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Open Air Kino am Checkpoint Charlie 2024 | Open Air Kino am Checkpoint Charlie | bpb.de

Open Air Kino am Checkpoint Charlie 2024 75 Jahre Staatsgründung BRD und DDR

Im Open Air Kino sind in diesem Jahr sechs Filme zum Thema „75 Jahre Staatsgründung BRD und DDR" zu sehen, welche die Komplexität der Gesellschaft und Geschichte des Landes auf die große Leinwand bringen. Bei schlechtem Wetter findet die Filmvorstellung im Veranstaltungsaal der Bundeszentrale für politische Bildung (Friedrichstr. 50, 10117 Berlin, 4. Etage) statt.

Datum der Veranstaltung 25.07. – 29.08.2024
Ort der Veranstaltung Charlie’s Beach, Ausweichort: bpb Berlin
Download-Link: Termin herunterladen

Über die Veranstaltung

Verfassungen und Verfasstheiten

75 Jahre nach der Gründung von zwei deutschen Staaten erzählt das bpb-Sommerkino 2024 mit seinem Programm von Mauern, die keiner errichten wollte, von Aufruhr und Rebellion... und von Engeln!

Mit sechs sehr unterschiedlichen Filmen prüfen wir, wie sich Zeitgeschichte im Kino abbildet. Im Zentrum steht die Frage, wie die beiden deutschen Staaten, die sich in gegensätzliche Richtungen aufmachten, in das Heute nach- und hineinwirken.

Unsere Filme sind als Kinder ihrer Zeit zu verstehen – und doch überdauern sie die den Moment, in dem sie produziert wurden. Sie erzählen aus sehr vielfältigen Blickwinkeln über verschiedene Phasen der geteilten wie gemeinsamen Geschichte(n).

Dieses Kino aus Ost und West und Gesamtdeutschland zeugt von unterschiedlichen Mentalitäten, aber eben auch von einem starken Band, das „die Deutschen“ miteinander knüpfen (müssen).

Der älteste Beitrag der Reihe, Interner Link: SPUR DER STEINE aus dem Jahr 1966, blickt schon kurz nach dem Bau der Mauer (1961), der die beiden jungen Staaten trennte, in einen Osten, der die realsozialistische Realität nur als die Momentaufnahme betrachtet, die die DDR letztlich bleiben sollte - auch wenn dieser geschichtliche Augenblick länger andauerte als manche/r hoffte.

In der BRD brauchte es nebenan fast ein Jahrzehnt länger, bis der Neue Deutsche Film sich vom auf „heile Welt“ und Heimat-Filme konzentrierten Adenauer-Kino emanzipierte. Die Protagonist/innen des cineastischen Aufbruchs wie Rainer Werner Fassbinder oder Volker Schlöndorff erzählen von Interner Link: DEUTSCHLAND IM HERBST, als die RAF die aufgewühlte Bundesrepublik von Links terrorisierte.

Wie der Staat im ehemaligen Osten ins Private wirkte, erfahren wir im Künstlerinnen-Portrait Interner Link: BETTINA. Der Dokumentarfilm beschreibt am Leben der sensiblen wie selbstbestimmten Musikerin Bettina Wegner, wie wenig frei Kunst in der DDR sein durfte, die der Ideologie nicht nützlich war – und was das für Wegner bedeutete.

Als sich beide Seiten des Eisernen Vorhangs in den 1980er-Jahren mit der Zerrissenheit oder wenigstens der dauerhaften Trennung der Länder schon fast abgefunden hatten, brauchte es in Berlin, der geteilten Stadt, fantastische Perspektiven wie sie Wim Wenders in seinem Interner Link: HIMMEL ÜBER BERLIN imaginierte. Der Meisterregisseur lässt Engel und deren Poesie über die Menschen im Schatten der Mauer wachen.

