6.11.2017 | Von:
Wolfram Hilpert

Politische Bildung als Aufgabe. Inklusivität als Anspruch

Die Diskussion um eine Didaktik der inklusiven politischen Bildung

An dieser Stelle soll noch einmal der Ausgangspunkt der Diskussion in der bpb um Inklusion in der politischen Bildung und um Produkte in leichter Sprache in den Blick genommen werden.

Auch in der bpb war die UN-Behindertenrechtskonvention Anlass, neue Fragen zu stellen.
In Artikel 24 der UN-BRK wird die Befähigung zur „wirklichen Teilhabe an einer freien Gesellschaft“ als ein Bildungsziel formuliert. Politische Bildung wird in die Pflicht genommen, ihre Angebote für Menschen mit Behinderungen nutzbar zu machen und zum Empowerment von Menschen beizutragen, die bisher an einer gleichberechtigten Teilhabe an politischen Prozessen gehindert wurden. Zugangsbarrieren sind abzubauen und Unterstützungsangebote zur selbstständigen Nutzung bereitzustellen. Eine besondere didaktische Herausforderung stellt sich, wenn Inhalte und Vermittlungswege selbst zur Barriere werden etwa dann, wenn politische Bildung den Bildungserfordernissen von Menschen mit Lernschwierigkeiten gerecht werden will.
Bis 2013 gab es Überlegungen, ob die didaktische Herausforderung für eine politische Bildung von Menschen mit Lernschwierigkeiten vielleicht doch nicht so groß sein könnte, wie es den Anschein hatte. War möglicherweise Leichte Sprache die Lösung? Konnte sich das Problem nicht einfach dadurch lösen lassen, indem man das politische Bildungsangebot der bpb in Leichte Sprache übersetzt?

Im Juni 2013 wurden Experten zu einem Workshop zur Leichten Sprache eingeladen. Die Aufgabe des Workshops war zu klären, ob Leichte Sprache die (einfache) Antwort der politischen Bildung auf die Forderungen der UN-BRK auch in Hinblick auf Menschen mit Lernschwierigkeiten sei. Die Antwort war: Nein, so einfach ist es nicht.

Im Workshop wurde daher die Initiierung eines Diskussionsprozesses angeregt, der Antworten auf die Frage finden soll: Wie kann eine Didaktik einer inklusiven politischen Bildung aussehen? Ein Workshop mit Wissenschaftlern aus verschiedenen Disziplinen, insbesondere der Sonderpädagogik und der Fachdidaktik eröffnete den Erarbeitungsprozess im März 2014. Im September 2015 wurde dann der Schriftenreihe-Band „Didaktik der inklusiven politischen Bildung“ publiziert und in selben Monat der Kongress „inklusiv politisch bilden“ veranstaltet, an dem Wissenschaftler, Praktiker und Menschen teilnahmen, die aufgrund ihrer Behinderung Experten waren. „inklusiv politisch bilden“ hieß und heißt auch die Website-Rubrik inklusiv politisch bilden, die zu dem Thema ins Leben gerufen wurde. Die Ergebnisse dieses Erarbeitungsprozesses hatte, wie sich zeigte, Auswirkungen auch auf die Produktion der Materialien in verständlicher Sprache: