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Redaktion Netzdebatte am 26.01.2015

Editorial: Zukunft der Arbeit

In wenigen Jahren werden wir anders arbeiten, als wir es bisher kennen - das wird unsere Gesellschaft verändern. Netzdebatte begibt sich auf die Suche nach der Zukunft der Arbeit, spricht mit Karriereverweigerern und Workaholics, fragt nach der Rolle von Robotern und wie die Politik eigentlich auf den Wandel reagiert.

Automatisierung, Roboter, Zukunft der ArbeitFür viele bedeutet die Zukunft der Arbeit vor allem eins: Automatisierung. Werden wir bald alle von Robotern ersetzt? Lizenz: cc by-nd/2.0/de (dpa)

Das Internet verändert unsere Arbeitswelt, macht uns flexibler und mobiler. Wir können uns Arbeitszeit- und Ort zunehmend freier einteilen und wählen. Ganz neue Arbeits- und Lebensmodelle entstehen: Selbsternannte Digital-Nomaden leben die vollständige Unabhängigkeit. Klassische Dienstleister/-innen finden zunehmend ihren Weg ins Netz: Putzhilfen, Handwerker/-innen, private Taxifahrer/-innen, aber auch Werbetexter/-innen, Designer/-innen oder Programmierer/-innen konkurrieren auf Plattformen wie Amazons Mechanical Turks oder crowdworker.de um Aufträge. Share-Economy, Crowdwork und Cloudwork: Begriffe, die nach Zukunft klingen, sind in vielen Bereichen längst Realität geworden.

Im neuen Schwerpunkt nimmt Netzdebatte drei sehr unterschiedliche Lebensentwürfe in den Blick, die exemplarisch für die Umbrüche in der Arbeitswelt stehen:

  • Catharina Bruns hat die Arbeit für sich neu definiert: "Work is not a job" ist ihr Motto und der Beruf für sie eine Berufung. Zwischen Freizeit und Arbeitsleben macht sie keinen Unterschied.
  • Patrick Spät hält das gesellschaftliche Verständnis von Arbeit für grundlegend falsch. Neben seiner Tätigkeit als Autor und Journalist zählt er zu den Gründern eines Zentrums für Karriereverweigerung. Veränderung sei durchaus möglich, findet er.
  • Felicitas Hargarten ist Digitalnomadin. Sie verdient ihr Geld als Reisebloggerin und Beraterin. Ihre Wohnung hat sie gekündigt und ist seither regelmäßig auf Achse.


Nicht alles Gold, was glänzt

Viele dieser Trends haben natürlich auch eine Kehrseite: Flexible Arbeitszeiten sind schön, feste Arbeitsverträge aber auch. Zeit- und Leiharbeit, Honorarverträge und befristete Stellen werden immer mehr zur Normalität, eine Festanstellung ist eher die Ausnahme als die Regel. Je mehr Flexibilität möglich ist, desto mehr wird sie auch gefordert. Die zunehmende Vermittlung von Dienstleistungen über das Netz befördert zudem eine teils globale Konkurrenz um Arbeitsaufträge - oft zu fraglichen Konditionen: Stundenlöhne weit unter dem Mindestlohn, Arbeitszeiten weit über der 40-Stunden-Woche. Arbeitsmodelle, die nicht in unsere bisherigen Sozial- und Absicherungssysteme passen.

  • Claudia Pelzer ist Mitgründerin und Vorsitzende des deutschen Crowdworking Verbands. Sie ist überzeugt, dass die neuen Arbeitsmodelle unter den richtigen Bedingungen für mehr Flexibilität und Freiheit in der Gestaltung des Arbeitslebens sorgen werden.
  • Wir haben die Zukunftsforscherin Beate Schulz-Montag getroffen und mit ihr über die Veränderungen gesprochen, die unserer Gesellschaft bevorstehen. Sie ist überzeugt, dass wir noch nicht ernsthaft genug über mögliche Zukunftsszenarien diskutieren
  • Prof. Jan-Marco Leimeister forscht intensiv zu Crowdworking und seiner Bedeutung für den Arbeitsmarkt von morgen. Wir haben mit ihm über Chancen und Risiken der neuen Arbeitsmodelle gesprochen (in Kürze)


Umbrüche

Auch unsere Gesellschaft steht vor großen Herausforderungen: Der demografische Wandel führt dazu, dass in Zukunft zunehmend mehr alte Menschen von immer weniger jungen Arbeitnehmer/-innen versorgt werden müssen. Der Fachkräftemangel nimmt zu, es fehlen Pflegekräfte, Betreuer/-innen, Ingenieure. Auf der anderen Seite kommen fast täglich eine Vielzahl Menschen in unserem Land an. Die Integration dieser Arbeitskräfte ist eine der großen Aufgaben unserer Zeit.