Um das Tempo des Zusammenwachsens zu erfassen, blicken wir in Hannes Stöhrs Interner Link: BERLIN IS IN GERMANY durch die Augen des Antihelden Martin, der elf Jahre nach dem Mauerfall aus der Haft entlassen wird. Auf der Suche nach seinem kleinen, persönlichen Glück im Mikrokosmos der eigenen Familie, die im vereinigten Deutschland ihr Zuhause gefunden hat, gilt es dieses neue Land, das am Protagonisten und uns Zuschauenden vorbeizieht, erst einmal zu verstehen.

Einige Jahre später kämpft in Interner Link: TAMARA die Titelheldin im jüngsten Film der Reihe mit den langanhaltenden Nebenwirkungen der Trennung Deutschlands. Sie wächst am selben Ort, aber in einem anderen Land auf als ihre Eltern, verlässt diese schwer zu verstehende Heimat, doch das Schicksal zwingt sie zu Reflexion und Rückkehr.

Denis Demmerle – Kurator der Reihe

BERLIN IS IN GERMANY

(© PIFFL MEDIEN GmbH )

Gast: Hauptdarsteller Jörg Schüttauf

25. Juli – BERLIN IS IN GERMANY – Beginn: 21.15 Uhr

Kurz vor der friedlichen Revolution muss Martin nach einem unglücklich eskalierten Streit unter Nachbarn ins Gefängnis. Totschlag. Elf Haftjahre später endlich in Freiheit angekommen, existiert das Berlin, das er kannte, nicht mehr. Das, das er bisher nur aus dem Fernsehen kennt, ist Schauplatz seiner neuen Realität. Von Möglichkeiten und Chancen will Martin nicht viel wissen, er will ein Leben zurück, das er nie hatte, will Teil seiner Familie sein, bei seiner mittlerweile Exfrau Manuela und vor allem an der Seite seines Sohnes Rokko. Manuela führt allerdings im neuen Land mit Martins Nachfolger Wolfgang ein glückliches Leben, zu dem sie dem Ex zwar freundlich die Türe öffnet, in dem aber trotzdem kein Platz für ihn ist.
„Die lakonische, aber charmant gespielte Odyssee in den vermeintlich goldenen Westen ist auf gleiche Weise schmerzhaft wie amüsant." - Filmstarts

D 2001, 97min., R: Hannes Stöhr, D: Jörg Schüttauf, Julia Jäger, Robin Becker, u.a.

Trailer:
Externer Link: https://www.youtube.com/watch?v=iNgtmGG5FYQ&ab_channel=HannesStoehr

BETTINA

(© Salzgeber & Co. Medien GmbH)

Gast: Regisseur Lutz Pehnert

1. August – BETTINA – Beginn: 21 Uhr

Ihr Song "Kinder", den viele als "Sind so kleine Hände" kennen, machte Bettina Wegner bekannt - in Ost wie West. Lutz Pehnerts Dokumentarfilm erzählt entlang ihres Liedes “Über Gebote“ die Biografie Wegners zwischen dem ehemaligen Osten und dem ehemaligen Westen. Kurz nach ihrer Geburt in Lichterfelde im Südwesten Berlins zogen ihre Eltern, die sich als Kommunisten verstanden, mit ihr in den Ost-Teil der Stadt. Die junge Bettina verehrt Stalin, steht aber mit 21 Jahren vor Gericht, weil sie gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings protestiert und wird verurteilt. Die Rehabilitation gelingt, aber an die Grenzen des Systems stieß sie immer wieder. Von ihr organisierte Veranstaltungen werden verboten, später sogar ihre Auftritte. Wegner wird bespitzelt und so lange zur Ausreise gedrängt, bis sie keinen anderen Ausweg mehr sieht.
"Die Stärke seines Films liegt in dem Raum, den er den Gedanken und Werken der berlinernden Liedermacherin gewährt." - Kino-Zeit.de

D 2022, 107min, R: Lutz Pehnert, mit: Bettina Wegner, Thomas Brasch, Klaus Schlesinger u.a.

