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Ratschläge zur Gestaltung von inklusiven Medien*

Ratschläge zur Gestaltung von inklusiven Medien*

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Wenn unser Alltag immer komplizierter wird, sind einfache Lösungen gefragt. Diese Ratschläge von Tobias Marczinzik geben grundsätzliche Anregungen zur Entwicklung inklusiver Medien. Sie plädieren für das kreative und iterative Vorgehen im Team und sie betrachten Menschen mit Behinderung als Experten in Vereinfachung. Zudem finden Sie vertiefende Links.

Arbeiten Sie mit unterschiedlichen Köpfen zusammen

  • Formulieren Sie eine Fragestellung, die bspw. zu illustrieren ist

  • stellen Sie ein Gestaltungsteam zusammen

  • und definieren Sie einen Zeitrahmen.

Man kann den Gestaltungsprozess auch individuell umsetzen, Sie müssen nicht in der Anwesenheit mehrerer Personen arbeiten. Wenn aber unterschiedliche Köpfe sich mit einer Aufgabe befassen, hat das den Vorteil, dass Ihnen eine Auswahl an Ergebnissen zur Verfügung steht und Sie sich untereinander inspirieren können. Rückmeldungen der Gruppe können direkt in Ihren "Prototypen" einfließen und ihn damit optimieren.

Nach der ersten Session stellen Sie sich gegenseitig Ihre Entwürfe vor und lassen die Gruppe die Arbeiten diskutieren. Nehmen Sie Verbesserungsvorschläge direkt mit auf oder kombinieren Sie mehrere Entwürfe miteinander. Wiederholen Sie diesen Schritt, bis sich für die Gruppe ein einfacher und verständlicher Entwurf herauskristallisiert.

Menschen mit Behinderung als Experten in Vereinfachung


Wenn Sie die Möglichkeit haben, beziehen sie die Zielgruppe in jeder Phase der Entwicklung mit ein. Im PIKSL Labor Düsseldorf erfolgt bereits die Konzeptionsphase unter Einbindung von Menschen mit Lernschwierigkeiten durch eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe bestehend aus Menschen mit Lernschwierigkeiten, Pädagogen, Designern und Textern, so dass im Arbeitsprozess rechtzeitig Barrieren identifiziert und abgebaut werden können.
Eine weitere Möglichkeit ist, nach jeder Session eine externe Referenzgruppe in die Bewertung der Arbeitsergebnisse mit einzubeziehen. So haben Sie eine weitere Prüfungsinstanz für Verständlichkeit.
Ganz wichtig: Es gibt keine schlechten Entwürfe und archivieren Sie Ihre Arbeiten.

Lassen Sie sich inspirieren


Gestalter sind besondere Augentiere. Ihre Aufgabe ist es, die Umwelt unter die Lupe zu nehmen und aus ihren Beobachtungen neue Anforderungen abzuleiten. Dazu gehört auch, sich von der Schaffenskraft der eigenen Zunft inspirieren zu lassen. Sollten Sie kreativen Input für ihre ersten eigenen gestalterischen Schritte benötigen, empfehlen wir den Blick in die Welt der Gestalter für visuelle Identität. Hier finden sie den ersten Einstieg:

Externer Link: http://www.designmadeingermany.de/
Externer Link: https://www.slanted.de/portfolios
Externer Link: http://precore.net/portfolios
Externer Link: https://dasauge.de/

Werfen Sie nichts weg


Gute Ideen landen viel zu schnell im Papierkorb. Egal was Sie kreieren und wie viele Versionen Sie von einer Idee ableiten, gewöhnen Sie sich an, ein Archiv anzulegen. Das hilft Ihnen im Nachgang Ihren eigenen Gestaltungsprozess nachzuvollziehen und Sie haben dadurch die Möglichkeit Zwischenentwürfe und damit verworfene Ideen weiterzuentwickeln.

Gönnen Sie sich Pausen


Ein Gestaltungsprozess stört sich nicht an Meilensteinen, versuchen Sie Gestaltung also nicht linear zu planen, sondern drehen Sie Schleifen zum optimalen Ergebnis, verwerfen Sie Ideen, fangen Sie neu an und legen Sie Pausen ein. Nichts ist kontraproduktiver als Kreation auf Knopfdruck.

Seien Sie unzufrieden


Der erste Entwurf muss nicht immer auch direkt der Passgenaueste oder Verständlichste sein. Wenn Sie unsicher sind, legen Sie den Entwurf in die Schublade und gehen ins Bett. Fangen Sie am nächsten Tag nochmal neu an, dieselbe Fragestellung zu bearbeiten. Danach holen Sie den Entwurf des Vortags aus der Schublade und legen beide Ausführungen nebeneinander. Lassen Sie sich von einer zweiten Person erklären, welcher Entwurf eindeutiger bzw. verständlicher ist und woran die Person das festmacht. Mit dieser Rückmeldung fällt es Ihnen leichter Ihren Favoriten zu finalisieren. Für welchen Entwurf Sie sich auch entscheiden, für beide gilt: archivieren.

Seien Sie experimentierfreudig


Sie müssen kein künstlerisches Talent besitzen um kreativ zu sein. Nutzen Sie die gesamte Bandbreite an Hilfsmitteln für Ihre Gestaltung und kombinieren Sie Methoden und Stile: Drucken Sie mit einer Kartoffel, fotografieren Sie den Druck ab, bearbeiten Sie das Foto digital, drucken Sie es auf einem Tintenstrahldrucker aus, pinseln mit Wasserfarbe darüber und scannen es zum Schluss ein. Sie werden sehen, welche Effekte Sie erzielen können auch ohne eine professionelle Bildbearbeitungssoftware nutzen zu müssen. Besonders in der Vielfalt der Techniken liegt die Stärke von Partizipation. Unterschiedliche Menschen mit verschiedenen Fähigkeiten können auf diese Weise in den Gestaltungsprozess mit einbezogen werden. Das nennen wir Gestalten auf Augenhöhe.

Wenn Sie bspw. über einen Tablet-PC verfügen, können Sie durch das Nachzeichnen von Fotos ganz einfach eigene Illustrationen anfertigen. Eine App die sich dafür eignet ist bspw. Adobe Illustrator Draw.

So behandelt man seine Bilder ohne Photoshop: Laserdruck mit Aceton veredelt Externer Link: http://detailverliebtheit.blogspot.de/2011/03/acetat-transfer-technik.html

Mit pic-collage lassen sich auf mobilen Endgeräten ganz einfach Collagen herstellen
Externer Link: http://pic-collage.com/

Seien Sie mutig


Wir neigen dazu so viele Informationen wie möglich auf engstem Raum unterbringen zu wollen. Aber nicht alles ist gleich wichtig. Überfordern Sie also Ihren Betrachter nicht und versuchen Sie sich auf das Wesentliche zu beschränken. Seien Sie mutig und streichen weg, geben Sie freiem Raum mehr Platz und Dekoration weniger Platz.


⃰*von Tobias Marczinzik, Leiter PIKSL Labor Die Vorschläge lassen sich nach Belieben miteinander kombinieren. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Fussnoten