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Ein Finger vor schwarzem Hintergrund klickt auf das blaue Logo einer Social-Media-App.

21.5.2019 | Von:
Erik Meyer

Presseschau vom 21.5.

Junk News in Europa

Das Oxford Internet Institute (OII) hat eine erste Untersuchung über die Verbreitung sogenannter "Junk News" in sieben Sprachen via Facebook und Twitter im Vorfeld der Europawahl vorgelegt. Ein Ergebnis: "The most successful junk news stories in our data set tend to revolve around populist themes such as anti-immigration and Islamophobic sentiment, with few expressing Euroscepticism or directly mentioning European leaders or parties."

The Computational Propaganda Project
Junk News during the EU Parliamentary Elections

Access to accurate information about politics and electoral processes is critical to the health of democratic systems. With this in mind, this data memo examines the quality and quantity of political news and information that social media users were sharing across seven European languages (English, French, German, Italian, Polish, Spanish, and Swedish) in the


Zum Verständnis, welche Angebote und Inhalte im Fokus der Analyse stehen, siehe hier diverse Dashboards mit aktuellen Einträgen und Angaben zur Methodologie:

Ox
Junk News Aggregator - Daily Image Grid

Welcome to the Junk News Aggregator! We track the distribution of "junk news" on Facebook. Junk news sources deliberately publish misleading, deceptive or incorrect information purporting to be real news about politics, economics or culture. This content includes ideologically extreme, hyper-partisan, or conspiratorial news and information, as well as various forms of propaganda.


Bei Spiegel Online wirft Patrick Beuth einen Blick auf die Erhebung des OII: "Auf Facebook bekommen die Junk-News-Portale für einzelne Posts deutlich mehr Kommentare, Likes und Shares als seriöse Medien - in Deutschland zum Beispiel gut sechsmal so viele. Das sei thematisch bedingt, schreiben die Oxford-Forscher, denn typische Junk News setzten auf billige Klickanreize, emotionale Ansprache und Wut erzeugende Überschriften. Aber weil die etablierten Medien sehr viel mehr Artikel veröffentlichten, erreichten sie in der Summe trotz geringerer Shares deutlich mehr Menschen."

Spiegel Online
Oxford-Studie: Kaum Desinformation zur Europawahl in sozialen Netzwerken

Die Mehrheit der Deutschen geht angeblich davon aus, dass gezielte Falschmeldungen die Europawahl beeinflussen können. "Sehr hoch" oder "eher hoch" sei diese Gefahr, antworteten 71 Prozent der Befragten in einer Untersuchung, die die Beratungsfirma PriceWaterhouseCoopers (PwC) am vergangenen Freitag veröffentlicht hat.


Anfang Mai berichtete unter anderem die Tagesschau über einen problematischen "Einfluss im Netz auf öffentliche Debatten" durch die Dominanz von Beiträgen mit AfD-Bezug. Demgegenüber ist Sebastian Meineck vom Online-Magazin Vice nach einer Auseinandersetzung mit der dem Bericht zugrundeliegenden Studie der Ansicht: "Die Schlussfolgerungen der Tagesschau sind stark vereinfacht und zeichnen ein irreführendes Bild." Hier seine Analyse des Forschungsdesigns und der Folgen für die Interpretation:

Vice
Seltsamer 'Tagesschau'-Bericht: Beherrscht die AfD das halbe Internet?

Bild: Laptop: Pixabay | CC0 || Twitter-Logo: Pixabay | CC0 | Hintergrund: Screenshot, ARD Mediathek || Collage: VICE Wer das Internet nicht nur für die aktuelle Wettervorhersage nutzt, hat es sicher schon mitbekommen: In sozialen Medien sind eine Menge AfD-Fans unterwegs. Aber wie dominant ist die AfD im Netz wirklich?


Barbara Schmidt-Mattern hat für den Deutschlandfunk unter anderem mit Parteien darüber gesprochen, mit welchen Manipulationen sie im Wahlkampf konfrontiert werden. Hier eine Aussage von einer Mitarbeiterin der grünen "Netzfeuerwehr": "Der Klassiker: Jemand nimmt unserer Corporate Design, baut auf der Basis alter Wahlplakate irgendwelche neuen in Photoshop. Er haut irgendwelche Claims drauf – ‚Tod dem weißen deutschen Mann‘ – und dann sieht das so aus, als wäre das ein Grünes Plakat, aber das ist es einfach nicht.'"

Deutschlandfunk
Wahrheit und Fakenews - Wer beeinflusst uns im Europawahlkampf?

Zwischen den Bildschirmen Knabberzeug, Thermoskannen, Ladekabel und schon leicht braune Bananen. Am Schreibtisch hinten links sitzt Hanna Forys und klickt sich durch allerlei Datenbanken. Die 32-Jährige hat reichlich zu tun in diesen Tagen. In der Berliner Wahlkampf-Zentrale der Grünen beobachtet sie Facebook, Twitter und Co.


Der digitalpolitische Verein D64, der der SPD nahesteht, hat ein Positionspapier zum Thema "Politische Kommunikation im digitalen Raum" publiziert. Darin werden auch Forderungen zur Regulierung vertreten wie beispielsweise diese: "Die Betreiber von Plattformen sollen weiterhin dazu verpflichtet sein, Reports über ihre Fortschritte bei der Bekämpfung von Missbrauch ihrer Angebote zu veröffentlichen. Die von Facebook, Google, Twitter, Mozilla und Berufsverbände der Werbebranche veröffentlichten Reports im Rahmen der 'EU Code of Practice against disinformation'-Initiative der Europäischen Kommission müssen auch nach den Europawahlen regelmäßig fortgesetzt werden."

