Erinnerungsorte

Bildungsstätte/außerschulisches Lernen, Gedenkstein/Mahnmal

Themenweg Hirschhagen

Bild der Gedenkstätte
Am 17. September 1935 wurde der schriftliche Auftrag zum Bau der "Friedland-Werke" (Tarnbezeichnung für das Sprengstoffwerk Hessisch Lichtenau) erteilt, welche in der Zeit von 1936 bis 1945 eine der größten Sprengstoffwerke des "Dritten Reiches" darstellte. Der dichte Wald diente als Tarnung, die Flachdächer wurden begrünt und mit Bäumen bepflanzt; die nahegelegenen Braunkohlebergwerke dienten der Energieversorgung. Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, aber auch jüdische Arbeiterinnen und Arbeiter aus den Konzentrationslagern mussten hier Arbeit verrichten. Im Auftrag der "Gesellschaft zur Verwertung chemischer Erzeugnisse mbH" wurde ein Großteil des produzierten Sprengstoffes vor Ort in Bomben, Minen und Granaten verfüllt oder zu Sprengladungen gepresst. Die Arbeitskräfte beim Bau der Fabrik und in der Produktion setzen sich zunächst aus der umliegenden Bevölkerung zusammen, deutsche Arbeitskräfte meldeten sich freiwillig oder wurden zwangsverpflichtet. Mit steigendem Bedarf wurden zur Sicherstellung der Produktionsmenge Frauen und Männer aus den besetzten Gebieten zwangsrekrutiert. Als 1944 der Arbeitskräftebedarf nicht mehr mit ausländischen Arbeiterinnen und Arbeitern gedeckt werden konnte, wurden auch Strafgefangene und jüdische KZ-Insassen eingesetzt. Die Arbeiterinnen und Arbeiter waren bei dieser lebensgefährlichen Tätigkeit nur unzureichend geschützt. Ein für die Arbeitskräfte eingerichtetes Lager diente von 1944 bis 1945 als Außenlager des Außenkommandos des Konzentrationslagers Buchenwald. Die ursprüngliche Planung wurde später aufgrund des hohen Munitionsbedarfes sukzessive erweitert. Die letzten Anlagenerweiterungen waren noch im Bau, als am 29. März 1945 die Sprengstoffproduktion in Hirschhagen eingestellt wurde.

Nach Kriegsende entwickelten sich aus den Überresten der Sprengstofffabrik vielfältige Nutzungen. Das gesamte Arial wird als Industriegebiet „im Grünen“ genutzt, parallel wurden jedoch auch diverse Gebäude für private Wohnnutzungen umgebaut. Die für die Arbeitskräfte errichteten Lager und Siedlungen sind heute teilweise noch erhalten. Die Struktur des Ortes ist für Besucher jedoch teilweise schwer zu erfassen, da die Gebäude weitläufig im Gelände verteilt sind. Der Themenweg Hirschhagen mit 15 Tafeln ermöglicht eine Orientierung im Gelände des ehemaligen Sprengstoffwerks. Sie verdeutlichen die Entstehungsgeschichte des Ortes und geben einen Einblick, unter welchen Bedingungen die Menschen hier arbeiten und leiden mussten, um die Kriegsmaschinerie in Gang zu halten.

Pädagogisches Angebot
Startpunkt des Themenwegs ist Tafel 1 am Haupteingang des ehemaligen Sprengstoffwerkes in der Dieselstr. 6. In Absprache finden Führungen über den Themenweg statt.

Führungen / Ansprechpartner:
Herr Gerold Kunert
Tel: 05602 / 3587
geroldkunert@t-online.de

Öffnungszeiten
Der Themenweg ist jederzeit frei zugänglich.

Kontakt
Stadt Hessisch Lichtenau
Landgrafenstraße 52
37235 Hessisch Lichtenau
Bundesland Hessen

Tel.: +49 (0)5602 807-0
Fax: +49 (0)5602 807-200

http://www.hessisch-lichtenau.de/kultur-tourismus/themenweg-hirschhagen.html
info@hessisch-lichtenau.de

Lage
Dieselstr. 6
37235 Hessisch Lichtenau



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