Ein Finger vor schwarzem Hintergrund klickt auf das blaue Logo einer Social-Media-App.

8.5.2019 | Von:
Erik Meyer

Presseschau vom 8.5.

Entlarven oder ignorieren?

Tagesschau.de berichtet über eine bedenkliche Dimension der Distribution digitaler Desinformation: "Eine Untersuchung der Social-Media-Analysefirma Alto in Zusammenarbeit mit Reportern von NDR und WDR hat ergeben, dass unter den am häufigsten geteilten Webseiten im Zusammenhang mit politischen Diskussionen im Internet zahlreiche Portale auftauchen, die tendenziös berichten und zum Teil offen Falschnachrichten verbreiten. Diese Webseiten werden teilweise deutlich häufiger verbreitet als klassische Nachrichtenseiten großer Medienhäuser."

tagesschau.de:
Rechte Portale im Netz - Abkehr vom klassischen Journalismus?
"Rechte Portale, die zum Teil gezielt Falschmeldung verbreiten, sind in den Sozialen Medien besonders erfolgreich. Experten befürchten, dass ein Teil der Bevölkerung sich vom klassischen Journalismus abwendet. Von N. Altland, P. Eckstein, L. Kampf, E. Kuch und J. Strozyk, NDR/WDR Rechte Gruppen schaffen sich im Netz zunehmend eine eigene publizistische Öffentlichkeit, indem sie journalistisch fragwürdige Blogs und Portale massenhaft verbreiten."


Diese Erkenntnisse dürften auch Gegenstand einer Diskussionsrunde sein, die heute um 15.00 Uhr auf der Digitalkonferenz re:publica stattfindet:

re:publica 2019
Entlarven oder ignorieren - was müssen die Öffentlich-Rechtlichen gegen Fake News tun? re:publica 2019
Mit Journalist*innen aus Deutschland , der Korrespondentin Ina Ruck aus Moskau und Euch wollen wir darüber diskutieren, was die Öffentlich-Rechtlichen gegen Fake News tun müssen.


Auch in Indien wird aktuell gewählt. Marie Ludwig liefert für die Rheinische Post eine Reportage unter anderem darüber wie dort mit Falschmeldungen umgegangen wird: "Viele Medienunternehmen weltweit berichten bewusst nicht über Fake News, um deren Verbreitung nicht zu fördern. 'Boom' geht einen anderen Weg: In einer TV-Sendung, die sich 'Fact versus Fiction' nennt, informiert das Medienunternehmen täglich live über soziale Medien wie Facebook und die Video-App Periscope über aktuelle Desinformationen."

RP ONLINE
Parlamentswahl : Fake News für 900 Millionen Wähler"
Derzeit findet in Indien die größte Wahl der Welt statt. Doch die Abstimmung wird von einer Flut von Desinformation überrollt. 36 Muslime sollen zwischen Mai 2015 und Dezember 2018 zum Opfer von hinduistischen Lynchmorden geworden sein. So heißt es in einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch.


Ganz im Sinne des diesjährigen re:publica-Mottos "too long; didn’t read" befasst sich ein kurzes Interview, das Justus Kliss vom ARD-Hauptstadtstudio mit einem Experten geführt hat, mit manipulativen Inhalten auf Plattformen:

Wie schlimm die Wahlbeeinflussung in den Sozialen Netzen im EU-Wahlkampf ist – darüber hat @JUSMAKL auf der @Republica mit @SimonHegelich von der @HfPMuenchen gesprochen. #100MeterMit #rp19 #tldr #mcb19 #Europawahl #politicaldatascienceTweet von Bericht aus Berlin (© Screenshot: twitter.com)



Länger hat der Deutschlandfunk auf der re:prublica mit SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil, Journalistin Karolin Schwarz und Luca Hammer unter anderem über die Rolle digitaler Desinformation bei Wahlen diskutiert: "Eine der wichtigsten Fragen im Kampf gegen Desinformation ist laut Klingbeil, wie man Filterblasen im Netz aufbrechen könne: 'Eigentlich müsste man Facebook zwingen, das man auch mal unterschiedliche Meinungen in der Timeline findet'. Social-Media-Analyst Luca Hammer sieht hier jedoch ein Problem bei der Definition von Diversität in der Timeline."