Trailer:
Externer Link: https://vimeo.com/667290194

DEUTSCHLAND IM HERBST

(© STUDIOCANAL GmbH)

Gast: Filmhistoriker Wolfgang Hamdorf

8. August – DEUTSCHLAND IM HERBST – Beginn: 21 Uhr

Die "Todesnacht von Stammheim", der 18. Oktober 1977, in der sich Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe, die inhaftierten Anführer der terroristischen Vereinigung Rote Armee Fraktion (RAF), das Leben nahmen, gibt dem Episodenfilm seinen Rahmen.
Elf Regisseur/innen, die für einen ambitionierten Aufbruch im deutschen Film stehen, entwickelten eigene Blickwinkel und Perspektiven auf die BRD und deren Gesellschaft in der Krise. Sie halten ihr so den Spiegel vor. Das Werk ist nicht nur filmgeschichtlich interessant, da Akteure wie Edgar Reitz oder Alexander Kluge mit dem Oberhausener Manifest ("Papas Kino ist tot“), den Anfang vom Ende des biederen Nachkriegskinos einläuteten, das ein Werk wie dieses erst ermöglichte.
Die Episoden sind vor allem auch ein wichtiges zeithistorisches Dokument einer aufgewühlten, zutiefst verunsicherten Gesellschaft. Besonders markant sind das Streitgespräch von Rainer Werner Fassbinder mit seiner Mutter am Küchentisch, ob es einen „netten“, aber autoritären Herrscher braucht, der wieder für „Ordnung“ sorgt“ und die „Antigone“-Sequenz von Volker Schlöndorff mit Angela Winkler, die über die Grenzen des Sagbaren und die Freiheit/Selbst-Zensur der Kunst reflektiert.
„Der aufregendste deutsche Film, den der junge deutsche Film bisher hervor gebracht hat.“ - Der Spiegel

BRD 1978, 119min, R: Rainer Werner Fassbinder, Volker Schlöndorff, Alexander Kluge, Edgar Reitz, u.a. D: Rainer Werner Fassbinder, Angela Winkler, Mario Adorf, Wolf Biermann, u.a.

Trailer Externer Link: https://youtu.be/_Jc_IeJb5ow?si=AUV3x3CYrXbI_7TD

HIMMEL ÜBER BERLIN

(© STUDIOCANAL GmbH)

Gast: Journalistin Anke Leweke

15. August – HIMMEL ÜBER BERLIN – Beginn: 20.45 Uhr

Dieser Berliner Westen, in dem der Mauerfall zwar kurz bevor steht, sich aber noch längst nicht abzeichnet, lässt sich in Schwarz und Weiß besser ertragen. Wahrscheinlich auch für die beiden Engel Damiel und Cassiel, die sich den Gedanken und Ängsten der Menschen der Stadt nicht entziehen können. Von oben herab oder aus kurzer Distanz, die beiden beobachten sie beim (Er)Leben des Lebens, bis - ja bis – Damiel sich in eine Artistin verliebt. Doch die menschliche Liebe bleibt Engeln verwehrt, es sei denn sie opfern dafür ihre Unsterblichkeit…
Wim Wenders erzählt voller Poesie gleich mehrere schier unglaubliche Geschichten in seinem Kultfilm. Dabei wirkt die klaffende Narbe in der Mitte der alten, neuen Hauptstadt aus heutiger Sicht beinahe unwahrscheinlicher als sein Märchen von der Liebe eines Engels.
„Eine himmlische Hommage an das Leben und an das Filmemachen.“ - Washington Post

D 1987, 127min, R: Wim Wenders, D: Bruno Ganz, Solveig Dommartin, Otto Sander, Peter Falk, u.a.

