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Arbeitsgruppe 3: Konstruktion oder Dekonstruktion von Geschichtsbildern?

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Arbeitsgruppe 3: Konstruktion oder Dekonstruktion von Geschichtsbildern? Zum Umgang mit tradierten Erinnerungselementen, (populär)kulturellen Prägungen und medial vermittelten Stereotypen im Geschichtsunterricht

Jana Ehret / Nico Löffler

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Bilder von historischen Ereignissen speisen sich aus verschiedenen Quellen wie Filmen, Fernsehdokumentationen, Computerspielen, aber auch familiären Narrationen. Auf sie treffen der historisch-politische Unterricht in der Schule und die Bildungsarbeit in Gedenkstätten. Zusammen mit Dr. Juliane Brauer und Dr. Felicitas Macgilchrist gingen die Teilnehmenden dieser Arbeitsgruppe der Frage nach, welche Rolle Kontroversität für die Konstruktion und Dekonstruktion von Geschichtsbildern hat.

Interner Link: Thesenpapier Juliane Brauer

Workshop: Konstruktion und Dekonstruktion von Geschichtsbildern: Dr. Felicitas Macgilchrist und Dr. Juliane Brauer (© Mareike Bier)

Schülerinnen und Schüler sind mit zahlreichen Deutungsangeboten zum Nationalsozialismus konfrontiert, die sie sich bewusst und/oder unbewusst in sozialen und kommunikativen Prozessen aneignen. Macgilchrist beschreibt es als Aufgabe historischen Lernens, diese Angebote zu konstruieren und dekonstruieren. Auf diese Weise könne man Jugendliche befähigen, eigene und reflektierte Geschichtsbilder zusammenzustellen und zu entwerfen.

Im Schulunterricht, so argumentiert Macgilchrist, werden die bereits vorhandenen Geschichtsbilder der Schülerinnen und Schüler allerdings noch nicht ernst genommen und daher auch nicht produktiv für historisches Lernen genutzt. Dabei könnten die Geschichtsbilder der Jugendlichen fruchtbare Irritationen sein. Um sich Geschichte multiperspektivisch zu nähern, bedürfe es nämlich der Kontroversität, die den unterschiedlichen Geschichtsbildern innewohnt. Mit diesen Bildern zu arbeiten, sei aber auch eine didaktische Herausforderung und benötige Raum und Zeit, die das aktuelle System Schule leider häufig nicht gewährt.

Brauers Ausführungen zufolge ist auch in Gedenkstätten eine ergebnisoffene Konstruktion und Dekonstruktion von Geschichtsbildern erschwert. Der öffentliche Anspruch an die dortige pädagogische Arbeit sei, sowohl historische Bildung als auch moralische Erziehung zu sein. Doch Brauer warnt, dass sich letztere Erwartungshaltung in Form emotionaler Überwältigung der Schülerinnen und Schüler niederschlagen kann. In diesem Punkt bezieht sie sich auf die Worte von Knigge: "Weinen bildet nicht". Emotionalität könne nur ein Anfang sein, an dem weitergearbeitet werden müsse – letztlich basiere historisches Lernen nicht auf falscher Betroffenheit, sondern auf Aufklärung.

Ausgangspunkt der Diskussion der Teilnehmenden ist ein YouTube Video, in dem Jugendliche ihren Besuch in einer Gedenkstätte festhalten und verarbeiten. Die Jugendlichen setzen sich "eigen-sinnig" zur Geschichte des Ortes in Beziehung. Der Verzicht auf vorgegebene emotionale Choreographien zugunsten von mehr Raum für individuelle, kreative Aufarbeitung dieser Art wird von den Teilnehmenden begrüßt. Kontrovers diskutiert wird die Frage, inwiefern "falsche" Geschichtsbilder der Jugendlichen korrigiert werden müssen. In diesem Kontext wird die Notwenigkeit unterstrichen, dass auch die Lehrkräfte ihre eigenen Geschichtsbilder kritisch hinterfragen. Ein spannender Denkanstoß kommt zudem von Macgilchrist, die im Sinne Derridas vorschlägt, den Prozess, in dem sich Geschichtsbilder formen, selbst zum Gegenstand einer Dekonstruktion zu machen.

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Fussnoten