Koffer

1.8.2007 | Von:
James Stewart
Darlene Clark
Paul F. Clark

Kosten und Nutzen der Mobilität von Fachkräften im Gesundheitswesen

Zielländer

Während alles darauf hindeutet, dass für die Herkunftsländer die Kosten der Emigration den Nutzen überwiegen, sind für die Aufnahmeländer die Vorteile tendenziell größer als die Kosten. Man kann verschiedene Kostenarten für die Länder unterscheiden, die im Gesundheitssektor zugewanderte Arbeitskräfte aufnehmen. Zunächst entstehen Kosten für die Anwerbung. Inwiefern diese Kosten jeweils von Arbeitgebern und Regierungen getragen werden, ist von Land zu Land unterschiedlich, außerdem werden sie eher an Konsumenten und Steuerzahler weitergereicht. Gleiches gilt für die Niederlassungskosten, also zeitweilige Unterstützung der neuen Arbeitskräfte, um ihnen bei der Eingliederung in die neue Gesellschaft zu helfen, etwa durch Mietzuschüsse und Sozialhilfe. Das Anwerbeprogramm im Vereinigten Königreich ist das vermutlich am stärksten systematisierte und am besten koordinierte weltweit. Im staatlichen Gesundheitsdienst (National Health Service, NHS) gibt es ein eigenes Anwerbeprogramm, das einreisewillige medizinische Fachkräfte ausfindig macht. Es verfolgt zwei verschiedene Strategien für unterschiedliche Berufsgruppen: Ärzte werden in der Regel individuell rekrutiert, während Pflegekräfte eher in Gruppen von zehn, zwanzig oder mehr Personen aus einem bestimmten Land angeworben werden. Als Teil des Anwerbeprogramms werden vom NHS Informationen über Arbeitsorte, Unterkunftsmöglichkeiten und Einwanderungsprozeduren veröffentlicht [4].

Einige Kritiker argumentieren, dass die Zuwanderung von hochqualifizierten Fachleuten im Gesundheitswesen die Arbeitsbedingungen von einheimischen Fachkräften verschlechtere. Wenn beispielsweise Arbeitskräfte aus dem Ausland eher bereit sind, Teilzeitstellen oder befristete Verträge anzunehmen, können dadurch Löhne und Arbeitsbedingungen der einheimischen Arbeitskräfte gleichermaßen betroffen sein. Ein negativer Folgeeffekt sind niedrigere Steuereinnahmen aus den Löhnen einheimischer Arbeitskräfte. Obwohl sinkende Löhne zu schwindender Einsatzbereitschaft der einheimischen Arbeitnehmer führen können und die damit verbundenen negativen Auswirkungen auf die Effizienz hauptsächlich für die einzelnen Arbeitsstätten von Bedeutung sind, sollten auch die makro-ökonomischen Konsequenzen nicht übersehen werden. Ferner sollte beispielsweise bedacht werden, dass es auch zu einer Verschlechterung bei der Gesundheitsversorgung im Aufnahmeland kommen kann, wenn zugewanderte Arbeitskräfte kein vollständiger Ersatz für einheimische Arbeitskräfte sind.

Der Nutzen, den Aufnahmeländer aus dem Zustrom von medizinischen Fachkräften erzielen, ist hingegen vielfältig. Geradezu offensichtlich ist der Abbau des Fachkräftemangels im Gesundheitswesen, unter dem einige Industriestaaten leiden. Den Patienten kann eine bessere medizinische Versorgung garantiert werden und Gefahren für die Volksgesundheit durch Unterversorgung werden reduziert. Von sinkenden Gehältern im Gesundheitssektor durch Einstellung von zugewanderten Fachkräften könnten Kunden möglicherweise auch finanziell profitieren, wenn gesunkene Arbeitskosten in Form von sinkenden Preisen oder Steuern weitergereicht werden. Aufnahmeländer profitieren in jedem Fall von Steuern, die von zugewanderten Arbeitskräften gezahlt werden. Darüber hinaus bleiben Kommunen durch die Anwerbung von ausländischen Arbeitskräften im Gesundheitssektor attraktiv für die Ansiedlung neuer Arbeitgeber, womit wiederum positive Auswirkungen auf kommunale Steuereinnahmen zu erwarten sind.

Kosten und Nutzen Herkunfts- und Zielländer
HerkunftsländerZielländer
Kosten
  • Abnehmende Krankenpflegekapazitäten vor Ort
  • Verlust von Investitionen in die Ausbildung von Fachkräften
  • Verlust bei Konsum und Steuereinnahmen
  • Schlechtere Arbeitseinstellung und Leistungsbereitschaft sowie Überforderung beim im Land gebliebenen Personal
  • Anwerbekosten
  • Eingliederungskosten
  • Schlechtere Entlohnung und Arbeitsbedingungen für einheimische Arbeitskräfte
  • Schlechtere Arbeitseinstellung und Leistungsbereitschaft bei einheimischen Arbeitskräften
  • Weniger Steuereinnahmen von einheimischen Arbeitskräften
  • Nutzen
  • Geldsendungen aus dem Ausland (Rücküberweisungen)
  • Erweiterte Qualifikationen bei Rückkehrern
  • Behebung von Angebotsmängeln
  • Verbesserte Krankenversorgung
  • Steuereinnahmen durch ausländische Arbeitskräfte
  • Verbesserte Wettbewerbsfähigkeit von Kommunen
  • Quelle: Darstellung der Autoren

    Fußnoten

    4.
    Siehe PHR (2004).

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