Audio: Vor 15 Jahren: Atomkatastrophe Fukushima
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ein Seebeben und ein dadurch ausgelöster Tsunami führten vor 15 Jahren in Japan zur schlimmsten Atomkatastrophe seit dem Reaktorunfall im ukrainischen Tschernobyl 1986. Wie kam es dazu – und: Wie ist die Lage in Fukushima heute?
Atomkatastrophe
Leichtere Erdbeben sind in Japan keine Seltenheit, denn das Land liegt im sogenannten Pazifischen Feuerring, wo mehrere tektonische Platten aufeinandertreffen. Mit einer Stärke von 9,0 war das Beben vom 11. März 2011 jedoch eines der stärksten je gemessenen. Es ereignete sich im Meeresboden des Pazifiks knapp 370 Kilometer nordöstlich von Tokio. Der daraus folgende Tsunami richtete gewaltige Zerstörungen an der Küste Japans an – über 19.000 Menschen starben allein durch das Erdbeben und die unmittelbaren Folgen des Tsunami. Im Kernkraftwerk Fukushima Daiichi kam es in der Folge zum katastrophalen Unfall. Die Kühlsysteme kollabierten, Brennstäbe überhitzten – tagelang gelangten radioaktive Stoffe aus den drei zerstörten Reaktoren in Luft, Böden, Nahrungsmittel, Leitungswasser und das Meer in der Umgebung. Der Zwischenfall gehörte zur schwersten Stufe der Internationalen Skala für nukleare und radiologische Ereignisse der Internationalen Atomenergie-Organisation.
Stand heute
Die Folgen der Nuklearkatastrophe sind in der Region um Fukushima bis heute spürbar. Das Sperrgebiet rund um die Atomanlage umfasst noch immer rund 370 Quadratkilometer und darf nur eingeschränkt betreten werden. Die Aufräum- und Sicherungsarbeiten werden voraussichtlich noch bis 2050 andauern. Zentrale Herausforderungen stellen die Bergung des geschmolzenen Brennstoffs sowie der Umgang mit großen Mengen kontaminiertem Kühl- und Grundwasser dar.
Während die Auswirkungen der Atomkatastrophe auf die körperliche Gesundheit nicht ausreichend untersucht wurden, stieg die Rate an psychischen Erkrankungen in der Region an. Mehr als 160.000 Menschen mussten ihr Zuhause verlassen. Nur wenige sind zurückgekehrt.
Folgen
Die Atomkatastrophe löste internationale Diskussionen über die Sicherheit von Nuklearenergie aus. Die EU, Schweiz und Ukraine beschlossen nur vier Tage später einen gemeinsamen Stresstest: Noch im selben Jahr prüften sie ihre Atomkraftwerke auf ihre Robustheit. In Deutschland beschloss der Bundestag unter dem Eindruck des Unfalls in Fukushima, den Ausstieg aus der Atomenergie zu beschleunigen. Die letzten Atomkraftwerke Deutschlands gingen im April 2023 vom Netz. Inzwischen kommt mehr als die Hälfte des Stroms hierzulande aus erneuerbaren Energien. Das ist jedoch mit Unsicherheiten aufgrund von wechselhaften oder saisonalen Wetterbedingungen verbunden, sodass Deutschland auch weiterhin Atomstrom aus dem Ausland importiert. Atomkraft bleibt in der EU ein Diskussions- und Streitthema, nicht nur aufgrund der Energiekrise durch den russischen Angriffskrieg in der Ukraine, sondern auch wegen der umstrittenen EU-Einstufung von Kernkraft als nachhaltige Technologie.
15 Jahre sind seit dem Atomunfall in Fukushima vergangen. Die japanische Politik sendet ein klares Signal und setzt weiter auf Atomkraft: Im Januar hat der Fukushima-Betreiber Tepco den ersten Reaktorblock in Kashiwazaki-Kariwa – der größten Atomanlage der Welt, die 2011 zunächst vom Netz genommen worden war – wieder hochgefahren.