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6.10.2003 | Von:
Natascha Adamowsky

Totale Vernetzung - totale Verstrickung?

Zu welchem Ende?

Die eingangs gestellte Frage bleibt unbeantwortet: Zu welchem Ende betreiben wir diesen Aufwand eigentlich? Aus den Berichten geht hervor, dass es um Arbeits- und Zeitersparnis geht, um eine bequeme Welt mit mehr Lebensqualität. Ist damit ein modernes Paradies gemeint, in dem uns alle Wünsche von den Augen abgelesen werden, damit wir vergnügliche Symbiosen von Sinn und Sinnlichkeit erfinden können? Das aber wäre ein altes Projekt: die Befreiung des Menschen von aller Mühsal und allem Naturzwang und seine Entlassung in die Utopie des Homo ludens.

Ob man mit dieser Utopie gut beraten ist? Solange die Gesellschaft so wenig für den Spieler aus Fleisch und Blut übrig hat, ist dies zu bezweifeln. Zwar ist die Abwesenheit des Vergnüglichen und Spielerischen aus dem modernen Technikdiskurs kein Erfordernis der Technik selbst, doch ist die Reduzierung des Technikbegriffes auf Nutzen und Effizienz nach wie vor ein Stützpfeiler der westlichen Vorstellungswelt. Technische Szenarien, die danach trachteten, das Vergnügliche und Berückende zu fördern, müssten überhaupt erst neu erfinden, was in einem anspruchsvollen Sinn unter Vergnügen zu verstehen sei. Keine technische Disziplin muss sich allerdings davon abhalten lassen. Es steht ihr frei, im Spiel eine Verbindung zu der ihr eigenen Ästhetik zu suchen.