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18.12.2020

Dokumentation: Das Netzwerk "Landesweiter Frauenstreik": Forderungen

Hier der Forderungskatalog des Netzwerkes "Landesweiter Frauenstreik" zu Schwangerschaft und Abtreibung, Sexualerziehung, zur Anti-Gewalt-Konvention, Verbesserung der wirtschaftlichen Situation der Frauen und zu Inklusion und Antidiskriminierung.

Aktivist/-innen des Netzwerkes Frauenstreik protestieren un ter dem Motto "Rechte anstatt Geschenke" in Krakau, 13.12.2020.Aktivist/-innen des Netzwerkes Frauenstreik protestieren un ter dem Motto "Rechte anstatt Geschenke" in Krakau, 13.12.2020. (© picture-alliance, NurPhoto | Artur Widak)

Wir fordern: 1. volle Fortpflanzungsrechte

  • Aufrechterhaltung der Betreuungsstandards rund um die Geburt
  • Zugang zu moderner kostenloser Verhütung und Sterilisation
  • Zugang zu sicheren Schwangerschaftsabbrüchen
  • Zuschüsse zu In-vitro Fertilisation
  • pränatale Untersuchungen der neuesten Generation

2. einen Staat frei von Aberglauben

  • fundierte Sexualerziehung
  • Schulbildung, die den wissenschaftlichen Erkenntnissen entspricht
  • medizinische Betreuung, nicht vatikanische
  • Streichung der sog. "Gewissensklausel"
  • Religionsunterricht in den Kirchengemeinden und auf Kosten der Kirche
  • eine unabhängige Kommission zu Missbrauchsfällen in der Kirche
  • harte Strafen für Täter und für Personen, die Schuld sind am Verbergen von pädophilen Straftaten in der Kirche

3. Inkrafttreten und Anwendung der Anti-Gewalt-Konvention

  • die Verlagerung der öffentlichen Finanzierung: weg von der Kirche hin zu Organisationen, die sich im Kampf gegen Gewalt gegenüber Frauen und gegen häusliche Gewalt einsetzen
  • schonungslose Verfolgung und Bestrafung von Tätern häuslicher Gewalt
  • schonungslose Verfolgung von Vergewaltigern und Umsetzung von Maßnahmen, die eine sekundäre Viktimisierung verhindern
  • Schutz der Opfer und Isolierung der Täter
  • Zusammenarbeit der Regierung mit Nichtregierungsorganisationen bei der Umsetzung der Anti-Gewalt-Konvention
  • Verfolgung von Hasssprache als Quelle von Gewalt

4. Verbesserung der wirtschaftlichen Situation der Frauen

  • eine Rentenabsicherung für die unbezahlte Arbeit der Frauen
  • eine reale Absicherung für Familien mit behinderten Familienmitgliedern
  • die wirksame Einziehung von Unterhaltszahlungen durch den Staat und die Bestrafung von Zahlungsunwilligen
  • die Anhebung der Berechtigungsgrenze für Leistungen aus dem Unterhaltsfonds auf die Höhe des mittleren Einkommens
  • gleiche Löhne unabhängig vom Geschlecht

5. Polen für alle

  • ein Polen, das ein Rechtsstaat ist, in dem es freie Gerichte, freie Wahlen und freie Medien gibt
  • ein Polen, in dem die Menschenrechte für alle gelten, inklusiv Frauen, LGBTQIA+-Personen, Menschen mit Behinderungen, nationale, ethnische und religiöse Minderheiten, Senioren, wirtschaftlich schlechter gestellte Menschen
  • ein Polen, in dem Organisationen illegal sind, die sich auf Faschismus und Nationalsozialismus berufen, und in dem Maßnahmen gegen die Militarisierung der Gesellschaft unternommen werden
  • ein Polen in der Europäischen Union

Übersetzung aus dem Polnischen: Silke Plate

Anm.: Die Anti-Gewalt-Konvention meint die "Istanbul-Konvention", d. h. das "Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt".

Quelle: Strajk kobiet [Frauenstreik]: Postulaty [Forderungen]. http://strajkkobiet.eu/ (abgerufen am 2.12.2020).

Gemeinsam herausgegeben werden die Polen-Analysen von der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen, der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde e.V., dem Deutschen Polen-Institut, dem Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien, dem Leibniz- Institut für Ost- und Südosteuropaforschung und dem Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien (ZOiS) gGmbH. Die bpb veröffentlicht sie als Lizenzausgabe.

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