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6.5.2003 | Von:
Hans Oswald
Hans-Peter Kuhn

Erstwähler in den neuen Bundesländern

II. Untersuchungsmethode

Im Frühjahr 1996 haben wir im Rahmen unserer Untersuchung Schülerinnen und Schüler der 10. Klassen in Brandenburg befragt. Dieselben jungen Menschen haben wir in den Frühjahren 1997 und 1998 sowie ein viertes Mal nach der Bundestagswahl im Herbst 1998 interviewt, sodass wir den Prozess der Entwicklung von Parteipräferenzen und Wahlentscheidungen nachzeichnen können.

Die Untersuchung basiert auf repräsentativen Stichproben von Gymnasien, Real- und Gesamtschulen in Brandenburg.[5] Einbezogen wurden alle Schüler der 10. Jahrgangsstufe an über 40 ausgewählten Schulen; sie sollten während einer Unterrichtsstunde einen Fragebogen ausfüllen. An der ersten Erhebung(swelle) nahmen insgesamt 2 633 Schülerinnen (59 Prozent) und Schüler (41 Prozent) teil. Bei den Gymnasiasten wurde die klassenweise Erhebungsmethode beibehalten, während die Real- und Gesamtschüler nach der 10. Klasse abgingen und deshalb in der Folge postalisch interviewt wurden. Auch die Eltern wurden zu allen vier Messzeitpunkten auf diese Weise interviewt, an der ersten Erhebung beteiligten sich 1 077 Mütter und 884 Väter.

An der schriftlichen Befragung nach der Bundestagswahl 1998 nahmen 1 309 Jugendliche und je 352 Väter und Mütter teil. Gymnasiasten und Mädchen sind dabei überrepräsentiert. 795 der Jugendlichen nahmen an allen vier Befragungen teil, sodass mit ihnen eine Entwicklungsanalyse durchgeführt werden konnte. Der Einfluss von Freunden konnte wegen der klassenweisen Befragung, welche die Identifizierung befreundeter Jugendlicher ermöglicht, nur für Gymnasiasten analysiert werden. Für die Befragung nach der Bundestagswahl konnten 775 Freundespaare identifiziert werden, wobei drei Gruppen nach der Intensität ihrer Beziehung zueinander unterschieden wurden. Zusätzlich zu den statistisch auswertbaren schriftlichen Befragungen wurden zu jedem der vier Messzeitpunkte qualitative Tonbandinterviews durchgeführt.

Wahlbereitschaft und Parteipräferenz wurden in den ersten drei Befragungswellen mit der bekannten Sonntagsfrage und dem Zusatz "und wenn Du bereits wahlberechtigt wärst" erhoben, bei der vierten Erhebung nach der Bundestagswahl fragten wir direkt nach dem Wahlverhalten. Die von uns erhobenen Merkmale, die wir für die Profile der Erstwähler der Parteien verwenden, sind Tabelle 1 zu entnehmen. Nähere Einzelheiten zur Untersuchungsanlage und zu den Befragungsinstrumenten können dem Erstwählerbuch entnommen werden.[6]


Fußnoten

5.
In Brandenburg gibt es keine Hauptschulen.
6.
Vgl. Hans-Peter Kuhn/Karin Weiss/Hans Oswald (Hrsg.), Jugendliche Wähler in den neuen Bundesländern. Eine Längsschnittstudie zum Verhalten von Erstwählern bei der Bundestagswahl 1998, Opladen 2001.