Eurokommunismus

Mit dem Begriff E. wurden seit Beginn der 1970er-Jahre Veränderungen in Ideologie, politischer Programmatik und Verhaltensweise kommunistischer Parteien in Westeuropa bezeichnet. Hauptmerkmale des E. waren:

• Erstens die Emanzipation von der KPdSU und der Sowjetunion, deren Führungsanspruch abgelehnt wurde.

• Zweitens die Abkehr von revolutionären Strategien und das Bekenntnis zu demokratischen Grundprinzipien, nämlich Grundrechte, Pluralismus, Parteienwettbewerb und Parlamentarismus. In Fragen der Wirtschaftsordnung wurde die Forderung nach Vergesellschaftung abgeschwächt bzw. aufgegeben und durch das Plädoyer für eine stärkere aktive Rolle des Staates im Wirtschaftsbereich ersetzt.

• Drittens das Infragestellen des auf Lenin zurückgehenden Organisationsprinzips des »demokratischen Zentralismus« und der Übergang zu innerparteilicher Demokratie.

Am konsequentesten erfolgte dieser Wandlungsprozess bei der ital. KP, die die KPdSU (»Entstalinisierung«) und die militärische Intervention der Sowjetunion in Ungarn (1956) und der CSSR (1968) am schärfsten kritisiert hatte und dem europ. Integrationsprozess positiv gegenüberstand; mit neuem Namen (Partei der Demokratischen Linken PDS) gehört sie seit 1992 der Sozialdemokratischen Partei Europas (SPE) an. Die frz. und span. KP sind dagegen dogmatischer geblieben; sie gehören der links von der SPE angesiedelten Parteiformation Europäische Linke (EL) an.

Literatur

  • R. Hrbek: Eurokommunismus und EG, in: H.-G. Wehling/P. Pawelka (Hg.), Eurokommunismus und die Zukunft des Westens, Heidelberg u. a. 1979, S. 167-195.
  • H. Richter/G. Trautmann (Hg.): Eurokommunismus. Ein dritter Weg für Europa?, Hamburg 1979.

Siehe auch:
Europäisches Parlament (EP)

aus: Große Hüttmann / Wehling, Das Europalexikon (3.Auflage), Bonn 2020, Verlag J. H. W. Dietz Nachf. GmbH. Autor des Artikels: R. Hrbek



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