Trailer: Externer Link: https://youtu.be/_Zih4o6NLCc?si=wvXUrd9e2LJf0sv_

TAMARA

(© Jost Hering Filme )

Gast: Hauptdarstellerin Linda Pöppel

22. August – TAMARA – Beginn: 20.30 Uhr

Tamara wächst im Ostteil Deutschlands auf, der für ihre Eltern noch die DDR war. Geboren wurde sie 1990, also nach dem Mauerfall. Um sich dem in der Familie und so auch in ihr angelegten Schmerzgedächtnis zu entziehen, verlässt sie die Heimat, um anderswo, im gar nicht so weit entfernten Berlin, ihr Glück zu finden. Die Distanz zwischen eben noch da und nun dort, sie lässt sich allerdings kaum in Kilometern messen. Die junge Frau kehrt aus einer anderen (Lebens-)Welt zurück in eine, wo die Zeit zwar nicht stehen geblieben ist, aber vor allem für die Pflege der entstandenen Narben gebraucht wurde. Mit dem plötzlichen Tod des Vaters platzen die nur notdürftig geheilten Wunden in den Konflikten zwischen Mutter und Tochter auf. Gezwungen zur Bewegung nähert sich Tamara nicht nur ihrer Mutter, sondern auch deren Heimat, einem Land, das es nicht mehr gibt.
"Ein Reservoir der Erinnerungen wird hier angezapft, ohne Rückblenden zu bemühen." - Filmdienst

D, 2023, 93min, R: Jonas Ludwig Walter, D: Linda Pöppel, Lina Wendel, Jörg Witte, David Bredin, u.a.

Trailer: Externer Link: https://youtu.be/NzL43vnTuWw?si=YiQG_a_EG345HEgx

SPUR DER STEINE

(© Deutsche Kinemathek - Museum für Film und Fernsehen )

Gast: Journalist Knut Elstermann

29. August 2024 – SPUR DER STEINE – Beginn: 20.30 Uhr

Alle tanzen nach der Pfeife von Zimmermann Hannes Balla, insbesondere seine "Brigade Balla", die sich trotz (oder wegen) der Planwirtschaft fehlendes Material selbst "besorgt", weshalb die Großbaustelle Schkona voran kommt, wenn er und seine Jungs anpacken. Die Oberen tolerieren das, gerade der idealistische SED-Parteisekretär Werner Horrath drückt pragmatisch beide Augen zu, wenn die Ergebnisse stimmen. Seine Autorität gibt er ihm gegenüber nur scheinbar auf, vielmehr weiß er die Fähigkeiten Ballas zu nutzen.
Regisseur Frank Beyer formuliert durch die Münder von Balla & Co offene, unverhohlene Kritik am System, weshalb sein Film in der DDR schnell und sehr lange verboten wurde. Die Geschichte um den charismatischen Outlaw im Zentrum atmete zu viel aufrührerischen Geist. Das Neue Deutschland veröffentlichte eine "gelenkte" Kritik zum Film und konstatierte linientreu:
„Der Film erfasst nicht das Ethos, die politisch-moralische Kraft der Partei der Arbeiterklasse und der Idee des Sozialismus, bringt dafür aber Szenen auf die Leinwand, die bei den Zuschauern mit Recht Empörung auslösten.“ - Neues Deutschland

DDR, 1966, 139min, R: Frank Beyer, D: Manfred Krug, Krystyna Stypułkowska, Eberhard Esche, u.a.

Trailer: Externer Link: https://www.youtube.com/watch?v=-6HDY3M1pY8

Hinweise zur Veranstaltung

Veranstaltungsadresse:
Charlie’s Beach, Friedrichstraße 48, 10117 Berlin

Veranstalter:
bpb

Zielgruppe:
Personen mit einem Interesse an politischen Bildungsanhalten und Filmvorstellungen.

Pressekontakt:
Journalistinnen und Journalisten wenden sich bitte an die Pressestelle.

Hinweise zur Teilnahme:
Teilnahmegebühr: kostenfrei
Eine Anmeldung vorab ist nicht notwendig. Die vorhandenen Plätze sind auf insgesamt 200 begrenzt.

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