beleuchteter Landschaftspark Duisburg Nord am Abend

Sektion 8 – Soziale Ungleichheit – Was kann die Gesellschaft leisten?

Referentinnen und Referenten der Sektion 8:
Prof. Dr. Christoph Butterwegge, Universität zu Köln
Prof. Dr. Ute Klammer, Universität Duisburg-Essen
Dr. Brigitte Weiffen, Universität von São Paulo, Brasilien
Maxim Nohroudi, Mitgründer und CEO von allryder
Moderation: Dr. Margret Spohn, Migrationssoziologin, Interkulturelle Pädagogin


Das Matthäus-Prinzip



Prof. Dr. Christoph Butterwegge konzentriert sich bei seinem Kurzvortrag auf sozioökonomische Ungleichheiten, auf die Kluft zwischen Armut und Reichtum, die immer größer wird. Laut Butterwegge ist diese Entwicklung kein Naturereignis und kein kollateraler Schaden der Globalisierung – sondern politisch gewollt.
Prof. Dr. Christoph Butterwegge, Universität zu KölnProf. Dr. Christoph Butterwegge, Universität zu Köln (© bpb/Smilla Dankert)
Der Politikwissenschaftler erklärt, den Trend zu erkennen, dass sich der Staat seiner sozialen Verantwortung entzieht. Gefolgt würde dabei dem "neoliberalen Mantra": "Wenn jeder für sich selbst sorgt, ist für alle gesorgt". Wenn die Struktur der Gesellschaft sich weiterhin in diese Richtung entwickelt, bestehe eine ernste Gefahr für die Demokratie. Aktuell würden wir eine Politik nach dem "Matthäus-Prinzip" erleben: Wer hat, dem wird gegeben, wer wenig oder nichts hat, dem wird genommen. Butterwegges Ansicht nach muss der Sozialstaat daher umgestaltet werden. Er plädiert für eine soziale Grundsicherung, die Existenzen auch sichern würde, ganz im Gegensatz zum Arbeitslosengeld II. "Hartz IV", so der Referent, sei ein Verarmungsprogramm. Die Politische Bildung sei gefordert, eine neue Kultur der Solidarität zu vermitteln und eine inklusive Gesellschaft zu fördern. Es sei ihre Aufgabe, die Ursachen des "Auseinanderdriftens" aufzudecken und zu bekämpfen.

Prof. Dr. Christoph Butterwegge im Interview

Anerkennungskultur notwendig



Die Professorin für Sozialpolitik Dr. Ute Klammer von der Universität Duisburg-Essen setzt sich anschließend mit Fragen der Diversität auseinander. Von welcher Diversität reden wir eigentlich? Von ihren klassischen Dimensionen Geschlecht, Alter, Migrationshintergrund, religiöse Orientierung – oder gelten für unterschiedliche Organisationsformen auch unterschiedliche Dimensionen? Anschließend referiert Klammer darüber, dass Menschen oft alte Stereotypen durch neue ersetzen würden. Manchmal setzten wir den Menschen ein Label auf die Stirn, ohne sie wirklich zu kennen. "Spezialprogramme" für Menschen mit Migrationshintergrund sind Klammers Einschätzung nach sinnlos. Man solle mit den Menschen reden, nicht über sie. Vor allem sei eine neue Anerkennungskultur in der Integrationsfrage notwendig. Abschließend pflichtet sie ihrem Vorredner Butterwegge bei: Die heutige Herausforderung politischer Bildung sei die Schaffung einer gemeinsamen Inklusionskultur in der Gesellschaft.

Maxim Nohroudi ist der Gründer des Berliner "civic-tech" Start-Up "allryder". Für ihn sind Menschen an sich "emphatische Wesen". Allein mit dieser Einstellung begegne er bereits dem Problem der sozialen Ungleichheit. Beispiel "Arbeitskultur" in seinem Unternehmen: Sein Start-Up arbeitet an einer Navigations-App, die den Menschen in allen Städten der Welt zur Verfügung stehen soll. In seinem Unternehmen arbeiten 35 Mitarbeiter aus 18 Nationen. Die meisten kommen aus Porto Alegre in Brasilien, denn dort, so Nohroudi, hätten die Universitäten die Themen der Zukunft erkannt und ihre Curricula entsprechend ausgerichtet. Nohroudi erzählt, dass alle seine Mitarbeiter bei der Arbeit ermutigt würden. Ihnen würde zugehört, sie fühlten sich fair behandelt. Wer seine Arbeit gut erledige, könne nach sechs Monaten bereits am Unternehmen beteiligt werden. Woher jemand kommt und welchen Hintergrund er hat, spielt bei dem Berliner Unternehmer keine Rolle.

Dr. Brigitte Weiffen im Interview

Dr. Brigitte Weiffen, Politikwissenschaftlerin und Gastprofessorin an der Universität São Paulo, erklärt zum Abschluss, wie sich die Facetten der Heterogenität auf existierende oder werdende Demokratien auswirkten. Fälle wie die Auflösung des ehemaligen Jugoslawiens wiesen auf identitätsbasierte Konflikte hin. Und auch Einkommensungleichheiten und die ungleiche Konzentration von Machtressourcen in Afrika und Asien würden zeigen, dass junge Demokratien oft instabil seien und voller Konfliktpotenzial. Später kommt Dr. Weiffen auf die Thematik der Rassenquoten in Brasilien zu sprechen, wo die schwarze Bevölkerung in den Universitäten unterrepräsentiert sei.

von Xhentila Bakiaj




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