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6.5.2003 | Von:
Thomas Kieselbach
Gert Beelmann

Arbeitslosigkeit als Risiko sozialer Ausgrenzung bei Jugendlichen in Europa

II. Psychologische Arbeitslosen- forschung und das Konzept sozialer Exklusion

Inwieweit lässt sich die psychologische Arbeitslosenforschung mit dem soziologisch orientierten Konzept sozialer Exklusion vereinbaren? Lässt sich diese Konzeption verbinden mit der psychologischen Wirkungsforschung, oder stellt sie einen umfassenderen Ansatz zur Beschreibung und Erklärung von Folgen der Arbeitslosigkeit und den Dynamiken sozialer Exklusion dar? Ist es ein Konzept, mit dem die soziologische und psychologische Arbeitslosenforschung verknüpft werden kann?

Aus Sicht der psychologischen Arbeitslosenforschung beinhaltet der Begriff der sozialen Ausgrenzung eine Vielzahl relevanter Moderator-Variablen für den Zusammenhang von Arbeitslosigkeit und psychischer Gesundheit (z.B. finanzielle Belastungen, soziale Unterstützung). Insofern stellt das Konzept sozialer Ausgrenzung eine Systematisierung der vielfältigen sozialstrukturellen, ökonomischen und psychischen Belastungsaspekte für die individuelle Erfahrung von Arbeitslosigkeit dar. Mit Hilfe des Konzepts lassen sich möglicherweise die Folgen von Arbeitslosigkeit umfassender beschreiben und erklären als durch einzelne isolierte Indikatoren.

Bei betroffenen Jugendlichen, insbesondere für die extrem Gefährdeten, liefert das Konzept sozialer Exklusion Hinweise darauf, an welchen biographischen Bruchstellen dringend Maßnahmen zur Begrenzung des Risikos sozialer Ausgrenzung geboten sind. Die vielfältigen Facetten des Problembereichs Arbeitslosigkeit können mit diesem Konzept auf gesellschaftlicher und individueller Ebene beschrieben werden und damit einen gezielten Ausgangspunkt zur spezifischen Bekämpfung sozialer Ausgrenzungsprozesse bilden.