  • Der Risikoforscher Ortwin Renn erforscht seit Jahren gesellschaftliche Ängste. Netzdebatte hat mit ihm über die Folgen von Angst vor der Automatisierung gesprochen.
  • Karl Heinz Brandl ist bei der Gewerkschaft ver.di Leiter des Bereichs "Innovation und Gute Arbeit". Was er und die anderen Gewerkschaften sich unter "guter Arbeit" vorstellen und was wir in Zukunft dafür tun müssen, erklärt er im Interview.
  • Johannes Giesecke ist Professor für empirische Sozialforschung in Berlin und beschäftigt sich u.a. mit den Folgen des demografischen Wandels und der Frage, wie wir in unserer Gesellschaft in Zukunft noch für einander sorgen können.


Beim Blick auf die „Zukunft der Arbeit“ geht es also um viel mehr als Fragen des wie, wo, oder wie lange wir in Zukunft arbeiten werden. Es geht um die aktive Gestaltung von Gesellschaft, um Solidarität, Integration. Genauso ist das Thema aber auch ein ganz persönliches: Was macht für uns ein gutes Leben aus? Wollen wir unseren Beruf zunehmend als Berufung verstehen, oder im Gegenteil, mehr Freiräume schaffen? In drei Reportagen nähert sich Netzdebatte dem Thema ‚Zukunft der Arbeit‘ und sucht dabei nach Antworten auf die oben gestellten Fragen. Wir sprechen mit Expert/-innen, stellen verschiedene Lebensentwürfe vor und hinterfragen die Veränderungen, die gerade in der Gesellschaft und auf dem Arbeitsmarkt stattfinden.


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Kommentare anderer Nutzer

sara | 03.02.2016 um 17:34 [Antworten]

etwas fehlt!

Hallo,
ich finde, zum Thema Zukunft der Arbeit gehoert auch das Nachdenken ueber ein Bedingungsloses Grundeinkommen! Es gibt mittlerweile viele Initiativen und Akteure, die sich ernsthaft damit beschaeftigen, und diese haette man in einem Beitrag auch noch zu Wort kommen lassen koennen! Vielleicht kann das ja noch hinzugefuegt werden :

Horst Schumacher | 04.02.2016 um 12:03 [Antworten]

Zukunft der Arbeit

Wenn die Arbeit in Zukunft noch stärker automatisiert wird, und das ist sehr sicher, ist es zunächst erforderlich, dass jeder einzelne sich darüber intensiv Gedanken macht, welcher Sinn Arbeit machen soll und wie Arbeit zu verstehen ist. Erst wenn diese beiden Aspekte von Arbeit gesellschaftlich einigermaßen geklärt sind, taucht ganz zwangsläufig die Frage auf, in welchem Rahmen diese Arbeit dann stattfinden soll. So wie bisher, kann es mit der völlig aus dem Ruder gelaufenen Bewertung von Arbeitsleistung bestimmt nicht weiter-gehen.

andrea | 04.02.2016 um 23:33 [Antworten]

Wir sind nicht die Einzigsten...

Hallo,

die Frage über die "Zukunft der Arbeit" und der Umgang mit der damit verbundenen Urangst, das eigen Leben nicht finanziert zu bekommen und autonom dieses gestalten zu dürfen, steht schon immer im Focus von Menschen...

Auch in den alten Hochkulturen gab es diese Frage und wurde versucht zu lösen. Heute sagten wir arrogant: "Damals haben die Menschen sich spezialisiert"... die Menschen, als sie sich spezialisieren mussten standen genau so vor der Frage wir wir heute - mit all den elementaren Problemen.

Gibt es hierzu eigentlich wissenschaftliche Untersuchungen oder Übersetzungen von Schriften???


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