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Presseschau vom 22.5.

Presseschau vom 22.5.

Erik Meyer

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Neue Nachrichtenwächter

Marcel Kolvenbach berichtet bei Tagesschau.de über einen Report, den die Organisation Avaaz vorgelegt hat: Durch Fake-Profile wurde demnach auch in Deutschland Desinformation verbreitet. Das Vorgehen Facebooks reicht den Aktivisten nicht: "Avaaz kritisiert das reine Löschen als unzureichend und forderte von den Anbietern, falsche Nachrichten richtigzustellen. Zwar habe Facebook 'schnell auf unsere Untersuchung reagiert und diese Netzwerke geschlossen', das sei aber nicht ausreichend. Facebook solle vielmehr 'sicherstellen, dass jeder, der diese Desinformation gesehen hat, unverzüglich eine Richtigstellung erhält, und verhindern, dass seine Algorithmen dieses Gift aktiv verbreiten', so die Organisation."

Externer Link: tagesschau.de
Desinformation: Facebook sperrt Hunderte Fake-Profile

Im Vorfeld der Europawahl hat die NGO Avaaz Fake-Profile auf Facebook identifiziert, die millionenfach aufgerufen wurden. Facebook reagierte mit Abschaltung - betroffen ist auch die AfD. Von Marcel Kolvenbach, SWR Wenige Tage vor der Europawahl veröffentlicht die Nichtregierungsorganisation Avaaz eine Studie, die belegt, dass über zahlreiche Fake-Profile bei Facebook gezielt Desinformationen verbreitet worden sind.

In einem Interview mit der Welt äußert sich der EU-Sicherheitskommissar, Julian King, unter anderem zu den Bemühungen der Plattformen, eine manipulative Einflussnahme auf die Meinungsbildung zu verhindern: "Aufgrund der Debatten in Europa und in den USA haben sie verstanden, dass es für ihre Reputation sehr schlecht wäre, wenn sie nicht aktiv werden und das Risiko politischer Desinformation rund um Wahlen ernst nehmen. Wir haben das denen nicht aufgezwungen, es war ihre Erkenntnis. Aber wir haben angekündigt, dass wir sie dafür in die Verantwortung nehmen."

Externer Link: Die Welt
EU warnt vor Einmischung bei Wahl: „Russland ist bereits auffällig geworden"

Politik Russlands Einfluss auf EU-Wahl Der EU-Sicherheitskommissar, Julian King, sieht kurz vor der Europawahl die Gefahr einer Einflussnahme aus dem Ausland. „Russland ist da bereits auffällig geworden", sagte King im Interview mit WELT. Cyberattacken staatlicher Akteure möchte King künftig härter bestrafen. Freitagmorgen kommt Julian King durch den Türrahmen seines Berliner Büros geschossen.

In der Diskussion um die Bekämpfung von Desinformation wird von den Plattformen häufig erwartet, dass sie die Verbreitung irreführender oder anderweitig problematischer Inhalte unterbinden. Doch es gibt auch eine "dunkle Seite" der "content moderation". Diesem Phänomen widmet sich nun ein Online-Angebot der Electronic Frontier Foundation aus den USA, das die Folgen etwa von fragwürdigen Kontensperrungen beispielhaft dokumentiert.

Externer Link: Electronic Frontier Foundation
TOSsed Out

We've been tracking the impact of social media content takedowns and account deactivations for many years. TOSsed Out highlights the various ways in which Terms of Service (TOS) and other speech moderation rules are unevenly enforced, with little to no transparency, against a wide spectrum of...

Ein Browser-Plugin um Nutzer mit Hintergrundinformationen zu den Anbietern von Inhalten zu versorgen, bietet das US-Startup NewsGuard nun auch in Deutschland an: "90 Prozent des Online-Nachrichten- und Informationsvolumens möchten die Verantwortlichen in den jeweiligen Ländern, in denen sie tätig sind, in Form von Mediensteckbriefen überprüfen. In Deutschland sind es zum Start etwa 70 Prozent, Ende Juni will das Team dann die anvisierte Zielmarke erreicht haben. Hierzulande handelt es sich dabei um etwa 150 Nachrichtenseiten." Thomas Borgböhmer erklärt bei Meedia.de wie die Bewertung der Glaubwürdigkeit vorgenommen wird:

Externer Link: Meedia
NewsGuard startet in Deutschland: Das müssen Publisher über das Anti-Fake-News-Tool wissen

Der Zeitpunkt so kurz vor den Europawahlen ist günstig gewählt, wird doch fast täglich vor Desinformation gewarnt: Seit Dienstag steht das Anti-Fake-News-Tool NewsGuard auch deutschen Nutzern zur Verfügung. Wie bewertet der Service Nachrichtenseiten? Und wann fällt eine Webseite durch? Die wichtigsten Antworten im Überblick.

