6.11.2017 | Von:
Wolfram Hilpert

Politische Bildung als Aufgabe. Inklusivität als Anspruch

Inklusion: Definition einer Aufgabe

Der Begriff „Inklusion“ wurde sowohl im Workshop als auch in der „Didaktik der inklusiven politischen Bildung“ einer eingehenden Betrachtung unterzogen.
  • Karl-Ernst Ackermann (http://www.bpb.de/180603) wies darauf hin, dass seit der UN-Konvention „Inklusion“ in der behindertenpädagogischen, aber auch der politischen Diskussion als Leitbegriff für das fungiere, was als gesellschaftliche Aufgabe für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung betrachtet wird. Aus behindertenpädagogischer Sicht verweise der Begriff somit auf den in der UN-Konvention menschenrechtlich legitimierten Anspruch der Gleichstellung hin.

  • Ackermann betonte aber auch, dass ursprünglich „Inklusion“ ein soziologischer Begriff sei. Es warnte davor, die soziologische Perspektive auf das Begriffspaar Inklusion/Exklusion aus dem Blick zu verlieren. Inklusion habe in seiner soziologischen Bedeutung generell die Überwindung illegitimer sozialer Spaltungen, nicht nur die zwischen Behinderten und Nicht-Behinderten, zum Ziel.

  • Aus beiden Aspekten des Inklusionsverständnisses ergibt sich nach Ackermann: Inklusion kann nicht bedeuten, „Menschen mit Behinderung an gegebene gesellschaftliche Verhältnisse anzupassen. Vielmehr sollen die gesellschaftlichen Verhältnisse so modifiziert werden, dass Heterogenität akzeptiert wird und Menschen mit Behinderung am Leben in der Gesellschaft gleichberechtigt teilhaben" (http://www.bpb.de/180603). Das ist auch eine Definition von Inklusion, die für die bpb von Bedeutung ist.

  • Kronauer (2015) weist darauf hin, dass der, der Inklusion anstrebe, auch die Exklusionsprozesse in den Blick nehmen müsse, die unsere Gesellschaft prägen und auch andere Gruppen ausschließen. Die Exklusionsprozesse, denen Menschen mit Behinderung ausgesetzt sind, könne man ohne diese unsere Gesellschaft prägenden, auch andere exkludierenden wirtschaftlichen und sozialen Exklusionsprozesse weder verstehen, noch überwinden.

  • „Inklusion“, so mahnte Kronauer, lasse sich auch aus anderen Gründen nicht auf Menschen mit Behinderung beschränken. Aus der menschenrechtlichen Begründung von Inklusion in der UN-BRK lassen sich seiner Auffassung nach Rückschlüsse auf die Reichweite des Begriffs "Inklusion" ziehen: Wenn "Inklusion ein Menschenrecht darstellt, kann dieses nicht auf Menschen mit Behinderungen begrenzt werden. […] Denn was für die »Inklusion« von Menschen mit Behinderungen gelten sollte, nämlich dass sie bei Anerkennung ihrer besonderen Bedarfe ihre Lebensziele gleichberechtigt mit allen anderen Menschen verfolgen können, muss für eben jene anderen Menschen mit ihren besonderen Bedarfen gleichermaßen gelten“.

Relevant für die politische Bildung: Der weite Inklusionsbegriff

Aus all diesen verschiedenen Gründen ergibt sich, dass in der politischen Bildung es wenig Sinn macht, einen engen Inklusionsbegriff zu verwenden: Wenn Inklusion nur als ein Prozess verstanden wird, den unsere Gesellschaft Menschen mit Behinderung zugedacht hat, dann ist dies sellbst exkludierend. Bei der Planung und Konzeption politischer Bildungsprozesse ist es vielmehr angeraten, den weite Begriff von Inklusion zu verwenden: Inklusion als Überwindung illegitimer sozialer Spaltungen.