"Die Sprache der Bundesrepublik Deutschland ist Deutsch"? Deutschzwang oder akzeptierte Vielsprachigkeit

Beschreibung


Seit der Französischen Revolution gilt die Beherrschung der Nationalsprache als eine wichtige Voraussetzung der gleichberechtigten Teilhabe am politischen und gesellschaftlichen Leben. Am 27. Januar 1794 trat im revolutionären Frankreich ein Sprachgesetz in Kraft, demzufolge innerhalb von 10 Tagen nach Verkündigung dieses Gesetzes (!) in alle nicht-französischsprachigen Siedlungen Frankreichs ein Lehrer zu entsenden sei, der allen Schulkindern, aber auch – in der ihnen neben der Arbeit zu Verfügung stehenden Zeit – allen erwachsenen Frauen und Männern die französische Sprache sowie - mit gleicher Intensität - die Erklärung der Menschenrechte und die Gesetze der Republik vermitteln sollte. Die Monolingualität des öffentlichen Lebens wird hiermit zur Norm demokratisch-republikanischer Ordnung erhoben und bis heute beibehalten. Schon im revolutionären Frankreich, in dem nur ca. ein Drittel aller Einwohner Französisch als Muttersprache sprachen, aber auch heute, im Angesicht einer insbesondere durch Migration hervorgerufenen multilingualen Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland erzeugt gerade die Monolingualität des öffentlichen Lebens entweder ungleiche Partizipationschancen oder sprachlichen Akkulturationsdruck. Insofern ist sogar die Forderung, dass auch in der innerfamiliärem Kommunikation von Migrantenfamilien Deutsch gesprochen werden soll, unter Partizipations- und Emanzipationsgesichtspunkten plausibel. Wenn aber (Mutter-)Sprache ein weit über die bloße Kommunikationsebene hinaus wirkendes Element der Identität des Sprechers ist, ist der Zwang zur sprachlichen Akkulturation gleichzeitig eine Aufforderung zum Bruch mit der eigenen Identität, insbesondere, wenn nur auf diesem Wege volle gesellschaftliche Teilhabe erreicht werden kann. Im Workshop sollen nun anhand von historischen und gegenwärtigen Beispielen die Möglichkeiten und Grenzen einer möglichen Multilingualität des öffentlichen Lebens ausgelotet werden.

Veranstalter/Workshopleitung


Ruhr-Kolleg Essen
Dr. Michael Lönz

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