Soroush Abdolkarim

(eigtl. Hosein F. Dabbagh, geb. 1945), iran. Philosoph. S. studierte 1973 – 1979 in England Pharmazie und Philosophie. In den ersten Jahren der Islam. Republik Iran unterstützte S. die revolutionäre Staatsideologie und war Mitglied des «Rates der Kulturrevolution» (bis 1984), der für die vorübergehende Schließung und ideologische Neuausrichtung der Universitäten verantwortlich war. Mit seiner Theorie der «Wandelbarkeit der religiösen Erkenntnis» und dem Ruf nach «Entideologisierung» der Religion wurde S. zum Kritiker der staatstragenden klerikalen Doktrin. Seine philosoph. Konzepte, die mit Fragen nach dem Verhältnis von Religion zu Rationalität, Freiheit und Demokratie in den politischen Raum ausgreifen, entwickelte er unter dem Einfluss moderner westlicher Sozialphilosophen. Seine Zeitschrift Kiyān wurde 1997 verboten. S. gilt als eine führende Figur der Dissidentenbewegung in Iran und lebt überwiegend im Ausland.

Literatur:
Amirpur, K.: Die Entpolitisierung des Islam. ʿAbdolkarīm Sorūšs Denken und Wirken in der Islamischen Republik Iran, 2003. – Ghamari-­Tabrizi, B.: ­Islam and Dissent in Postrevolutionary Iran, 2008. – Jahanbakhsh, F.: Islam, ­Democracy and Religious Modernism in Iran, 2001. – Sorush, A.: Reason, Freedom and Democracy in Islam, hrsg. und übers. von A. u. M. Sadri, 2000. – Sorush, A.: The Expansion of Prophetic Experience, 2009.

Autor/Autorinnen:
PD Dr. Roxane Haag-­Higuchi, Universität Bamberg, Iranistik


Quelle: Elger, Ralf/Friederike Stolleis (Hg.): Kleines Islam-Lexikon. Geschichte - Alltag - Kultur. München: 6., aktualisierte und erweiterte Auflage 2018.



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