Deutschlandfunk:
Werden die Europawahlen im Netz entschieden?

Über soziale Medien lassen sich politische Botschaften, aber auch Desinformation und Propaganda schnell verbreiten. Inwiefern könnte das die Europawahlen gefährden? Auf der re:publica diskutierte @mediasres mit SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil, Journalistin Karolin Schwarz und Social-Media-Analyst Luca Hammer.


Für das Online-Projekt Coda porträtiert Filip Brokeš den populistischen tschechischen Politiker Tomio Okamura: "Critics say Okamura and his party’s success over a few short years has been supercharged by a carefully crafted media strategy of marginalizing the country’s mainstream media in favor of his own social media channels that amplify fake news, including a strong anti-Brussels message."

A Tokyo-born Czech businessman has built a populist, anti-EU, political juggernaut in PragueTweet von Coda Story (© Screenshot: twitter.com)



Mark Scott berichtet für Politico über einen aktuellen Report der US-Firma SafeGuard Cyber:"With the bloc-wide election on May 23-26, researchers found a vast network of automated social media accounts, allegedly controlled by Russian actors, that foment extremist views by amplifying content produced by the hard-right Alternative for Germany, as well as various supporters of the United Kingdom leaving the EU. The goal of such efforts, according to the analysis, is to amplify divisive issues in European countries to undermine democratic institutions and create domestic tensions in a way that ultimately favors the Russian state."

How Russian-backed social media accounts amplify messages from extremist groups ahead of the European electionTweet von Politico (© Screenshot: twitter.com)



Die Europäische Union verfolgt im Kampf gegen Desinformation einen Aktionsplan und unterhält dazu auch ein eigenes Online-Angebot. Die Braunschweiger Zeitung hat dazu Experten befragt: "André Haller von der Universität Bamberg findet zwar gute Ansätze im Aktionsplan. Insbesondere der Druck auf Facebook habe wohl gewirkt. Er bemängelt jedoch, wie euvsdisinfo.eu ihre Arbeit tut. Zumindest ein Teil der von EU-Seite dort verfassten Texte, die oft russische Propaganda widerlegen sollen, sei keine Aufklärung im besten Sinne. 'Das ist teilweise Regierungs-PR.'

Braunschweigerzeitung
Google, Facebook und Co gehen verstärkt gegen Fake News vor

Kurz vor der Europawahl Ende Mai verstärkt sich die Debatte über Desinformation im Internet. Guter Journalismus sei die Antwort auf Desinformationskampagnen im Netz, sagte Isabelle Sonnenfeld von Google News Lab für Deutschland am Dienstag in Berlin. Google wiederum wolle die Nutzer durch Hinweise darauf sensibilisieren, dass die Informationen womöglich falsch oder Zitate frei erfunden seien.


Die Einschätzung von Quellen und Förderung von Medienkompetenz ist Gegenstand von Materialien, die das Niedersächsische Kultusministerium zum Download anbietet:

Niedersächsischer Bildungsserver
Unterrichtseinheiten des Niedersächsischen Kultusministeriums zu Fake News und Social Bots im digitalen Zeitalter

Fake News, also Fehl- und Desinformationen sind kein neues Phänomen. Falsche Informationen wurden bereits zu früheren Zeiten verwendet, beispielsweise im Krieg zu Propagandazwecken. Heute können Fake News aber mithilfe des Internets leichter verbreitet werden und somit viel mehr Menschen erreichen. Scherznachrichten, Horrormeldungen, betrügerische Nachrichten, Beeinflussung etc.


Gestern trafen in der ARD-Sendung "Wahlarena" die Spitzenkandidaten der Sozialdemokratischen Partei Europas, Frans Timmermans und der Europäischen Volkspartei, Manfred Weber, aufeinander. Folgende Aussage wurde vom WDR-Format "Wahlwatch" geprüft und für wahr befunden:

Klimaschutz war in der ARD #wahlarena ein großes Thema – speziell umweltschädliches Fliegen. Das sei auch noch steuerfrei, sagt 
@ManfredWeber  (CSU). Stimmt das? #wahlwatch hat es gecheckt.Tweet von Aktuelle Stunde (© Screenshot: twitter.com)



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