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10.3.2014 | Von:
Joachim Detjen

Politische Handlungsfähigkeit

1. Ausgangspunkt: Artikel 29 UN-BRK (Teilhabe am politischen und öffentlichen Leben)

Die Vertragsstaaten verpflichten sich, sicherzustellen, dass Menschen mit Behinderungen gleichberechtigt mit anderen wirksam und umfassend am politischen und öffentlichen Leben teilhaben [entweder direktdemokratisch oder durch Repräsentanten] sowie wirksam und umfassend an der Gestaltung der öffentlichen Angelegenheiten mitwirken können [u.a. in Verbänden und Parteien sowie in Organisationen, die die Belange von Menschen mit Behinderungen vertreten].

2. Politische Teilhabe in politikwissenschaftlicher Perspektive

Die Teilhabe am politischen und öffentlichen Leben besteht generell entweder in (passiver) Anteilnahme oder in (aktivem) Handeln. Letzteres ist die eigentliche Teilhabe.

Handeln im öffentlichen Kontext ist entweder soziales Handeln oder politisches Handeln. Soziales Handeln meint soziales Engagement (Förderung des Zusammenhaltes, Unterstützung hilfsbedürftiger Menschen). Politisches Handeln meint die Regelung gemeinsamer Angelegenheiten (Gestaltung des Zusammenlebens, Lösung von Konflikten im Zusammenleben).

Es gibt drei Ebenen politischen Handelns: 1. Mikroebene (Familie, Kleingruppe, Nachbarschaft), 2. Mesoebene (Gemeinde, Region), 3. Makroebene (Land, Staat, internationale Welt).

Die Bürger in einer Demokratie verfügen im Großen und Ganzen über das folgende Spektrum politischer Handlungsmöglichkeiten: 1. Diskutieren, Beraten, Verhandeln, Entscheiden (= Handeln auf der Mikroebene).
2. Zusätzlich Reden, Wählen, Abstimmen, Demonstrieren, Verfassen einer Petition, Verfassen eines Leserbriefes/eines Briefes an einen Politiker/eines Briefes an eine Behörde, organisatorische Tätigkeiten verschiedenster Art im Rahmen einer Bürgerinitiative, einer Partei, eines Interessenverbandes (= Handeln auf der Meso- und Makroebene).

Zweck politischen Handelns von Bürgern ist Partizipation. Handlungsmodus ist weitgehend Kommunikation. Das heißt: Politisches Handeln ist fast immer sprachlich vermitteltes Handeln.

3. Die Förderung politischer Handlungsfähigkeit im Rahmen einer inklusiven politischen Bildung

Die von der politischen Bildung zu fördernde politische Handlungsfähigkeit setzt sich im Wesentlichen aus vier Facetten zusammen. Die beiden ersten Facetten spiegeln das kommunikative Moment wider. Die beiden anderen Facetten bilden den Kern partizipatorischen Tuns.
  • Artikulieren (= eine Position klar formulieren)
  • Argumentieren (= eine Position mit Gründen versehen und sie gegenüber anderen mit Gründen verteidigen)
  • Verhandeln (= eine Forderung aufstellen und ihre Durchsetzung anstreben)
  • Entscheiden (= Handlungsalternativen abwägen und die geeignetste auswählen).
Förderungsmöglichkeiten in der Schule:
  • Reales politisches Handeln ist im schulischen Kontext nur begrenzt möglich.
  • Besser stehen die Chancen für Probehandeln (in Form von Simulationen realen Handelns).
  • Am einfachsten ist das Durchdenken politischen Handelns (in Form abstrakten Erörterns).
Von der Aufgabe ‚inklusive politische Bildung’ ausgehende Herausforderungen:
  • Das die Politik kennzeichnende Sprachhandeln bildet eine große Hürde für inklusive Bildung.
  • Das abstrakte Erörtern politischen Handelns überfordert Menschen mit Beeinträchtigungen.
  • Daher sollte als Maxime gelten: Nicht – theoretisch – über das Handeln sprechen, sondern handeln und dabei – situationsorientiert – sprechen.
Umsetzungsmöglichkeiten in der Schule:
  • Nutzen demokratischer Handlungsräume in der Schule: Beratung gemeinsamer Angelegenheiten im Klassenrat, Wahl von Vertretern im Klassenrahmen.
  • Anwendung handlungsorientierter Methoden im Politikunterricht: Rollenspiel, Planspiel, Projekt.
Grundsätzliche Schwierigkeiten inklusiver politischer Bildung zur Förderung politischer Handlungsfähigkeit:
  • Generell: Unterschiedliche sprachliche Niveaus erschweren kommunikatives politisches Handeln im Klassenrahmen.
  • Beim kommunikativen Handeln ist zu befürchten, dass Lernende mit Beeinträchtigungen von den anderen Lernenden dominiert werden.
  • Problem, ob mithilfe der Leichten Sprache komplexe politische Problemlagen handelnd bewältigt werden können.
  • Keine echte Anwendung der Planspielmethode möglich (Fehlen einer Handlungsgemeinschaft).
Abschlussfrage: Ist inklusive politische Bildung der optimale Weg, die politische Handlungsfähigkeit von Menschen mit Beeinträchtigung zu fördern?


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