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2.6.2003 | Von:
Gunter Holzweißig

Der 17. Juni 1953 und die Medien

Langzeitwirkungen

Bis zu ihrem Sturz blieb für die SED-Spitze die beim Juni-Aufstand vor aller Welt vollzogene Demontage ihrer angemaßten "führenden Rolle" ebenso wie die diesbezügliche Berichterstattung bundesdeutscher Hörfunksender ein Trauma. Das inspirierte Fritz Pleitgen zu diesem Szenario: "Was wäre geschehen, wenn das Fernsehen am 17. Juni so allgegenwärtig gewesen wäre wie heute?" Vielleicht, so Pleitgen in seinem Gedankenspiel, hätte Washington seine Zurückhaltung aufgegeben, und die Sowjets hätten angesichts des Machtkampfs im Kreml amerikanischem Druck nachgegeben, so dass "die Helden des 17. Juni" schon 1953 die deutsche Einheit hätten erkämpfen können.[32]

Als WDR-Chefredakteur verspürte Pleitgen im Herbst 1989 eine Langzeitwirkung des 17. Juni auf sein Berufsverständnis. So habe er Zurückhaltung bei der Kommentierung der Vorgänge in der DDR "gepredigt", um bloß nicht durch "Maulheldentum die Machthabenden zu blutigen Reaktionen herauszufordern". Bis zur entscheidenden Leipziger Montagsdemonstration seien deshalb - auch auf Drängen der Bürgerrechtler - "Kampfbegriffe" wie "17. Juni" oder "Wiedervereinigung" in der Berichterstattung der ARD tabu gewesen.[33]


Fußnoten

32.
Referat Fritz Pleitgens auf dem in Anm. 12 erwähnten Symposium. Für den Wortlaut vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 7. 12. 2002, S. 40.
33.
Ebd.