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Editorial

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Robin Siebert

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Jährlich neue Temperaturrekorde, Extremwetter und die weiter schwindende Artenvielfalt zeigen, dass der menschengemachte Klimawandel voranschreitet. Dass die Menschheit ihre natürlichen Lebensgrundlagen zerstört, liegt in einer Wirtschaftsweise begründet, die auf stetem Wachstum auf Grundlage der Verbrennung fossiler Rohstoffe fußt. Darauf wies bereits 1972 der Bericht des Club of Rome zu den "Grenzen des Wachstums" hin. Er legte damit einen Grundstein der Umweltbewegung und stieß neue Wirtschaftskonzepte wie "Green Growth" und "De-Growth" an. Heute ist weitgehend unumstritten, dass es zur Bewältigung ökologischer und sozialer Verwerfungen eine "sozial-ökologische Transformation" braucht.

Weltweit haben sich Regierungen das ursprünglich aktivistische Konzept des "Green New Deal" auf die Fahnen geschrieben, um diese Transformation voranzutreiben. Sie zielen auf den grundlegenden Umbau von Infrastruktur, Lieferketten und Produktionstechniken, also auf eine "grüne" Wirtschaft. Die EU und die USA etwa wollen bis 2050 klimaneutral werden. Damit ist freilich die globale Ungleichheit noch gar nicht angesprochen: Für die Länder des Globalen Südens scheinen Wirtschaftswachstum und damit auch höhere Emissionen unausweichlich zu sein, um Armut und Abhängigkeit zu verringern.

Der Begriff "Green New Deal" verweist auf die Politik des US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt in der Großen Depression der 1930er Jahre. Dieser bewältigte die damalige Krise von Kapitalismus und Demokratie durch den "New Deal" aus starkem Staat und dirigistischer Industriepolitik. Wie viel der Privatsektor zur Lösung der Krise beitragen kann und in welchem Umfang staatliche Eingriffe nötig sind, sind auch heute die zentralen Fragen, zumal die Kosten der heutigen Transformation sozial gerecht verteilt werden müssen.

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