Grafstat Methoden

14.5.2004

9. Text analysieren

Didaktische Hinweise

Die Analyse eines Textes geht über das Verständnis und die Wiedergabe hinaus und fragt nach der Art und Herkunft des Textes und seinen Adressaten sowie nach seinem speziellen Anlass. Die Position des Autors (Zeit- und Interessengebundenheit) soll, auch mit Bezug auf vorhandene Vorkenntnisse, möglichst genau bestimmt und der Text in seiner Intention und in seinem Informationsgehalt insgesamt kritisch gewürdigt werden. Die Textanalyse ist in diesem Sinn als Quellenarbeit/ Quelleninterpretation zu verstehen. Eine umfassende Textanalyse, die sich an der oben beschriebenen Vorgehensweise orientiert, ist um einiges anspruchsvoller als das Beantworten von Fragen zum Text, da der Sinn des Textes von den Schülerinnen und Schülern selbst entschlüsselt werden muss und nicht schon durch entsprechende Fragestellungen angedeutet ist. Dies kann den Schüler/innen schrittweise deutlich gemacht werden.

"Schriftliche, auditive (ebenso bildliche) Quellen besitzen eine spezifische Schwierigkeit für den Erkenntnisprozess: Sie sind nicht nur auf der Ebene wortwörtlicher Rezeption und Wiedergabe zu verstehen, sondern das geschriebene oder gesprochene Wort kann darüber hinaus einen ganz anderen intendierten Sinn enthalten, da ein Verfasser in seiner Standortgebundenheit formuliert, d.h. er ist in der Regel parteiisch und nimmt selektiv wahr (er ist zeitlich und räumlich in seine materiellen und politischen Lebensbedingungen eingebunden). Insofern ist Quellenkritik notwendig, denn Quellen enthalten nicht nur Tatsachen als Informationen, sondern bestimmte subjektiv-persönlich und objektiv-gesellschaftlich widergespiegelte Auffassungen, Deutungen oder Meinungen von Tatsachen oder dementsprechend geprägte Informationen.

Quellenkritische Fragen orientieren sich an Merkmalen wie

  • Entstehungszeit, Art (des Textes), Herkunft (des Autors), Anlass und Intention,
  • Abfassung und Wirkung (einer Rede),
  • Übersetzung, Übersetzungsproblemen (Grenzen und Möglichkeiten ihrer Lösung),
  • Sachkommentar,
  • Erläuterung aller im Text vorkommenden unbekannten Begriffe mit Hilfe von Handwörterbüchern und Nachschlagewerken,
  • Wiedergabe der Quelle (des Inhalts),
  • kritische Würdigung (feststellen, ob das Erkannte vorhandene Sachergebnisse ergänzt, modifiziert oder korrigiert).


  • Einsatzmöglichkeiten


    Die Methode der Textanalyse schließt als komplexeste Form der Textbearbeitung die methodischen Bausteine diesbezüglich ab. Ihr Einsatz empfiehlt sich ab Klasse 10. Selbstverständlich ist die Textanalyse nicht an den hier verwendeten Text gebunden, sondern kann, je nach Vermögen der Lerngruppe, vielfältig eingesetzt werden. Sinnvoll ist es, diese Übung zur Klausurvorbereitung einzusetzen und die Schülerinnen und Schüler Schritt für Schritt an diese Methode heranzuführen (vgl. weitere Methoden zur Textbearbeitung).

    Literatur

    Quelle: Hans-Joachim Kraschewski, Quellenarbeit/ Quelleninterpretation, in: Wolfgang Mickel 1999, S. 418ff.
    Wolfgang W. Mickel (Hrsg.), Handbuch zur politischen Bildung, Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung Band 358, Bonn 1999.

    Zur Quellenkritik des Historikers z.B. Brandt, Ahasver von: Werkzeug des Historikers. Eine Einführung in die historischen Hilfswissenschaften, 15. Aufl., Stuttgart 1998.



    Interview
    Unterrichtsprojekte mit Umfragen

    Forschen mit GrafStat

    Mit GrafStat werden Schülerinnen und Schüler selbst zu Sozialforschern. Das Programm zur Erstellung und Auswertung von selbst erstellten Umfragen greift aktuelle Themen wie Wahlen, Mobbing, Rechtsextremismus oder Fußball und Nationalbewusstsein auf. Lernende können selbst Hypothesen bilden, Daten ihrer eigenen Umfrage erheben und Ergebnisse selbstständig auswerten und interpretieren: ein spannender Einblick in die Meinungsforschung mit überraschende Analysen des eigenen Umfelds.

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