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Presseschau vom 7.5.

Presseschau vom 7.5.

Erik Meyer

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Illegitime Kommunikation und Overblocking

Hier ein weiteres Beispiel für eine aktuell kursierende Fälschung im Zusammenhang mit Wahlplakaten, die die Faktenprüfer vom Recherchezentrum Correctiv verifiziert haben:

Externer Link: Tweet von Correctiv (© Screenshot: twitter.com)

Testweise wird Instagram in das Programm für Faktenchecks von Facebook integriert. Daniel Funke hat dazu mit Stephanie Otway, einer Sprecherin der Plattform, ein Interview geführt: "Starting this week, Instagram is sending potentially false posts to the same dashboard that Facebook’s fact-checking partners use to sift through misinformation, Otway said. That way, fact-checkers will have the chance to select, debunk and thereby limit the spread of Instagram-specific hoaxes without changing their workflows."

Externer Link: Poynter
Instagram is reducing the reach of posts debunked by fact-checkers

In an expansion of Facebook's partnership with fact-checking sites around the world, Instagram has started reducing the reach of false posts. When one of Facebook's fact-checking partners, of which...

Im Blog zu einem europäischen Faktencheck-Projekt wird eine Pressekonferenz zum Thema "Desinformation vor der Europawahl – Wie groß ist die Gefahr?" zusammengefasst: "Bots, advertising campaigns, social media platforms and human-controlled accounts posting memes are possible attack platforms. The focus is on the roles of European institutions, issues such as migration, cultural change or financial issues. The instigation of confusion or disagreement is not only a preliminary stage, but also the target of the manipulators."

Externer Link: Tweet von EU Factcheck (© Screenshot: twitter.com)

Welche unterschiedlichen Varianten von Falschmeldungen kursieren generell im Netz? Darauf gibt eine Infografik der Medienkompetenz-Initiative Klickwinkel Auskunft:

Externer Link: Tweet von Fiete Stegers (© Screenshot: twitter.com)

Die Organisation macht auch Weiterbildungsangebote:

Externer Link: Facebook -Eintrag von Klickwinkel (© Screenshot: facebook.com)

Stefan Krempl berichtet über eine Diskussion bei der Digitalkonferenz re:publica. Dort bewertete Simon Hegelich, Professor für politische Datenwissenschaft an der Hochschule für Politik München, die Situation in Deutschland zurückhaltend was die Adressierung von Zielggruppen mit Anzeigen auf Plattformen wie Facebook angeht: "Für gezieltes Microtargeting, das auf besondere Vorlieben der Nutzer anspringt, gebe es hierzulande zudem 'relativ wenig Hinweise', führte der Datenforscher aus. Anzeigen würden zwar auf große demografische Kategorien zugeschnitten, also etwa auf Männer oder Frauen und eventuell noch das Bildungsniveau. Es würden aber nicht gezielt Leute angesprochen, die Coca-Cola und nicht Pepsi kauften."

Externer Link: heise online
Datenforscher: Wir kriegen eine Politik, die zum Algorithmus von Facebook passt

Simon Hegelich, Professor für politische Datenwissenschaft an der Hochschule für Politik München, hat die bisherigen Schritte Facebooks im Kampf gegen Desinformation in Wahlkämpfen als gut, aber unzureichend bezeichnet. Dass der Betreiber des sozialen Netzwerk nun etwa eine Anzeigenbibliothek mit Informationen über Auftraggeber veröffentliche, sei eine "Rettungsaktion" nach der Cambridge-Analytica-Affäre gewesen, "um aus der Schusslinie zu kommen", erklärte er am Montag auf der re:publica in Berlin.

Auch heute gibt es auf der re:publica wieder einschlägige Vorträge. Etwa zu automatisierten und anderen problematischen Profilen auf Plattformen: "Die Erstellung gefälschter oder irreführender Accounts verstößt gegen die Nutzungsregeln von Twitter und Facebook. Online-Diskussionen – gemessen an Likes, Shares und Trends – können durch sie manipuliert werden. In diesem Sinne betreiben sowohl Trolle als auch Social Bots illegitime Kommunikation, die das Bild der öffentlichen Meinung verzerren können. Der Begriff 'illegitime Kommunikation' erleichtert es, relevante Konzepte wie Meinungs- und Informationsfreiheit, Kennzeichnungspflichten bzw. die Manipulation der Öffentlichkeit umfassender zu diskutieren."

Externer Link: Tweet des Weizenbaum-Instituts (© Screenshot: twitter.com)

Einen aktuellen Fall illegitimer Kommunikation meldet Facebook: "We removed 97 Facebook accounts, Pages and Groups that were involved in coordinated inauthentic behavior as part of a network emanating from Russia that focused on Ukraine. The individuals behind this activity operated fake accounts to run Pages and Groups, disseminate their content, and increase engagement, and also to drive people to an off-platform domain that aggregated various web content. They frequently posted about local and political news including topics like the military conflict in Eastern Ukraine, Russian politics, political news in Europe, politics in Ukraine and the Syrian civil war."

Externer Link: Tweet von Alexander Fanta (© Screenshot: twitter.com)

Die taz greift die Sperrung von Twitter-Profilen unter Bezugnahme auf eine "Richtlinie zur Integrität von Wahlen" auf und interviewt Karolin Schwarz, eine Autorin des Dossiers "Digitale Desinformation": "Meiner Meinung nach ist es ein klassischer Fall von 'gut gemeint, aber nicht gut umgesetzt.' Das zeigt sich allein an dem Overblocking, das jetzt schon passiert. Zudem fehlen eindeutig Informationen über die Vorgänge von Twitter, also beispielsweise, wer die Meldeverfahren moderiert."

Externer Link: taz.de
Expertin über Overblocking bei Twitter: „Gut gemeint, schlecht umgesetzt"

Expertin über Overblocking bei Twitter Weil es gegen Desinformation vorgehen will, sperrt Twitter unschuldige Accounts, wie den von Sawsan Chebli. Karolin Schwarz über das, was da schiefläuft. taz: Frau Schwarz, am Sonntag wurde der Twitter-Account der Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli (SPD) über einige Stunden hinweg gesperrt.

Auch Tagesschau.de behandelt dieses Thema. Patrick Gensing und Konstantin Kumpfmüller resümieren: "Das Grundproblem bleibt bestehen, dass private Unternehmen ohne jede Transparenz über zentrale Fragen von demokratischen Gesellschaften entscheiden - beispielsweise über die Grenzen der Meinungsfreiheit. Die digitale Öffentlichkeit diskutiert fast komplett auf den Plattformen von Konzernen - und dementsprechend geben diese durch ihre Algorithmen und Moderationsvorgaben auch den Rahmen vor und definieren, was erlaubt ist und was nicht."

Externer Link: tagesschau.de
Viel Kritik an neuer Twitter-Meldefunktion

Um irreführende Angaben zum Ablauf der Europawahl zu unterbinden, hat Twitter eine neue Meldefunktion aktiviert. Diese sorgt für Kritik, da Konten aus umstrittenen Gründen gesperrt wurden. Von Patrick Gensing und Konstantin Kumpfmüller, ARD-faktenfinder Vor der Europawahl wächst der Druck auf die sozialen Netzwerke. Vor allem Facebook und Twitter stehen unter öffentlichen Beobachtung.

Fussnoten

ist Politikwissenschaftler und arbeitet als freier Journalist und Dozent zur Digitalisierung in Politik, Pop und Erinnerungskultur. Er ist Autor von „Zwischen Partizipation und Plattformisierung: Politische Kommunikation in der digitalen Gesellschaft“ (2019)