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6.5.2003 | Von:
Thomas Kieselbach
Gert Beelmann

Arbeitslosigkeit als Risiko sozialer Ausgrenzung bei Jugendlichen in Europa

III. Soziale Exklusion und soziale Inklusion als ein europäisches Konzept

Das Thema soziale Exklusion hat sich innerhalb der Europäischen Union und in der Programmatik der Europäischen Kommission als ein zentrales Konzept entwickelt. Im Zuge der Entwicklung einer europäischen Beschäftigungspolitik und der Entstehung nationaler Aktionspläne ist die Bekämpfung sozialer Exklusion und die Förderung sozialer Inklusion von herausragender Bedeutung für die soziale Kohäsion eines geeinten Europas. In den Beschäftigungsrichtlinien der Europäischen Kommission für das Jahr 2002 kommt der Förderung sozialer Inklusion eine besondere Bedeutung zu.[4] Die einzelnen Teilnehmerstaaten werden aufgefordert:

- die Probleme zu bekämpfen, die den Zugang der Menschen zum Arbeitsmarkt, zur Ausbildung und Qualifizierung behindern;

- Strategien präventiver und aktiver Maßnahmen zu entwickeln, um die Integration derer zu fördern, die als benachteiligt gelten oder besonderen Risiken ausgesetzt sind;

- der Marginalisierung, der Entstehung einer Gruppe verarmender Erwerbspersonen (working poor) und Exklusionsrisiken entgegenzuwirken;

- geeignete Maßnahmen zu implementieren, die an den Bedürfnissen der sozialen Randgruppen im Hinblick auf deren Integration in den Arbeitsmarkt orientiert sind.

Der Rat der Europäischen Union hat 2001 erstmals einen Gemeinsamen Bericht über das Problem von Armut und sozialer Ausgrenzung erstellt. Darin wird das strategische Ziel der Schaffung einer größeren sozialen Kohäsion innerhalb der Europäischen Union formuliert. In den Europäischen Ratssitzungen haben "die Mitgliedsstaaten sich verpflichtet, nachhaltiges Wirtschaftswachstum und qualitativ hochwertige Beschäftigung zu fördern und somit über den Zeitraum von 2001 bis 2010 das Risiko von Armut und sozialer Ausgrenzung zu verringern und den sozialen Zusammenhalt in der Union zu stärken"[5]. Der Europäische Rat identifiziert acht große Herausforderungen, die von den einzelnen Mitgliedsstaaten thematisiert werden. Eine der Herausforderungen ist "die Schaffung eines integrativen Arbeitsmarktes und Förderung der Beschäftigung als Recht und Möglichkeit für alle Bürger"[6].

In den nationalen Aktionsplänen wird Arbeitslosigkeit, vor allem Langzeitarbeitslosigkeit, als zentraler Faktor für die Erhöhung des Risikos von Armut und sozialer Ausgrenzung bewertet. Alle Mitgliedsstaaten sehen denn auch die Erwerbsbeteiligung als beste Strategie zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung an.

Im Rahmen der Forschungsförderung der Europäischen Kommission wird inhaltlich auf die Forderungen des Europäischen Rats und der Europäischen Beschäftigungsrichtlinien Bezug genommen. Im 4. Forschungsrahmenprogramm der zielgerichteten sozioökonomischen Schwerpunktforschung der EU wurde der Forschungsbereich "Soziale Integration und soziale Exklusion - Ursachen sozialer Exklusion, speziell von Arbeitslosigkeit" aufgenommen. Im Rahmen dieses Forschungsfeldes ist das im Folgenden dargestellte EU-Forschungsprojekt durchgeführt worden.


Fußnoten

4.
Vgl. European Commission, The Employment Guidelines for 2002, Brussels 2001.
5.
Rat der Europäischen Union, Gemeinsamer Bericht über die soziale Eingliederung, Brüssel 2001, S. 6.
6.
Vgl. ebd., S. 8.