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27.11.2003 | Von:
Peter Filzmaier
Birgit Winkel

Internetseiten im EU-Vergleich

Qualitative Inhaltsanalyse parlamentarischer Websites

Das skizzierte Ergebnis der Amsterdam-Maastricht Summer University lässt grundlegende Unterschiede der Qualität vermuten. Sinnvolle qualitative Vergleiche parlamentarischer Websites müssen demzufolge nach mehrdimensionalen Kriterien erfolgen und über reine Zählungen hinausgehen, nachdem viele Inhalte überall vorhanden[11] und auf den ersten Blick gleichwertig sind. Ein quantitativ reichhaltiges Angebot ist qualitativ unter Umständen vergleichsweise wenig zur Förderung der politischen Kommunikation zwischen Volksvertretung (Parlament) und Volk (Bürgern) geeignet.

In der Folge wird versucht, die Websites deutschsprachiger Parlamente qualitativ zu vergleichen. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass in einer repräsentativen Demokratie parlamentarische Websites idealtypisch sowohl Top-down-Informationen als auch Bottom-up-Kanäle für eine interaktive politische Partizipation und Kommunikation anbieten. Die Kategorien für eine Inhaltsanalyse können demzufolge (vgl. Abbildung 2, siehe PDF-Version) nach den Kriterien der politischen Information über Geschichte, Rechtsrahmen, Strukturen und Abgeordnete sowie der (interaktiven) Kommunikation über die Arbeit des Parlaments und politische Themen mit den jeweils entsprechenden Serviceleistungen unterschieden werden.

Quantitative Studien nach einem ähnlichen Analyseschema belegen - wenig überraschend - den höchsten Service-, Informations- und Kommunikationsgehalt nordamerikanischer und westeuropäischer bzw. insbesondere skandinavischer Seiten. Auch Australien und Neuseeland nehmen Führungspositionen ein, während Parlamente in Afrika und im Nahen/Mittleren Osten das Schlusslicht bilden. Die Qualität parlamentarischer Websites steht global in direktem Zusammenhang mit der Nutzungsfrequenz für das Internet, vor allem aber auch mit dem Entwicklungsstand und Demokratisierungsgrad eines Landes.

Im Unterschied zu solchen quantitativ orientierten Studien - in denen der Abbildung 2 vergleichbare Kategorien bzw. Indikatoren korreliert werden, um eine Reihung nach Punkten zu ermöglichen[12] - ist jedoch zumindest für innereuropäische Vergleiche eine qualitative Beschreibung der Inhalte erforderlich. Diese kann durchaus (vgl. Abbildung 3 mit einer vier- bzw. fünfteiligen Skala als Wertungskategorien, siehe PDF-Version) gleichfalls in eine zahlenähnliche Bewertung münden.


Fußnoten

11.
Beispielsweise fanden sich vollständige Abgeordnetenlisten, Ausschüsse und Unterausschüsse, Verfassungstexte usw. bereits 1999 auf fast drei Viertel aller Parlamentsseiten weltweit. Hingegen waren in weniger als zehn Prozent der Fälle Online-Diskussionsforen vorgesehen. Vgl. Pippa Norris, A Virtuous Circle. Political Communications inPostindustrial Societies, New York 2000, S. 16.
12.
P. Norris (Anm. 3) kodierte die Angebote politischer Information mit "1" und "0" für vorhanden/nicht vorhanden, wobei im erstgenannten Fall zusätzlich eine Wertung von ein bis drei Punkten zur Anwendung kam. Kommunikationsangebote wurden analog dazu mit "1" und "0" für ja/nein kodiert.