale Studierende beim Knüpfen von sozialen und beruflichen Kontakten und beim Aufbau einer Identifikation mit dem Studienort und seiner Region unterstützen. Je nach Ausstattung, Internationalisierungsstrategie und Anerkennung des Fachkräftepotenzials ihrer internationalen Studierenden können sie Verschiedenes anbieten und fördern: Im Rahmen von Einführungs- und Orientierungsveranstaltungen können erste Kontakte geknüpft werden, sogenannte Buddy- oder Tandem-Programme erleichtern den Einstieg in Sprache und Alltag, Exkursionen in Städte, Freizeitangebote wie Kochabende oder Sportangebote und die Begleitung bei Behördengängen tragen zur sozialen Integration bei.

Einige Universitäten bieten sogenannte Lotsen-Programme an, in denen sich Ehrenamtliche für die Integration internationaler Studierender engagieren und beispielsweise Übersetzungen oder Unterstützung bei Haus- oder Abschlussarbeiten initiieren. Hilfestellungen für den Berufseinstieg (z.B. Praktikumsvermittlungen oder Bewerbungstrainings) erhalten internationale Studierende theoretisch durch die Career Center. Sie sind jedoch bei weitem nicht an allen Hochschulen zu finden, oftmals personell und finanziell zu schwach ausgestattet und überdies häufig nicht eigens auf die Gruppe der ausländischen Studierenden und ihre spezifischen Bedürfnisse ausgerichtet. Sehr hilfreich, auch wenn nur selten zielgruppenspezifisch angeboten, sind Mentoringprogramme, durch die Studierende, begleitet durch Mentoren, Einblicke in regional vertretene Firmen oder Unternehmen erhalten. Insgesamt bleibt allerdings für individuelle, passgenaue und frühzeitige Beratungen durch die hochschuleigenen Career Center häufig keine Zeit. Generell ist festzustellen, dass sich vor allem Universitäten bis heute nicht für die Phase zwischen Studienabschluss und Berufseinstieg zuständig fühlen. Nur selten und selten systematisch bieten sie ihren (internationalen) Studierenden z.B. vor oder unmittelbar nach Studienabschluss eine Arbeitsmarktberatung an.

Wichtige lokale Akteure, die den Verbleib von internationalen Studierenden beeinflussen können
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Auf der anderen Seite können auch Arbeitsmarktakteure wie die Bundesagentur für Arbeit, die Industrie- und Handelskammern, die Arbeitgeberverbände, die Wirtschaftsförderung und einzelne Unternehmen durch Informationsveranstaltungen, Beratungen, Praktika oder das Ausloben und Mitbetreuen von Abschlussarbeiten die Bleibeentscheidung beeinflussen. Auch die Lokalpolitik sowie Teile der kommunalen Verwaltungen, z.B. die Ausländerbehörden oder die kommunalen Integrationsbeauftragten, stellen bedeutsame Akteure dar, die einen Einfluss auf den Verbleib internationaler Studierender in Deutschland ausüben können, indem sie Arbeits- und Aufenthaltserlaubnisse erteilen bzw. durch spezifische Programme oder die Initiierung von Runden Tischen positiv auf lokale Integrationsstrukturen einwirken (siehe Abb. 2).

Übergangsmanagement in und durch Hochschulregionen

Was in Deutschland jedoch weitgehend fehlt, ist eine systematische und professionelle Zusammenführung all dieser Akteure – ein regionales Übergangsmanagement aus einem Guss. Für eine effektive und zielgruppenspezifische Förderung des Eintritts internationaler Studierender in den regionalen Arbeitsmarkt wäre eine professionelle Koordination der verschiedenen, für den Übergangsprozess wichtigen regionalen Institutionen und Unterstützungsangebote angezeigt. Ein solches Übergangsmanagement, das die Interessen, Blickwinkel und klassischen Verantwortungsbereiche einzelner Akteure überbrückt und nicht nur befristeten Projektcharakter hat, ist erst in einzelnen lokalen Ansätzen zu erkennen. Beispiele zeigen, dass es hilfreich ist, in der Perspektive von Hochschulregionen zu denken und zu handeln. Gerade im regionalen Rahmen können Unterstützungsangebote – vorhandene wie neue – besser gebündelt und Studierende zielgruppenscharf mit den Personalbedarfen und Qualifikationsbedürfnissen regionaler Unternehmen – auch der kleinen und mittelgroßen Unternehmen – zusammengeführt werden.

Zusammenfassend lässt sich festhalten: Trotz des weltweit wie auch in Deutschland zu verzeichnenden Anstiegs der Anzahl internationaler Studierender, eines deutlich wachsenden Interesses an dieser Gruppe sowie sich verändernder Migrationspolitiken bleibt die Bildungsmigration von internationalen Studierenden ein untererforschtes Thema. Internationale wie nationale Vergleichsuntersuchungen können helfen, Vorbilder und Ansätze zu identifizieren, deren Übertragbarkeit auf einzelne Hochschulregionen sodann zu prüfen wäre. So entstehen beispielsweise in Kanada und den Niederlanden gewisse Vorteile für den Übergangsprozess in den Arbeitsmarkt daraus, dass die Unterstützungsangebote der dortigen Hochschulen viel früher als in Deutschland ansetzen und außerdem während des gesamten Studiums verfügbar sind. Zu den offenen Fragen und erst ansatzweise verstandenen Zusammenhängen gehören die Bleibeentscheidungsprozesse der Studierenden, die erfolgreichen und zeitnahen Übergänge in den Arbeitsmarkt, die Handlungsmacht der Hochschulen im Anwerbe- und Übergangskontext sowie die Bedeutung von Gender und familiären Netzwerken für die Transformation der studentischen Bildungs- in hochqualifizierte Arbeitsmigration.

Dieser Text ist Teil des Kurzdossiers Interner Link: Internationale Studierende – aktuelle Entwicklungen und Potentiale der globalen Bildungsmigration.

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