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April 2021

12.04.2021: Prozessbeginn Adolf Eichmann

Am 11.4.1961 beginnt in Israel der Prozess gegen Adolf Eichmann. (© bpb)

11 . Mai 1960, nahe Buenos Aires: In einem Versteck spürt der israelische Geheimdienst Mossad Adolf Eichmann auf. Dort ist er seit den 1950er Jahren unter dem Decknamen Ricardo Klement untergetaucht. Eichmann wird vom israelischen Geheimdienst entführt – denn zu diesem Zeitpunkt besteht kein Auslieferungsabkommen zwischen Argentinien und Israel. 10 Monate nach seiner Festnahme beginnt am 11. April 1961 in Jerusalem der Prozess gegen ihn.

Eichmann gilt als Mit-Organisator der nationalsozialistischen Judenvernichtung. 1932 trat er der NSDAP und der SS bei. Während seines Aufstiegs innerhalb der SS entwickelte er sich zum Spezialisten in der sogenannten Judenfrage: Als Leiter des "Judenreferats IV B 4" im "Reichssicherheitshauptamt" war Eichmann ab Oktober 1939 für die Verfolgung, Vertreibung und Deportation von über fünf Millionen Jüdinnen und Juden mitverantwortlich. Bei der Wannseekonferenz 1942, bei der die sogenannte Endlösung der Judenfrage koordiniert wurde, führte Eichmann Protokoll. Er war es auch, der zum Ende des Krieges die direkte Anordnung gab, die Zahl der Ermordungen in Auschwitz noch einmal zu erhöhen.

Mit Adolf Eichmann stellt Israel erstmals selbst einen Nationalsozialisten vor Gericht. Der zuständige Generalstaatsanwalt erhebt Anklage in fünfzehn Punkten, unter anderem für seine "Verbrechen gegen das jüdische Volk", "Verbrechen gegen die Menschheit", "Kriegsverbrechen" und die "Mitgliedschaft in einer verbrecherischen Organisation".

Eichmann selbst bekennt sich für nicht schuldig. Stattdessen beruft er sich immer wieder darauf, Zitat: "das Werkzeug stärkerer Kräfte" gewesen zu sein, ein einfacher Beamter also, der lediglich seine Befehle ausgeführt habe . Später auftauchende Tonaufnahmen Eichmanns legen jedoch nahe, dass er keinesfalls der unauffällige, einfache Beamte war, für den er sich ausgab. Historiker/-innen gehen davon aus, dass er im Prozess geschickt in verschiedene Rollen geschlüpft sei, um seine eigene Bedeutung und Schuld herunterzuspielen.

Der Prozess, der in Radio und Fernsehen übertragen wird, dauert 120 Tage. Tausende von Dokumenten werden als Beweismaterial vorgelegt; 115 Zeuginnen und Zeugen gehört, darunter 90 Überlebende aus Konzentrationslagern. Sie konfrontieren erstmals eine breite Öffentlichkeit in Israel mit den Gräuel der Shoah. Bisher war der Holocaust in dem jungen israelischen Staat tabuisiert worden. Das ändert sich nun: Der Prozess führt in Israel, aber auch weltweit zu einer stärkeren gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit den NS-Verbrechen – vor allem auch in Deutschland.

Am 15. Dezember 1961 wird Adolf Eichmann in allen Anklagepunkten schuldig gesprochen und zum Tode verurteilt. Das Urteil wird in der Nacht zum 1. Juni 1962 vollstreckt. Eichmann ist bis heute der einzige Mensch, der in Israel zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde.

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30.04.2021



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