D64
Politische Kommunikation im digitalen Raum - Wie wir das Internet noch besser machen

Der EU-Wahlkampf ist auf der Zielgeraden und wieder stehen die sozialen Medien im Fokus: Twitter sperrt die Accounts von Politiker*innen und Medien, Politiker*innen schalten Werbungen auf allen Kanälen und Parteien unterstützen mit speziell eingerichteten Online-Redaktionen. Kurzum: Das Internet ist längst zum zentralen Platz für die politische Auseinandersetzung geworden - im positiven wie im negativen Sinn.


Nico Schmidt und Daphné Dupont-Nivet berichten bei Buzzfeed News ausführlich darüber, dass die bisherige Regulierung der Plattformen in der EU unter starkem Druck erarbeitet wurde wie auch der Abschlussbericht einer Arbeitsgruppe dokumentiere: "Dass es einen Zusammenhang geben könnte zwischen den Geschäftsmodellen der Plattformen und der Reichweite und Geschwindigkeit von Desinformationskampagnen, das wurde im 44-seitigen Bericht nur einmal erwähnt – in einer Fußnote."

BuzzFeed
Facebook hat offenbar Mitglieder einer EU-Expertengruppe unter Druck gesetzt, die Desinformation bekämpfen sollten

Facebook soll die Arbeit einer hochrangigen Expertengruppe gegen Desinformation behindert haben. Das behaupten vier Experten dieser Arbeitsgruppe in Gesprächen mit Investigate Europe und BuzzFeed News Deutschland. Durch mündliche Drohungen in den Pausen der Verhandlungen soll Facebook Mitglieder der Gruppe davon abgebracht haben, härtere Maßnahmen gegen die zunehmenden Desinformationen im Netz zu entwickeln.


Die britische Monitoring-Initiative "Who Targets Me" verweist auf die aktuelle Untersuchung einer Forschergruppe dazu, dass die Angaben, die etwa Facebook den Nutzern zu ihrer zielgruppenspezifischen Ansprache mit (politischer) Werbung macht, unvollständig seien:

Facebook (and other platforms) don't show the real reasons why you’re being targeted with political ads (their methods may even help campaigns bury their targeting more deeply).
Real transparency would help people better understand modern campaigns.
(link: https://www.thenewsminute.com/article/facebooks-transparency-efforts-hide-key-reasons-showing-ads-101868) thenewsminute.com/article/facebo…Tweet von Who Targets Me (© Screenshot: twitter.com)



Georgeta Toth fasst für die Computerwoche eine Vielzahl von Hinweisen zusammen, mit denen sich Nutzer vor Desinformation im Netz schützen können und gibt zu bedenken: "Dabei führt jedoch nur eine hohe Anzahl an Interaktionen dazu, dass 'Fake News' auch eine hohe Reichweite entfalten und auf diese Weise die Absichten ihrer Verfasser stützen. Deshalb ist es wichtig, Inhalte einem Faktencheck zu unterziehen, bevor man mit dem Post interagiert."

Computerwoche
Europawahl 2019: So schützen Sie sich gegen Fake News

So blockieren Sie Bots und nutzen die Qualitäts- und Transparenzfilter von Facebook und Twitter, um Fake News in den sozialen Medien zu erkennen.


Der Journalist Daniel Funke hat sich angeschaut, wer bei den Initiativen beschäftigt ist, die zum International Factchecking Network gehören und reflektiert in einem ausführlichen Beitrag seine Einsichten zur Geschlechtsspezifik bei den dort Beschäftigten: "According to a Poynter analysis of fact-checking outlets around the world, about 41% of fact-checkers are women. In more than half of the individual organizations analyzed, women made up less than 50% of the editorial staff."

Poynter
Men outnumber women in U.S. newsrooms. It's no different among fact-checkers
.
They debunk fake news stories, fact-check politicians' statements and partner with technology companies to limit the spread of falsehoods. They tell people what's true and what's false on a daily basis. And they ask the public to trust them to make those decisions. But are fact-checking outlets representative of their diverse readers?


Auch Satire wird immer wieder als Desinformation wahrgenommen. Till Eckert vom Recherchezentrum Correctiv klärt deshalb über eine Bildmontage auf, die den Auftritt einer AfD-Politikerin im Ibiza-Video mit Ex-FPÖ-Chef Strache zeigt:

correctiv.org
Nein, Alice Weidel hat nach dem Strache-Video nicht angekündigt, zurückzutreten

Auf der Webseite „Noktara" wird behauptet, AfD-Chefin Weidel trete nach dem Strache-Video zurück. Dazu wurde ihr Gesicht in ein Standbild aus der Aufnahme montiert. Es handelt sich um offensichtliche Satire.


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Tausende externe Mitarbeiter sichten für Facebook, Youtube, Twitter und weitere Social Media Angebote Fotos und Videos. Der Film erzählt von ihrer belastenden Arbeit, bei der sie im Sekundentakt über das Löschen oder Veröffentlichen entscheiden. Die Kriterien und Vorgaben dieser Arbeit sind eines der am besten geschützten Geheimnisse der Internet Giganten. Wer kontrolliert, was wir sehen und was wir denken?

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