Der Berliner Reichstag

35.2. Die deutsch-deutsche Vertragsgemeinschaft

8. November 1989

Bundeskanzler Kohl berichtet im Bundestag über die Lage der Nation. Die Massenflucht aus der DDR führe der ganzen Welt vor Augen, »dass die Teilung unseres Vaterlandes widernatürlich ist, dass Mauer und Stacheldraht auf Dauer keinen Bestand haben können«. Die Bundesregierung halte unverändert an ihrer Zielsetzung fest, die Einheit und Freiheit Deutschlands in freier Selbstbestimmung zu vollenden. Nach Kohls Einschätzung ist eine rasche Wiedervereinigung nicht zu erwarten. »Bewahren wir, so schwer uns - und vor allem auch unseren Landsleuten in der DDR - dies fallen mag, die beharrliche Geduld, auf den Weg evolutionärer Veränderung zu setzen, an dessen Ende die volle Achtung der Menschenrechte und die freie Selbstbestimmung für alle Deutschen stehen müssen.« Diese Auffassung, dass die deutsche Einheit lange auf sich warten lassen werde, ist Opinio communis in der Bundesregierung. Demgegenüber hatten Oppositionspolitiker das Streben nach Wiedervereinigung ganz oder weitgehend aufgegeben, aus den Augen verloren oder als »Lebenslüge« (Willy Brandt) der BRD charakterisiert. Nach dem Fall der Mauer, einen Tag nach seinem Bericht über die Lage der Nation im geteilten Deutschland, setzt Kohl als einer der ersten die Wiedervereinigung auf die Tagesordnung der Politik. (28. 11. 1989)

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