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Koffer

1.8.2007 | Von:
James Stewart
Darlene Clark
Paul F. Clark

Einleitung

Überall auf der Welt stecken die Gesundheitssysteme in der Krise [1]. Sowohl in Industrie- als auch in Entwicklungsländern können sie den Bedürfnissen der Bevölkerung nur schwer gerecht werden. Zu den größten Herausforderungen, die an die Gesundheitssysteme gestellt werden, gehört der Mangel an medizinischen Fachkräften.

Durch die Abwerbung von Fachkräften wird weniger wohlhabenden Staaten die Möglichkeit entzogen, eine angemessene medizinische Versorgung ihrer Bürgerinnen und Bürger zu gewährleisten.Durch die Abwerbung von Fachkräften wird weniger wohlhabenden Staaten die Möglichkeit entzogen, eine angemessene medizinische Versorgung ihrer Bürgerinnen und Bürger zu gewährleisten. (© AP)

In den nationalen Gesundheitssystemen der entwickelten Länder treten periodisch Engpässe bei ausgebildetem Pflegepersonal [2] oder bei Ärztinnen und Ärzten auf. In der Regel entsteht diese Unterversorgung einfach dadurch, dass der Bedarf schneller wächst als das Angebot. Dem wird meistens durch zusätzliche Anreize für Arbeitnehmer entgegengesteuert. Im Gegensatz dazu leiden Entwicklungsländer bereits seit langem unter einer anhaltenden Knappheit bei medizinischem Fachpersonal. Dieser Mangel beruht in der Regel auf fehlenden finanziellen Ressourcen für die Ausbildung oder Weiterbildung einer ausreichenden Anzahl von Krankenpflegern, Ärzten oder anderen medizinischen Fachkräften. In den letzten Jahren hat jedoch eine Reihe von demografischen und gesellschaftlichen Veränderungen auch in den Industriestaaten zu einem akuten und dauerhaften Engpass geführt. Durch einen gestiegenen Bedarf bei gleichzeitig sinkendem Angebot fehlt es fast überall auf der Welt an qualifiziertem bzw. staatlich geprüftem Pflegepersonal. Viele Länder sehen sich außerdem mit einem ernst zu nehmenden Mangel an Ärztinnen und Ärzten konfrontiert.

Als Reaktion auf den Fachkräftemangel im Gesundheitsbereich werben die Industrieländer vor allem medizinisches Personal aus Entwicklungsländern an, sowohl zur befristeten als auch zur unbefristeten Anstellung. Zwar verläuft diese Verschiebung von Arbeitskräften zum Teil auch zwischen den Industrieländern, ist jedoch überwiegend weg von den Entwicklungs- und hin zu den Industrieländern zu beobachten. Die Globalisierung des Arbeitsmarktes für Fachkräfte im Gesundheitswesen hat wesentliche Auswirkungen sowohl für den einzelnen niedergelassenen Arzt als auch für ganze Gesundheitssysteme sowie für die jeweils betroffenen Regierungen. Einige dieser Auswirkungen sind durchaus positiv, wie etwa bessere berufliche und persönliche Perspektiven für Pflegekräfte und Mediziner oder die Möglichkeit für Industrieländer, dem medizinischen Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Aber es gibt auch tief greifende negative Folgen: Vor allem weniger wohlhabenden Staaten wird die Möglichkeit entzogen, eine angemessene medizinische Versorgung ihrer Bürgerinnen und Bürger zu gewährleisten [3].

Dieses Kurzdossier stellt zunächst das Ausmaß des weltweiten Fachkräftemangels im Gesundheitssektor sowie einige grundsätzliche Entwicklungen hinsichtlich der Migration von medizinischen Fachkräften dar. Im Anschluss werden die Ursachen und Einflussfaktoren dieser Entwicklung diskutiert, um dann Kosten und Nutzen der Migration dieser Fachkräfte sowohl für die Herkunfts- als auch für die Zielländer zu beleuchten. Abschließend werden einige alternative Strategien aufgezeigt, die sowohl von Herkunfts- als auch von Zielländern eingesetzt werden könnten, um die negativen Folgen in diesem Sektor abzumindern und gleichzeitig Rechte und Bedürfnisse der Hauptbetroffenen – medizinisches Fachpersonal, Industriestaaten und Entwicklungsländer – zum Ausgleich zu bringen.

Fußnoten

1.
Dieser Text basiert auf einem Artikel der Autoren: Clark, P.F., Stewart, J.B. und Clark, D.A. (2006): "The Globalization of the Labour Market for Healthcare Professionals." International Labour Review 145 (1-2): 37-64.
2.
Im Englischen: Registered Nurse. Es handelt sich um Fachkräfte, die ein mehrjäriges Universitäts- oder Fachhochschulstudium abgeschlossen haben, und nicht um an- oder ungelernte Hilfspfleger. Dieser Text bezieht sich ausschließlich auf ausgebildetes Pflegepersonal, auch wenn lediglich von "Pflegekräften" die Rede ist.
3.
Siehe Clark, Stewart und Clark (2006).

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