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Schlussfolgerungen

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Jessica Guth

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Ein besseres Verständnis der Probleme, mit denen sich Wissenschaftler auseinandersetzen, kann für politische Entscheidungen nützlich sein, um Vorteile im gegenwärtigen Kampf um Fachkräfte zu erlangen.

Die vorangehenden Diskussionen haben die vielschichtigen und komplexen Faktoren deutlich gemacht, die Mobilität von Nachwuchswissenschaftlern gestalten und beeinflussen. Ein besseres Verständnis der Probleme, mit denen sich Wissenschaftler auseinandersetzen, kann für politische Entscheidungen nützlich sein, um Vorteile im gegenwärtigen Kampf um Fachkräfte zu erlangen. Hierbei muss man die Aufmerksamkeit sowohl auf die gesetzlichen Rahmenbedingungen als auch auf die Mobilitätsauslöser wie Netzwerke, Studium im Ausland, Stipendienprogramme und Familie legen.

In Hinblick auf den rechtlichen Rahmen, der in Deutschland gilt, ist das Ergebnis des §19 des Aufenthaltsgesetzes für hochqualifizierte Arbeitskräfte bisher relativ bescheiden. In Folge einer Gesetzesevaluierung ist vorgeschlagen worden, die Höhe des Gehaltes, das in §19 ein Kriterium für die Einstufung einer Person als Hochqualifizierter darstellt, für Personen unterhalb einer gewissen Altersgrenze abzusenken. Ob eine solche Änderung dazu führen würde, dass Nachwuchswissenschaftler stärker von §19 Gebrauch machen, lässt sich schlecht vorhersagen und wäre wahrscheinlich von der Höhe der neuen Gehaltsgrenze abhängig. Trotzdem bliebe in diesem Gesetz immer noch das Problem der vagen Definition von "speziellen Fähigkeiten und Wissen." Die gegenwärtige Formulierung lässt den Schluss zu, dass hiermit eher die anerkannten erfahrenen Wissenschaftler als die aufstrebenden Stars der Forschung gemeint sind. Demgemäß sollte jede Reform des Gesetzes prüfen, ob tatsächlich nur erfahrene Wissenschaftler einen wertvollen Beitrag für Deutschlands Wissenschaftsbetrieb leisten können.

Die Untersuchung hat gezeigt, dass über die rechtlichen Rahmenbedingungen hinaus die Mobilitätsauslöser beachtet werden müssen, mit anderen Worten die Umstände, die zu Mobilität führen. Angesichts der in diesem Kurzdossier behandelten Mobilitätsauslöser scheint klar zu sein, dass es die Organisationskanäle, die Wissenschaftler für Mobilität nutzen, stärken würde, wenn man Netzwerke und internationale Zusammenarbeit fördern und in Mobilitätsprogramme von der Stufe des Erststudiums aufwärts investieren würde. Bildungspolitische Maßnahmen wie die Einführung von englischsprachigen Seminaren und die aus dem Bologna-Prozess resultierende gegenwärtige Hochschulreform erhöhen bereits jetzt Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit im Kampf um talentierte Studenten im Grund- und Hauptstudium. Weitere Investitionen in Stipendienprogramme, wachsende Vermarktung nationaler und europäischer Mobilitäts- sowie entsprechende Finanzierungsmaßnahmen sollten ebenfalls ganz oben auf der politischen Agenda stehen. Zuletzt dürfen bei der Politikgestaltung auch die persönlichen Auslöser nicht ignoriert werden. Insbesondere die Auswirkungen von Doppelkarriere-Partnerschaften auf Mobilität sollten berücksichtigt werden. Erste Schritte hat die DFG unternommen, indem sie 2003 eine Konferenz über Doppelkarriere-Paare veranstaltete. Hier gelangte man zu der Erkenntnis, dass derzeit keine Universität in Deutschland eine offizielle Politik gegenüber Doppelkarriere-Paaren einnimmt. Mögliche Lösungen wurden auf der Basis internationaler Beispiele in Betracht gezogen, wie etwa die Strategie an US-Instituten, auch Ehepartner eine Anstellung zu verschaffen, oder das "Dual Career Advice-Büro" der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich . Über einige dieser Aspekte wird nunmehr in Deutschland diskutiert, doch es fehlt an konkreten politischen Empfehlungen. Anstöße wie "Dual Career Advice-Büros" an Universitäten oder Forschungsinstituten und die finanzielle Förderung beider Partner in Doppelkarriere-Forschungsstipendien sollten eingehender geprüft werden.

Weitere Untersuchungen sind nötig, um genauer zu verstehen, wie Wissenschaftler und ihre Familien ihre Entscheidungen für Mobilität treffen und umsetzen. Der Prozess ist komplex und Wissenschaftler erhalten häufig von außen Anstöße, irgendwo hinzugehen, anstatt ihr Zielland aktiv zu wählen. Damit Deutschland im Ringen um die Fachkräfte vorankommt und für Nachwuchswissenschaftler attraktiv wird, ist eine Politik nötig, die diese Mobilitätsauslöser – sowohl die wissenschaftlichen als auch die persönlichen – zu Gunsten Deutschlands lenkt.

Fussnoten

Fußnoten

  1. Der Bologna-Prozess ist eine zwischenstaatliche Initiative zur Schaffung eines Europäischen Hochschulraumes bis 2010. 45 Staaten unterzeichneten die Erklärung. Die Initiative wird außerhalb der offiziellen Federführung der Europäischen Union durchgeführt. Entscheidungen zum Prozess treffen alle teilnehmenden Staaten einvernehmlich. Mehr Information und die speziellen Vorgehensweisen gibt es unter Externer Link: http://www.dfes.gov.uk/bologna/.

  2. Siehe die Dual Career Advice-Seite auf der Webseite der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich: Externer Link: http://www.dca.ethz.ch/.

Jessica Guth ist Forschungsstipendiatin und Doktorandin am Zentrum für Rechts- und Politikwissenschaften in Europa an der University of Leeds. Außerdem war sie T.H. Marshall-Stipendiatin 2006 an der London School of Economics und verbrachte ihr sechsmonatiges Stipendium bei der Migration Research Group (MRG), Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut (HWWI).