Eine Recherche zu Facebooks Einfluss auf eine Expertengruppe der EU, die gestern publiziert wurde, ruft Reaktionen hervor. Hier äußert sich der bei den Beratungen für das International Factchecking Networking anwesende Alexios Mantzarlis:

Externer Link: Tweet von Alexios Mantzarlis (© Screenshot: twitter.com)

Auch Lisa Hegemann hat die aktuelle Studie des Oxford Internet Institute gelesen und referiert bei Zeit Online einige Kritikpunkte daran: "Die Studie misst lediglich Anzahl und Verbreitung falscher Informationen in sozialen Netzwerken – nicht aber, welche Wirkungen sie darüber hinaus entfalten, etwa mündlich oder über WhatsApp. Und wie so viele Studien beleuchtet auch diese ausführlich Twitter, mutmaßlich weil es einfach ist, dort Daten zu erheben. Zumindest in Deutschland nutzen aber verhältnismäßig wenig Menschen diesen Dienst, sodass die Aussagekraft einer solchen Untersuchung begrenzt ist."

Externer Link: zeit.de
Soziale Netzwerke: Ihr verbreitet ja kaum Lügen!

Könnten Desinformationen und Falschnachrichten die Europawahl beeinflussen? Die Sorge vor solchen Lügen und Manipulationen war in der Europäischen Union groß - so groß, dass die EU-Kommission im Dezember 2018 einen Aktionsplan vorstellte: Falsche Meldungen wollte sie mithilfe von Faktencheckern frühzeitig erkennen, soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter sollten sich ebenfalls engagieren und Kampagnen frühzeitig stoppen.

In der Columbia Journalism Review porträtiert Mathew Ingram eine Expertin für die Rolle der Massenmedien bei der Amplifikation von digitaler Desinformation: "Donovan’s research looks at how trolls and others - whether they are government-backed or freelance - can use techniques including 'social engineering' (lying to or manipulating someone to achieve a specific outcome) and low-level hacking to persuade journalists and news outlets of the newsworthiness of a specific campaign. 'Once that story gets picked up by a reputable outlet, it’s game time,' she says. Donovan and other misinformation experts warned that the Christchurch shooter’s massive essay about his alleged justification for the incident in April was clearly designed to get as much media attention as possible, by playing on certain themes and popular topics, and they advised media outlets not to play into this strategy by quoting from it."

Externer Link: Columbia Journalism Review
Media can help fight misinformation, says Harvard's Joan Donovan

Thanks to globe-spanning social platforms like Facebook, YouTube, and Twitter, misinformation (any wrong information) and disinformation (intentional misinformation like propaganda) have never been able to spread so rapidly or so far, powered by algorithms and automated filters. But misinformation expert Joan Donovan, who runs the Technology and Social Change Research Project at Harvard's Shorenstein Center, [...]

Einige einschlägige Daten zur Mediennutzung in Mitgliedsstaaten der EU präsentiert das Reuters News Institute:

In Wien hat Anne Burkhard einen Vortrag zum Thema "Beiträge und Grenzen philosophischer Bildung im Umgang mit ‚Fake News‘" gehalten. Lisa Nimmervoll hat die Kölner Juniorprofessorin für den Standard dazu befragt und unter anderem folgende Antwort erhalten: "Philosophieunterricht kann gezielt erkenntnistheoretische Dimensionen des Phänomens beleuchten, etwa: Welche Bedeutung hat das Zeugnis anderer für unseren Wissenserwerb? Welche Faktoren spielen eine Rolle dafür, dass wir anderen Vertrauen schenken können? Wann sind Skepsis oder Urteilsenthaltung angebracht, wann wären sie unvernünftig und sogar gefährlich?"

Externer Link: derstandard.at
Philosophin: "Naive Skepsis ist nicht besser als naives Vertrauen"

Fake-News werden nicht nur von von US-Präsident Donald Trump als beliebtes Killerargument gegen unliebsame Wahrheiten ins Feld geführt, sondern sind auch reale Faktoren im öffentlichen Diskurs, aber auch in Wahlkämpfen, die damit manipuliert werden. Die Wahrheit ist also von mehreren Seiten unter Druck. Damit umzugehen, ist vor allem für junge Menschen eine große Herausforderung.

Gestern sendete das ZDF eine Diskussion mit deutschen Spitzenkandidaten für die Europawahl. Einige kontroverse Aussagen wurden im Anschluss überprüft und von der Redaktion kommentiert. Dabei geht es auch um korrekte Formulierungen wie bei der Kandidatin der Linken: "Demirel sagte, in keinem Mitgliedsstaat der europäischen Union dürfte jemand, der keine Arbeit hat, ein Existenzminimum von unterhalb 60 Prozent. In Deutschland seien das 1.050 Euro. Diese Aussage ist nur zum Teil richtig. Hier gilt es, nicht das Existenzminimum mit der Armutsgefährdungsgrenze zu verwechseln."

Externer Link: ZDF
Wie geht's Europa?: Die Politikeraussagen im ZDFcheck19

Nach der Doku "Wie geht's, Europa?" diskutieren die deutschen EU-Spitzenkandidaten im ZDF. Die Aussagen der Politiker im ZDFcheck19. Das erste Duell des Abends lieferten sich die Spitzenkandidatin der Linken Özlem Demirel und Nicola Beer von der FDP zum Themenkomplex Sozialpolitik und Arbeitsmarkt.

Fussnoten

ist Politikwissenschaftler und arbeitet als freier Journalist und Dozent zur Digitalisierung in Politik, Pop und Erinnerungskultur. Er ist Autor von „Zwischen Partizipation und Plattformisierung: Politische Kommunikation in der digitalen Gesellschaft“ (2019)